Als CBS im Juli 2025 das Ende der »Late Show« verkündete, war das auf verdrehte Weise natürlich ein Witz. Angeblich erfolgte die Absetzung nicht auf politischen Druck aus Washington, sondern »aus rein finanziellen Gründen«. Eine Lüge, so plump, dass sie inzwischen aus dem Repertoire sarkastischer Redewendungen nicht mehr wegzudenken ist. Was auch immer seitdem mit »purely financial reasons« begründet wird – man darf sicher sein, dass das Gegenteil der Fall ist.

Umso bemerkenswerter, dass von Sarkasmus in der letzten »Late Show« nichts zu spüren war. Im Gegenteil. Das Schlachtschiff der US-Satire feuerte selbst im Augenblick des Untergangs noch einmal aus allen Rohren. Und Stephen Colbert, seit neun Staffeln in Folge die unangefochtene Nummer eins in seinem Segment, schenkte dem Fernsehen eine späte Sternstunde.Schon in den vergangenen Wochen hatte er seinen Gegnern den Gefallen versagt, sich als Opfer rechter »Cancel-Culture« zu präsentieren. Es herrschte eine Stimmung zwischen Melancholie, Nostalgie und Heiterkeit. Mal hatte Colbert mit seinem Vorgänger David Letterman über bessere Zeiten geplaudert, mal einzelne Mitarbeiter hinter den Kulissen gewürdigt, mal wie ein Reiseführer durch das Gebäude und die Geschichte des ehrwürdigen Ed Sullivan Theater am Broadway geführt. Und wenn mit Barack Obama, Steven Spielberg, Tom Hanks oder Bruce Springsteen reihenweise Ikonen des »guten Amerika« noch einmal ihre Aufwartung machten, wirkte das wie ein letzter Besuch am Bett eines verdächtig fidelen Palliativpatienten.