Der Vorstandschef der britischen Großbank Standard Chartered hat mit einer Bemerkung über Mitarbeiter als „geringwertiges Humankapital“ Ärger ausgelöst und musste anschließend zurückrudern. Bill Winters sagte nun, seine Worte seien „aus dem Kontext“ gerissen worden.Standard Chartered hatte dieser Woche angekündigt, fast 8000 Stellen abzubauen und begründet dies auch mit dem Einsatz von KI-Programmen, die menschliche Arbeitskräfte ersetzen. In einem Gespräch mit Journalisten sagte Winters den Satz, es gehe nicht um Kostenersparnis. „Es geht in manchen Fällen darum, wenig wertvolles Humankapital durch unser Finanz- und Investitionskapital zu ersetzen.“ Wegen seiner Formulierung „lower-value human capital“ regte sich offenbar erheblicher Unmut.„Aus dem Zusammenhang gerissenes Zitat“Winters selbst gab zu, die Berichte seien „verstörend“. Einen Tag später schrieb der Bankchef, ein US-Amerikaner, in einer Mail an die Mitarbeiter eine Art Entschuldigung. „Viele von Ihnen werden die Medienberichte gesehen haben, insbesondere die Berichterstattung über Automatisierung, KI und Veränderungen in der Belegschaft“, schrieb Winters. „Ich weiß, dass dies verstörend wirken kann, wenn es auf einfache Schlagzeilen oder ein aus dem Zusammenhang gerissenes Zitat reduziert wird.“ Der Vorstandschef erklärte: „Wo Stellen wegfallen, spiegelt dies Veränderungen in der Arbeit wider, nicht den Wert unserer Mitarbeiter.“Den Begriff Humankapital hat in den Sechzigerjahren der US-Ökonom Gary Becker geprägt, der später den Nobel-Gedächtnispreis für Wirtschaftswissenschaften erhielt. Becker beschrieb Humankapital als die Summe aller wirtschaftlich nutzbaren Fähigkeiten, Kenntnisse und Eigenschaften eines Menschen. Vor gut zwei Jahrzehnten wählte eine Sprachjury in Deutschland das Wort zum „Unwort des Jahres“.Personalabbau in Banken wegen KIStandard Chartered hat angekündigt, seine Belegschaft bis zum Jahr 2030 um etwa 15 Prozent zu reduzieren. Das entspricht rund 7800 Stellen. Vor allem Jobs im sogenannten Backoffice, in der Verwaltung, in der Compliance und in der Personalabteilung sollen wegfallen. Betroffen seien Standorte wie Bengaluru, Chennai, Kuala Lumpur und Warschau. Standard Chartered ist stark in Asien engagiert.Auch andere Banken planen größeren Personalabbau und begründen dies teils mit dem Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI). Laut Medienberichten erwägt die britisch-asiatische Großbank HSBC, bis zu 20.000 Stellen – etwa ein Zehntel ihrer Belegschaft – zu streichen. HSBC-Vorstandschef Georges Elhedery sagte diese Woche, durch KI würden Arbeitsplätze zerstört, aber auch neue geschaffen. Die Mitarbeiter sollten „den Wandel nicht bekämpfen“.Analysten der Investmentbank Morgan Stanley schätzen, dass in europäischen Großbanken bis zum Jahr 2030 etwa ein Zehntel aller Stellen durch KI-Einsatz, Digitalisierung und Schließung von Filialen gefährdet ist. Das wären mehr als 200.000 Jobs im Finanzsektor.
„Geringwertiges Humankapital“: Ärger um Worte eines Bankchefs
Mit einer unglücklichen Formulierung zum Abbau von fast 8000 Stellen hat der Chef von Standard Chartered in seiner Bank offenbar großen Ärger erregt. Am Tag danach rudert er mit einer halben Entschuldigung zurück.










