In Europa fehlt es an einer zuverlässigen Finanzierung, die sicherstellt, dass aus wissenschaftlichen Ideen Geschäftsmodelle werden. Deshalb kooperiert die auf den Zugang von Spitzenforschung auf Märkte spezialisierte Joachim-Herz-Stiftung aus Hamburg künftig mit der Investmentplattform Marvelous aus Berlin. Für ihr Engagement nimmt die Stiftung 20 Millionen Euro in die Hand, um Start-ups in einer frühen Phase zu unterstützen, die aus der Wissenschaft heraus gegründet worden sind. Dieses Geld soll für junge Unternehmen bereitstehen, die in den Feldern Marktforschung, Abfallverwertung und Robotik aktiv sind. Sie hofft, Nachahmer in anderen Stiftungen zu finden.Marvelous ist schon heute als Frühphaseninvestor im Deep-Tech-Segment engagiert und kümmert sich als Fondsmanager des neu eingerichteten Marvelous Scito Fonds um die Auswahl der Start-ups, in die Geld fließen soll. Zudem begleitet das Unternehmen Start-ups, stellt Verbindungen von wissenschaftlichen Einrichtungen und Start-ups zu Industriepartnern her. So sollen sie früher Märkte validieren, Kundenbeziehungen aufbauen und Skalierungsschritte vornehmen können.Die Frühphase der Start-ups sei ein erster Bereich, in dem das vorhandene Kapital und vielversprechende Forschungsansätze nicht zusammenkämen, sagt Fondsgründer Philipp Buddemeier. „Vom Labor zur Pilotanlage funktioniert der Übergang nicht, und vom Piloten zu kapitalintensiver Finanzierung noch immer nicht ausreichend aus europäischen Quellen“, sagt er. Die Kooperation mit der Joachim-Herz-Stiftung reagiert darauf. Sie hat ermittelt, dass bis zum Jahr 2030 zehn Milliarden Dollar fehlen könnten, um das Deep-Tech-Segment zu finanzieren. Dazu zählen Quanten- und Biotechnologie, Klima- und Roboterforschung.Die Entscheidungen, welche Projekte gefördert werden und welche Wagniskapital erhalten, sind strikt getrennt. „Diese Grenze müssen wir bewahren, es darf keine Durchreichung von Projekten geben, sonst stellt sich ein Problem der Gemeinnützigkeitsgrenze“, sagt Sabine Kunst, Vorstandsvorsitzende der Stiftung. „Wir wollen nicht nur unsere liebsten Babys finanzieren.“ In den vier Jahren nach 2021 ist das deutsche Wagniskapitalvolumen von knapp 25 Milliarden auf unter 10 Milliarden Dollar gefallen. Die Frühphase, auf die der neue Fonds abzielt, wird von Venture-Kapital-Fonds meist gemieden, weil dort Risiken auftreten, die nicht zu ihrem Profil passen.Die Stiftung möchte mit dem Engagement erreichen, dass die Nachhaltigkeitswirkung zunimmt, ohne dass schnell eine Rendite in den Fonds zurückfließen muss. Der Fonds verfolgt das Ziel, aus guten Ideen aus der Wissenschaft erfolgreicher einen ökologischen Effekt zu erzielen. Die Zusammenarbeit mit der Industrie bringe Unternehmen schneller zum Markterfolg.
Wie der Übergang vom Labor zum Markt klappen soll
Bislang förderte die Joachim-Herz-Stiftung vielversprechende Forschung. Von jetzt an tritt sie auch als Wagniskapitalgeber auf, um gute Ideen erfolgreich an die Märkte zu bringen.







