Das 43. Filmfest München rückt näher (26. Juni bis 5. Juli). Am finalen Programm wird noch gefeilt, immer mehr Höhepunkte und Ehrengäste stehen aber bereits fest. Wie kürzlich bekannt wurde, soll Sandra Hüller das Festival in der Isarphilharmonie eröffnen. Gezeigt wird die Deutschland-Premiere von „Vaterland“, mit dem die international gefeierte Schauspielerin gerade in Cannes für Furore sorgt. Auch Hüllers Schauspielkollegen Hanns Zischler und August Diehl sowie der Regisseur Paweł Pawlikowski werden in München erwartet.In dem Schwarz-Weiß-Drama des polnischen Oscar-Preisträgers Pawlikowski reisen Thomas Mann (Zischler) und Erika Mann (Hüller) durch das zerbombte Nachkriegsdeutschland des Jahres 1949. Diehl ist als Klaus Mann zu sehen. Verhandelt werden Fragen zu den Themen Heimat und Vergangenheitsbewältigung.Film:Will ich ein Deutscher sein?Preisverdächtig: Sandra Hüller und Hanns Zischler zeigen in Cannes ihr bewegendes Drama „Vaterland“. Es handelt von Thomas Manns Reise durchs zerbombte Nachkriegsdeutschland und der Frage, ob das Land der KZs je wieder Heimat sein kann.Hüller, 48, wurde im Februar 2026 auf der Berlinale mit dem Silbernen Bären ausgezeichnet („Rose“) und hat kürzlich an der Seite von Hollywood-Star Ryan Gosling gespielt („Der Astronaut“). Sie gilt als bedeutendste deutsche Schauspielerin ihrer Zeit, auch für einen Oscar wurde sie bereits nominiert („Anatomie eines Falls“). Das Münchner Dok-Fest hat Anfang Mai 2026 ebenfalls mit einem Film mit ihr eröffnet („Ingeborg Bachmann – Jemand, der einmal ich war“), beim Filmfest 2024 stellte Hüller die Wendekomödie „Zwei zu eins“ vor.„,Vaterland‘ ist wahrlich europäisches Kino, das zugleich made in Germany ist und einen Blick auf Deutschland wirft“, sagen Christoph Gröner und Julia Weigl, das künstlerische Leitungsduo des Filmfests. „In Cannes berührte er bereits ein großes internationales Publikum mit seinem epischen Blick auf damals sowie heute.“Schon seit ein paar Wochen ist offiziell bestätigt, dass der italienische Schauspieler Toni Servillo mit dem „Cinemerit Award“ für herausragende Verdienste um die Filmkunst geehrt wird. Servillo, eng verbunden mit dem Werk des Meisterregisseurs Paolo Sorrentino („La Grande Bellezza“), wird die Auszeichnung persönlich in München entgegennehmen: Bei der Gala am 29. Juni soll die jüngste Zusammenarbeit von Servillo, 67, und Sorrentino, 55, zur Aufführung kommen: das anrührende Drama „La Grazia“ aus dem Jahr 2025.Toni Servillos große Erfolge sind eng verbunden mit dem Meisterregisseur Paolo Sorrentino: hier im Oscar-prämierten Film „La Grande Bellezza“ aus dem Jahr 2013. Gianni FioritoServillo, unter anderem zweimal mit dem Europäischen Filmpreis sowie bei den Festivals in Venedig und Locarno ausgezeichnet, zählt zu den bedeutendsten Schauspielern Italiens. Zunächst hat er das neapolitanische Theater geprägt, auch als Regisseur, ehe er als Filmschauspieler einem größeren Publikum bekannt wurde. Eines seiner Markenzeichen ist die Darstellung von Männern der Macht. In „Loro – Die Verführten“ verkörperte Servillo den ehemaligen italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi (2018). Zu seinen großen Filmen zählen etwa „Gomorrha“ (2008), „Il Divo“ (2008), „La Grande Bellezza“ (2013) und jüngst „La Grazia“. Dafür wurde er 2025 in Venedig als bester Darsteller geehrt.Ein weiterer Münchner Höhepunkt ist bereits fix: Mit einer kleinen Hommage würdigt das Filmfest das Werk der deutschen Regisseurin Jutta Brückner (gezeigt werden drei Arbeiten von 1980 bis 2026). Brückner, Jahrgang 1941, hat sich durch ihre feministischen Fragestellungen einen Namen gemacht, ihr gesellschaftskritisches Werk ist mehrfach prämiert. In München soll auch ihr neuer Film „Im Spiegel meiner Mutter“ uraufgeführt werden, ein Familiendrama über Machtverhältnisse und weibliche Abhängigkeit im intellektuellen Milieu, besetzt unter anderem mit Corinna Harfouch, Carla Juri, Hildegard Schmahl, Nina Kunzendorf und Samuel Finzi.Gröner und Weigl würdigten die Ehrengäste „als Filmmenschen mit klarer Haltung – und ihre jeweils sehr europäischen Werte und Perspektiven“. Weiter teilten sie mit: „Wir freuen uns, mit Toni Servillo einen auf unseren Leinwänden oft gesehenen Meister der moralischen und politischen Ambivalenz endlich persönlich in München begrüßen zu dürfen. Und genauso freut es uns, einer der großen Stimmen des Neuen Deutschen Films die Bühne zu bieten, Jutta Brückner, der mit ,Im Spiegel meiner Mutter‘ ein äußerst vitales, feministisches Spätwerk gelungen ist.“Das neue Ermittlerduo des Münchner „Tatorts“ feiert Premiere auf dem Filmfest: Gezeigt wird der erste gemeinsame Fall von Kalli Hammermann (Ferdinand Hofer, links) und Nikola Buvak (Carlo Ljubek). Linda Gschwentner/BR/Bavaria FictionBei der 43. Filmfest-Ausgabe werden voraussichtlich wieder mehr als 150 Filme in Kinos und anderen Münchner Spielstätten aufgeführt, die meisten davon als nationale Premiere, Dutzende sogar als Weltpremiere. Deutsche Filme und Serien stehen im Fokus, angekündigt sind unter anderem die neuen Werke von: Markus Goller („23 000 Leben“), Pauline Roenneberg („Kalter Hund“), Marcus O. Rosenmüller („Block 10“), Helena Hufnagel („Lieblingsmenschen – Die außergewöhnliche Freundschaft von Agnes & Amir“), Rainer Kaufmann („Eine Nacht in Bangkok“) und Christian Zübert („Die falsche Tochter“).Stark vertreten bei den Premieren in München sind in aller Regel die Schauspiel-Ensembles der gezeigten Filme. Hier dürfen sich Fans Hoffnungen machen auf Begegnungen mit: Christian Berkel, Esther Schweins, Bjarne Mädel, Katharina Thalbach, Josef Hader, Lilith Stangenberg, Fabian Hinrichs, Mala Emde, Ferdinand Hofer, Sabrina Setlur und vielen mehr.Das Filmfest München gilt nach der Berlinale als bedeutendstes Kinofestival Deutschlands. 2025 wurden 91 000 Besuche gezählt, davon 16 000 bei Branchenveranstaltungen (2024 waren es 71 000 ohne Branchen-Events, seit 2025 wird neu gerechnet). Ehrengäste im vergangenen Jahr waren unter anderem Gillian Anderson und Stellan Skarsgård.