Wenn es nach der Selbsteinschätzung unter anderem in Augsburg, München, Regensburg und Rosenheim geht, dann leben ziemlich viele Bayern in der nördlichsten Stadt Italiens. Die nördlichste Stadt Italiens scheint aber auch noch anderswo zu sein – eigentlich praktisch überall dort, wo gelegentlich die Sonne scheint und der Bäcker schon mal einen Bistrotisch auf den Gehsteig gestellt hat. Und so gesehen könnte das mit der Sperrung des Brennerpasses am mittleren Samstag der bevorstehenden Pfingstferien doch ein rein inneritalienisches Problem bleiben.Den südlichsten See Deutschlands zwischen Riva und Peschiera del Garda zu verorten, ist nämlich aus historischen und politischen Gründen schwierig. Eines muss aber wenigstens den Bayern als gesichert gelten, nämlich das lang gewohnte und fest gefühlte Menschenrecht auf Gardasee. Und bei allem Verständnis für die transitverkehrsgeplagten Anwohner im Tiroler Wipptal: Deren Demo da am Brenner kündigt sich in Bayern als Katastrophe an.SZ Bayern auf Whatsapp:Nachrichten aus der Bayern-Redaktion – jetzt auf Whatsapp abonnierenVon Aschaffenburg bis Berchtesgaden: Das Bayern-Team der SZ ist im gesamten Freistaat für Sie unterwegs. Hier entlang, wenn Sie Geschichten, News und Hintergründe direkt aufs Handy bekommen möchten.Jedenfalls tut sie das in einer der nördlichsten Städte Italiens. In Rosenheim nämlich bereitet sich das Landratsamt nach eigenen Angaben intensiv auf die angekündigten Einschränkungen vor, und zwar mithilfe des hauseigenen „Katastrophenschutzsonderplans Autobahn“. Dieser trete immer dann in Kraft, wenn absehbar sei, dass der Verkehr auf den Autobahnen der Region, also auf der A8 und der A93, über einen längeren Zeitraum zum Stillstand kommt.Und dass der Verkehr trotz aller Vorwarnungen stillstehen wird, das erwarten nicht nur das örtliche Polizeipräsidium Oberbayern Süd und der ADAC. Sogar das Auswärtige Amt hat für den Tag einen „Reise- und Sicherheitshinweis“ für Tirol publiziert, übrigens ein weiteres starkes Indiz dafür, dass da bis zum Gardasee irgendein Ausland im Spiel ist. So ein außenamtlicher Hinweis wäre den Tirolern in allen anderen Fällen wohl weniger willkommen. Schließlich hängen sie selbst schon vom Tourismus ab, seit der noch Fremdenverkehr geheißen hat.In Rosenheim jedenfalls wird am 30. Mai um 7 Uhr früh die Koordinierungsgruppe im Lagezentrum des Landratsamts aktiv, obwohl die Sperrung am Brenner erst um 11 Uhr beginnen und bis 19 Uhr andauern soll. Denn nach allgemeiner Erwartung wird es dann nicht nur lange Rückstaus bis tief hinein nach Bayern geben. Auch lange vorher könnte der Verkehr schon unter der Last all derjenigen zusammenbrechen, die es unbedingt noch vor der Sperrung über den Brenner schaffen wollen. Ähnliches gilt für die andere große Route Richtung Italien über Salzburg und die Tauernautobahn.„Landratsamt und Katastrophenschutzbehörde appellieren an die Bevölkerung, nicht notwendige Autofahrten an diesem Tag möglichst zu vermeiden oder zu verschieben“, heißt es also aus Rosenheim. Jedenfalls für den einen Tag ist daheim anscheinend nicht am Gardasee.