Wie kam es also dazu, dass der Irritator nun angeblich bald in seine Heimat zurückkehrt? In einer schriftlichen Stellungnahme erklärt Lars Krogmann, wissenschaftlicher Direktor des Staatlichen Museums für Naturkunde Stuttgart, dass sich das baden-württembergische Wissenschaftsministerium zwar nicht zur Rückgabe verpflichtet sieht, aber angesichts der hohen Bedeutung des Fossils für Brasilien bereit sei, dieses "im Rahmen eines Gesamtkonzeptes zur vertieften wissenschaftlichen Kooperation an Brasilien abzugeben". Grund dafür, schreibt Krogmann, sei "die Überzeugung, dass eine vertiefte Kooperation für beide Seiten von hohem wissenschaftlichem Nutzen wäre".

Junge Forscher:innen fordern Rückgabe

Womöglich will die Landesregierung aber auch einen Shitstorm abwenden, wie er vor wenigen Jahren das Naturkundemuseum in Karlsruhe getroffen hat. Dieses hat 2023 einen Dinosaurier an Brasilien zurückgegeben, der den vorläufigen Namen "Ubirajara jubatus" erhalten hatte. Die Namensgebung wurde allerdings mitsamt ihrer wissenschaftlichen Veröffentlichung zurückgezogen, als die problematische Erwerbsgeschichte des Fossils ans Licht kam. Unter den Autoren der zurückgezogenen Studie: wieder Eberhard Frey, bis Januar 2022 Leiter der Geologischen Abteilung des Naturkundemuseums Karlsruhe. Unter anderem hatten das Museum und Frey widersprüchliche und falsche Angaben darüber gemacht, wann genau der vogelähnliche kleine Dinosaurier nach Deutschland gekommen war. Letztlich ließ sich nicht beweisen, dass der Kauf nicht nach der Ratifizierung der UNESCO-Konvention 2007 stattgefunden hatte, und das Fossil ging an Brasilien zurück. Die baden-württembergische Landesregierung, so berichteten damals die Badischen Neuesten Nachrichten, sei "stinksauer" auf das Museum in Karlsruhe gewesen. Zusätzlich zu den rechtlichen Unsicherheiten hatte sich inzwischen eine Bewegung vor allem junger Paläontolog:innen und Jurist:innen zusammengeschlossen, um die Rückgabe des Fossils nach Brasilien zu fordern – unter anderem mit einer Kampagne in den sozialen Medien unter dem Hashtag #UbirajaraBelongstoBR. Das Thema traf offenbar einen Nerv: Auf der Webseite des Museums soll es regelrechte Hasskommentare gegeben haben.