Als Mercedes-Chef Ola Källenius vergangene Woche erklärte, dass Mercedes-Benz generell dazu bereit sei, stärker in das Verteidigungsgeschäft einzusteigen, wirkte das nur vordergründig wie eine jener beiläufigen Manageräußerungen. Wenn es wirtschaftlich Sinn mache, so der Top-Manager gegenüber dem Wall Street Journal, wolle der Konzern eine Rolle im Verteidigungsbereich spielen.Anzeige

Bekannt wurde wenig später, dass der deutsch-französische Panzerbauer KNDS Gespräche über das Mercedes-Werk in Ludwigsfelde südlich von Berlin führt. Berichten zufolge könnte Mercedes Teile der Sprinter-Produktion ins Ausland verlagern – etwa 2.000 Arbeitsplätze stehen in Deutschland auf dem Spiel. Gleichzeitig sucht KNDS dringend zusätzliche Produktionskapazitäten für Militärfahrzeuge. Noch ist alles offen, aber perspektivisch könnte also ein Teil des Standorts für die militärische Produktion genutzt werden.

Sind dies zwei einzelne Nachrichten oder vielmehr Indizien für einen größeren Strukturwandel? Es ist kein Zufall, dass die europäische Automobilindustrie derzeit verstärkt über Engagements im wiedererstarkten Rüstungsgeschäft nachdenkt. Denn da ist zum einen die tiefste Transformation der Autoindustrie seit dem Zweiten Weltkrieg und zum anderen die umfassendste militärische Aufrüstung Europas seit dem Kalten Krieg.Anzeige