PfadnavigationHomePanoramaErlangen in Bayern„Layla“, „Joana (du geile Sau)“ – Stadt will zwölf Songs von Volksfest verbannenStand: 10:53 UhrLesedauer: 4 MinutenDie Gleichstellungsbehörde Erlangen hat zwölf Partyhits wie „Layla“ und „Skandal im Sperrbezirk“ auf den Index gesetzt. Die Songs gelten als frauenfeindlich und sollen auf der Bergkirchweih nicht gespielt werden.Das Erlanger Bergkirchweih zieht Hunderttausende an, und die sollen diskriminierungsfrei feiern: Songs von „Ballermann“-Stars wie Mickie Krause sollen in diesem Jahr nicht gespielt werden. Die Wirte reagieren mit einem Stirnrunzeln.Das „Bergweihkirchfest“ im bayerischen Erlangen lockt jährlich bis zu einer Million Besucher an, es ist eines der weltweit ältesten Bierfeste. Und wenn es nach der Gleichstellungsstelle der 120.000-Einwohner-Stadt geht, wird die diesjährige Ausgabe eine ganz besonders rücksichtsvolle Feier: Zwölf Songs, die als „sexistisch“ oder auch „frauenfeindlich“ empfunden werden, sollen von den Wirten möglichst nicht gespielt werden. Das berichten die „Nürnberger Nachrichten“, der das Schreiben und die Auflistung exklusiv vorliegt. Betroffen sind demnach Titel wie das schon öfter beanstandete „Layla“ von DJ Robin und Schürze, aber auch Klassiker wie der „Skandal im Sperrbezirk“ von der Spider Murphy Gang, ein Song, der immerhin schon 45 Jahre alt ist. Besonders betroffen: „Ballermann“-Star Mickie Krause, der gleich mit mehreren Titeln auf der Liste der Anstößigkeiten vertreten ist. Unerwünscht sind demnach „Olé, wir fahr‘n in den Puff nach Barcelona“, „Geh‘ mal Bier holen“ und die „10 nackten Friseusen“. Die Gleichstellungsstelle wirbt in ihrem Schreiben dafür, „gemeinsam eine respektvolle Atmosphäre und sicheres Feiern“ auf dem Volksfest (21. Mai bis 1. Juni) zu ermöglichen. Man wolle „gemeinsam“ dafür sorgen, „dass sich alle Gäste und Mitarbeitenden auf dem Berg wohl und sicher fühlen“, heißt es in dem Brief, aus dem auch Medien wie „T-Online“ zitieren. Zu der Auflistung heißt es dann: „Bitte achten Sie darauf, dass diese Titel bei der Veranstaltung nicht gespielt werden.“„So ein Quatsch,“ sagt die Spider Murphy GangReagiert hat gegenüber den „Nürnberger Nachrichten“ (NN) bereits die Spider Murphy Gang. „So einen Quatsch habe ich schon lange nicht mehr gehört. Als wir in der DDR gespielt haben, da mussten wir jedenfalls keine Setliste vorlegen!“, sagte Jürgen Thürnau, der Manager der 1977 gegründeten Münchner Band dem Blatt. Gegenüber der Zeitung erklärte die Gleichstellungsbeauftragte Réka Lörincz auch, was sie sich bei der Liste gedacht hätten. Anstoß sei eine Beschwerde von einer Besucherin aus dem Jahr 2025 gewesen, die sich gegenüber den „Nürnberger Nachrichten“ über sexistische Songs beschwert hatte und auch davon berichtete, von übergriffigen Männern „betatscht“ worden zu sein. Problematische Partysongs seien zudem seit Jahren Thema. Deren Zusammenstellung, so wird Lörincz zitiert, sei übrigens keine angenehme Recherche gewesen, da sie sich gemeinsam mit ihrer Kollegin Nora Hahn-Hobeck tatsächlich durch die Titel „durchgehört“ habe.„Nein heißt ja“, ermuntere ÜbergriffigkeitenIn der dann zusammengestellten Auflistung, die Wirten und Livekünstlern der Zeitung zufolge zur Verfügung gestellt wurde, werden sogar Textbelege mitgeliefert, die die Argumentation stützen sollen. Argumentiert wird etwa mit G. G. Andersons Titel „Nein heißt ja“. Die Botschaft, ein „Nein“ (einer Frau) sei eigentlich „Zustimmung“, verharmlose Grenzüberschreitungen, argumentiert die Gleichstellungsstelle laut dem Medienbericht. Um eine „Verbotsliste“ handele es sich aber bei der Liedersammlung keinesfalls, sondern nur um einen „Appell“ an die Verantwortlichen. „Uns geht es nicht um Verbote oder einen Kulturkampf“, betont eine der Verfasserinnen. Stattdessen wolle man ein „sicheres Feiern“ ermöglichen, und einen festlichen Rahmen schaffen, in dem sich jede(r) Besucher wohlfühle. „Es darf nicht sein, dass Frauen überlegen müssen, wo sie hingehen können und wo nicht“, so Gleichstellungsbeauftragte Réka Lörincz, die im Nürnberger Stadtrat übrigens auch Sprecherin von Bündnis 90/Die Grünen für „Vielfalt, Menschenrechte, Erinnerung und Familie“ ist.Lesen Sie auchOb sich die Wirte und Veranstalter an die Empfehlung halten werden, bleibt abzuwarten. Das Echo fällt offenbar teils verhalten aus. „Ich glaube nicht, dass jemand wegbleibt, nur weil ein bestimmtes Lied nicht gespielt wird“, gibt etwa Till Stürmer, Sprecher der Vereinigung der Bergwirte, in den „NN“ auf Nachfrage hin zu bedenken. Sicher gebe es Menschen, die sich an bestimmten Songs störten – aber eben auch andere, die genau diese Titel hören wollten, sagte er. Er plädiere deshalb für einen „pragmatischen Umgang“ mit dem Thema. Man könne doch einfach nur sagen: „Es gibt Menschen, die fühlen sich gestört, nehmt das bitte zur Kenntnis“. Eine Übersicht der beanstandeten Titel: „Nein heißt ja“ (G. G. Anderson)„Donaulied“ (verschiedene Varianten, unter anderem von Mickie Krause)„Olé, wir fahr‘n in den Puff nach Barcelona“ (Mickie Krause)„Layla“ (DJ Robin und Schürze) „Deine Freundin“ (SDP)„Baby Bell“ (Breitner)„Joana (du geile Sau)“ (Peter Wackel)„20 Zentimeter“ (Mirja Boes)„Skandal im Sperrbezirk“ (Spider Murphy Gang)„Die Glöcknerin von Dingolfing“ (Dorfrocker) „Zehn nackte Friseusen“ (Mickie Krause) „Geh mal Bier holen“ (Mickie Krause)krott