Der König der Europa League, der keiner sein will: Unai Emery holt sich den fünften Titel – diesmal mit Aston VillaDas Spitzenteam aus der Premier League ist zu stark für den SC Freiburg und gewinnt 3:0. Bei den Verlierern überzeugt vor allem der Schweizer Johan Manzambi.Sven Haist, Istanbul21.05.2026, 11.05 Uhr4 LeseminutenAktualisiertJubel in Istanbul: Aston Villas John McGinn reckt den Pokal gen Himmel.Umit Bektas / ReutersUnai Emery kam nach dem Gewinn der Europa League mit Aston Villa kaum dazu, sich bei seinen Spielern zu bedanken. Denn diese trugen ihn auf Händen vor die eigenen Fans. In diesem Moment wirkte es beinahe so, als hätte der Fussballtrainer seiner Mannschaft den Pokal beschert – und nicht umgekehrt.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.In gewisser Weise lässt sich dies tatsächlich so interpretieren. Während die meisten Profis des Premier-League-Klubs bislang kaum Erfahrungen mit Titeln gesammelt haben, ist der Triumph für Emery fast Routine. Durch das souveräne 3:0 seines Aston Villa gegen den SC Freiburg sicherte sich der Baske zum fünften Mal die Europa League. Eine ähnlich beeindruckende Bilanz in einem einzigen derzeitigen Europacup kann nur Carlo Ancelotti vorweisen. Er hat die höher eingestufte Champions League ebenfalls fünfmal gewonnen. Emery gelang dies mit drei verschiedenen Vereinen: dem FC Sevilla 2014, 2015 und 2016, dem FC Villarreal 2021 und nun mit Aston Villa.Kurios und in diesem Zusammenhang beinahe schicksalhaft erscheint, dass alle drei Klubs die Silbe «Villa» im Namen tragen. Wie bei den bisherigen Titeln küsste der äusserlich gelassene Emery seine Lieblingstrophäe. Weitaus emotionaler reagierten seine Spieler, die Fans – und Prinz William auf der Ehrentribüne. Der prominente Anhänger des Vereins, der alle wichtigen Spiele im Stadion verfolgt, wischte sich vor Rührung Tränen aus den Augen. Für den Arbeiterverein aus dem Birminghamer Vorort Aston, der noch vor sieben Jahren zweitklassig spielte, ist es der erste internationale Titel seit dem Triumph im Europacup der Landesmeister 1982; damals besiegte er im Final mit dem FC Bayern ebenfalls einen deutschen Verein.Emiliano Martínez von Aston Villa trägt seinen Trainer Unai Emery nach dem Erfolg auf den Schultern.Maciej Rogowski / ImagoAls Emery im November 2022 den Trainerposten bei Aston Villa übernahm, lag der Klub in der Premier League nur drei Punkte vor einem Abstiegsplatz. Die Transformation beruht auf seiner Arbeit und der finanziellen Unterstützung der milliardenschweren Besitzer Nassef Sawiris und Wes Edens. Beide waren in Istanbul im Stadion, gratulierten ihrem wichtigsten Angestellten bei der Siegerehrung und liefen mit ihm eine Ehrenrunde über den Platz. Sämtliche Lobeshymnen wies der bescheidene Emery allerdings zurück. Er empfinde sich «nicht als König des Wettbewerbs», sagte er.Aston Villa war auf fast allen Positionen besser besetztDen Final entschieden die Erfahrung Emerys und die im Vergleich zu Freiburg auf nahezu allen Positionen höhere individuelle Qualität seiner Spieler. Symbolisch dafür stand der einzige Freiburger Eckball – eigentlich eine Stärke des Teams von Julian Schuster. Doch unmittelbar vor der Ausführung in der ersten Halbzeit liefen mehrere gegnerische Spieler aus dem eigenen Strafraum nach vorn. Die Freiburger wirkten überrascht: Statt konsequent auf den Torerfolg zu gehen, zogen sich mehrere Akteure vorsichtshalber zurück. Kurz darauf ging Villa durch zwei fulminante Treffer von Youri Tielemans und Emiliano Buendía in Führung. Für die Entscheidung sorgte Morgan Rogers (58.).Auf dem Niveau der Villans konnte am Mittwochabend aus Freiburger Sicht lediglich phasenweise der Schweizer Nationalspieler Johan Manzambi mithalten. Das Mittelfeldtalent agierte zunächst als offensiver Spielmacher und wurde später zurückgezogen, um von hinten das Spiel anzutreiben. Immer wieder forderte er den Ball von seinen Kollegen, die ihn jedoch zu selten in aussichtsreiche Positionen brachten. Bei seiner auffälligsten Aktion drang er mit dem Ball am Fuss von der Mittellinie bis in den gegnerischen Strafraum vor. Die Hereingabe fand aber keinen Abnehmer.Bitter enttäuscht: die Freiburger um Derry Scherhant.Isabel Infantes / ReutersIn der Analyse haderte Manzambi mit seinen Abschlüssen. Dennoch sei es «ein gutes Gefühl» gewesen, mit den Spitzenspielern des Gegners mithalten zu können. Seine Leistung im Final bestätigte jedenfalls sein grosses Potenzial. Zu einem möglichen Klubwechsel im Sommer sagte der noch bis 2030 an die Freiburger gebundene 20-Jährige, er müsse nach der WM schauen, wie es für ihn weitergehe.Der erste Europacup-Final der Klubgeschichte weckte beim SC Freiburg die Ambition, erneut ein solches Endspiel zu erreichen. Der Sportdirektor Klemens Hartenbach vermutete, seine Enttäuschung könnte sich «nach zehn Umarmungen» in Stolz verwandeln. Für Freiburger Verhältnisse sprach er offensiv davon, dass es «wirklich ein Ziel» sein könne, in dasselbe Istanbuler Stadion zurückzukehren. Dort findet 2027 der Final der Conference League statt, an deren Wettbewerb der SC Freiburg in der nächsten Saison teilnimmt.Aston Villa wiederum hat sich für die Champions League qualifiziert. Die Konkurrenz in der Europa League dürfte das freuen: Sofern Unai Emery den Klub nicht verlässt, entfällt der Seriensieger des Wettbewerbs zumindest in der nächsten Saison als Gegner.Passend zum Artikel