Im Reich der Düfte: Der Schweizer Börsenneuling DSM-Firmenich spürt, dass die Anleger KI-Aktien bevorzugenDie Aktien des Nährstoff- und Duftstoffherstellers DSM-Firmenich sind erfolgreich an der SIX Swiss Exchange gestartet. In Sachen Börsenkapitalisierung liegt der Konzern aber deutlich hinter dem Hauptkonkurrenten Givaudan.22.05.2026, 15.27 Uhr4 LeseminutenDer CEO von DSM-Firmenich, Dimitri de Vreeze (rechts), feiert zusammen mit Tomas Kindler, dem Börsenverantwortlichen von SIX, den Handelsstart.PDNeuzugänge an der SIX Swiss Exchange sind selten geworden. Im vergangenen Jahr kamen mit der Biotechfirma Bioversys und dem Betreiber von Online-Marktplätzen Swiss Marketplace Group nur zwei Firmen neu an die Schweizer Börse.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Am Donnerstag startete der Handel mit den Aktien des ersten Neulings im laufenden Jahr: Kurz nach neun Uhr durfte das Management des schweizerisch-niederländischen Nährstoff- und Duftstoffherstellers DSM-Firmenich im Auditorium von SIX die Kuhglocke zur Eröffnung schwingen und den obligaten Champagner entkorken.Erleichterung auf allen SeitenBei den anwesenden Verantwortlichen des Börsenbetreibers SIX Group war die Erleichterung sichtlich gross, endlich wieder ein Unternehmen nach Zürich gelockt zu haben. Auch der Führung von DSM-Firmenich war die Freude über den Handelsstart in die Gesichter geschrieben. Dimitri de Vreeze sagte während der Feier, man könne nun Investoren in der Schweiz leichter ansprechen. Am Freitag wurden die Aktien des Unternehmens in den Swiss-Performance-Index (SPI) aufgenommen.DSM-Firmenich war vor drei Jahren aus der Fusion des niederländischen Chemiekonzerns DSM und des damals noch privat gehaltenen Genfer Aromen- und Duftstoffherstellers Firmenich entstanden. Seither sind die Aktien der Firma an der Euronext in Amsterdam gehandelt worden, wo zuvor schon DSM kotiert gewesen war.Laut de Vreeze wurde dem Unternehmen insbesondere von Family-Offices aus der Schweiz immer wieder beschieden, dass man an einem Investment interessiert sei. Zugleich hätten diese Kreise aber zur Bedingung gemacht, dass sie die Aktien in der Schweiz erwerben könnten.Weniger Kosten dank DoppelkotierungDer Konzern stiess im Rahmen einer gleichberechtigten Doppelkotierung an die SIX Swiss Exchange. Seit dem vergangenen Jahr ermöglicht die Schweizer Gesetzgebung dieses Vorgehen, sofern sich der andere Börsenplatz ebenfalls in Europa befindet. DSM-Firmenich profitierte von einem abgekürzten Zulassungsverfahren und brauchte anders als vor drei Jahren keinen Kotierungsprospekt zu veröffentlichen. Man habe dadurch substanzielle Kosten vermieden, betonte de Vreeze im Gespräch mit der NZZ am Rande der Feier zum Handelsstart.Am ersten Handelstag in Zürich legte der Aktienkurs von DSM-Firmenich um 6,4 Prozent auf 66.83 Franken zu. Am Freitagmorgen tendierte die Notierung indes schwächer. Offenbar nahmen gewisse Anleger Gewinne mit.Obschon das Unternehmen dank der Doppelkotierung seine Sichtbarkeit ausweitet, ist das Management gefordert, Vertrauen zurückzugewinnen. Die bisherige Kursentwicklung seit der Fusion im Frühjahr 2023 verlief mit Verlusten von 40 Prozent enttäuschend.Anleger investieren lieber in Tech- und RüstungswerteDe Vreeze gibt zu bedenken, dass in den vergangenen drei Jahren sämtliche Hersteller von Ingredienzien für Nahrungs- oder Körperpflegemittel an der Börse zurückgestuft worden seien. Investoren hätten andere Sektoren bevorzugt – allen voran, wegen des Booms in der künstlichen Intelligenz, die Aktien von Technologieunternehmen. Auch die Titel von Rüstungsfirmen seien stark gefragt gewesen.Der Firmenchef von DSM-Firmenich glaubt indes, bei Investoren wieder vermehrt punkten zu können, sobald das Interesse an der KI und an Waffenherstellern nachlässt. Der Sektor der Nährstoff-, Aromen- und Duftstoffproduzenten weise defensive Qualitäten auf, sagt er.Tatsächlich gelingt es den Unternehmen dieser Branche, auch im gegenwärtig schwierigen konjunkturellen Umfeld zu wachsen. Im ersten Quartal steigerte DSM-Firmenich den Umsatz im fortgeführten Geschäft sowie in Lokalwährungen um 4 Prozent auf 2,3 Milliarden Euro. Der Hauptkonkurrent Givaudan erhöhte die Verkäufe um knapp 3 Prozent auf 1,9 Milliarden Franken.Givaudan geniesst mehr VertrauenObschon Givaudan vom Umsatz her kleiner als DSM-Firmenich ist, weist der Genfer Konzern eine höhere Marktkapitalisierung auf. Er wird an der SIX Swiss Exchange mit über 26 Milliarden Franken bewertet. Im Fall von DSM-Firmenich sind es knapp 17 Milliarden.Givaudan hat sich mit beständig hohen Margen sowie kontinuierlichem Wachstum ein starkes Renommee bei Anlegern erarbeitet. Allerdings litt auch der weltgrösste Anbieter von Aromen und Duftstoffen in den letzten Jahren darunter, dass viele Anleger Positionen aus konsumnahen Branchen in Technologie- und Rüstungsaktien umschichteten.Dass nun auch die Aktien von DSM-Firmenich an der Schweizer Börse gehandelt werden, begrüsst die Führung von Givaudan ausdrücklich. Man erachte es als positiv, weil dadurch der gesamte Sektor mehr Aufmerksamkeit erhalten könne, erklärt der Konzern auf Anfrage.Veräusserung der VitaminsparteGivaudan war, im Rahmen eines Spin-offs, vor über 25 Jahren aus der Duftstoffsparte des Basler Pharmaunternehmens Roche hervorgegangen. Auch zwischen DSM-Firmenich und Roche gibt es enge Verbindungen aus der Vergangenheit. DSM hatte 2003 die Vitaminsparte des Medikamentenherstellers erworben.Im neuen Konstrukt DSM-Firmenich wird künftig aber nicht viel davon übrigbleiben. Wie im vergangenen Februar bekanntgegeben wurde, sollen grosse Teile des Vitamingeschäfts der Private-Equity-Gesellschaft CVC Capital Partners veräussert werden. Davon betroffen ist auch das grosse Werk im aargauischen Sisseln mit über 1000 Beschäftigten. Insgesamt werden im Rahmen der Devestition rund 8000 Angestellte DSM-Firmenich verlassen.CVC sei der bessere Eigentümer für das zyklische Vitamingeschäft, sagt de Vreeze. Der Bereich habe in den besten Jahren einen operativen Gewinn (Ebitda) von 450 Millionen Euro erzielt. Wenn es schlecht gelaufen sei, habe man nichts verdient.DSM-Firmenich kündigte im Zusammenhang mit der Veräusserung auch eine Wertberichtigung von 1,9 Milliarden Euro an. Sie wurde dem letztjährigen Geschäftsergebnis belastet.Passend zum Artikel