Das Berliner Abgeordnetenhaus hat sich für eine Olympiabewerbung der Stadt ausgesprochen. Für einen entsprechenden Antrag stimmten CDU, SPD und AfD und damit rund zwei Drittel der Abgeordneten im Landesparlament. Linke und Grüne votierten dagegen. „Unsere Bewerbung ist ein echtes Zukunftsversprechen für künftige Generationen. Wir wollen eine positive Entwicklung für Berlin“, sagte der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) in der knapp 90-minütigen Debatte vor der Abstimmung, die per Handzeichen erfolgte.Berlin ist einer von vier nationalen Kandidaten neben München, Hamburg und Nordrhein-Westfalen mit Köln als Zentrum. Am 26. September entscheidet der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB), mit welchem Kandidaten eine Bewerbung beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) weitergeführt wird. Infrage kommen die Sommerspiele 2036, 2040 oder 2044.Bereits Anfang Mai hatte der Berliner Senat das Konzept für die Olympischen und Paralympische Spiele beschlossen. Es setzt fast ausschließlich auf bestehende oder temporäre Sportstätten wie das Olympiastadion, das Olympia-Schwimmbad und Anlagen auf dem Tempelhofer Feld oder an der Spree.Grüne und Linke kritisieren leere Versprechungen und „Luftschlösser“Die Befürworter versprechen sich mit der Austragung einen „Investitionsbooster“ für die Stadt in Sport, Nahverkehr, Wohnungsbau und der Inklusion, wie Wegner in seiner Rede ausführte. Angesichts der vielen Krisensituationen könnte die Hauptstadt „deutlich machen, dass Veränderungen möglich sind und Berlin die Stadt der Vielfalt ist und wir in einer starken Demokratie leben“, sagte der Bürgermeister: „Wenn wir ein echtes Sommermärchen in die Welt senden, das ist für die Welt eine Chance.“Die Oppositionsparteien Grüne und Linke wiesen auf das Kostenrisiko hin und kritisierten leere Versprechungen und „Luftschlösser“ mit Blick auf die Erwartungen an positive Folgen durch die Spiele. Die Kosten für die Kernausrichtung der Spiele beziffert der Senat nach Expertenberechnungen auf 4,82 Milliarden Euro. Demgegenüber werden 5,24 Milliarden an Einnahmen erwartet, sodass rund 420 Millionen Euro als Gewinn erwirtschaftet würden. Ein Viertel dieses Gewinns müsste an das Internationale Olympische Komitee (IOC) abgeführt werden. Hinzu kämen weitere Milliardenkosten etwa für Infrastruktur und Sicherheit.Abgeordnete von Grünen und Linken betonten in ihren Reden, dass Berlin zu viele akute Baustellen habe, als dass es sich ein derartiges Großereignis leisten könne. Tobias Schulze von den Linken verwies auf zu erwartende Kostensteigerungen; etwa dass die letzten drei Spiele mehr als doppelt so teuer wie geplant ausgefallen waren. Zugleich verwies er auf die 4450 Sportstätten an 1200 Standorten in Berlin. „Viele sind sanierungsbedürftig, aber nur 80 sollen saniert werden.“Die Abstimmung im Abgeordnetenhaus ersetzte gewissermaßen einen Bürgerentscheid, der im Gegensatz zu den Mitbewerbern München, Köln/Rhein-Ruhr und Hamburg in Berlin nicht vorgesehen ist. In München (66,4 Prozent) und den NRW-Kommunen (66,0 Prozent) fiel die Zustimmung deutlich aus, in Hamburg steht das Referendum am 31. Mai an. Bis zum 4. Juni müssen die Bewerbungen aller Kandidaten beim DOSB eingehen, danach werden sie mithilfe einer Punktematrix bewertet – ehe im Herbst die DOSB-Mitglieder entscheiden.
Berliner Abgeordnetenhaus stimmt für Olympiabewerbung
Berlin bewirbt sich offiziell im nationalen Wettstreit um Olympische und Paralympische Spiele. Im Landesparlament gibt es dafür eine Mehrheit – und Kritik aus der Opposition.










