Der Umgang mit der AfD ist heftig umstritten. Die anderen im Bundestag vertretenen Parteien lehnen eine Zusammenarbeit mit den Rechten bisher offiziell ab. Kandidaten der Populisten fallen bisher auch bei den Wahlen zu den wichtigen Posten der Vorsitzenden für die Ausschüsse durch, obwohl ihnen dies nach dem üblichen Verteilungsschlüssel rechnerisch für mehrere Ausschüsse zusteht. Die AfD besetzt auch keinen Stellvertreterposten in den Ausschüssen, da die anderen Fraktionen die Kandidaten der Partei mehrheitlich ablehnen.Bei der geheimen Abstimmung über einen stellvertretenden Vorsitzenden des Wirtschaftsausschusses im Bundestag hat der AfD-Kandidat Malte Kaufmann jetzt allerdings mindestens sechs Stimmen aus anderen Fraktionen erhalten. Die AfD hat in dem Gremium zehn Sitze, auf Kaufmann entfielen 16 Stimmen. Dies berichtet der „Spiegel“. Demnach waren alle 42 Ausschussmitglieder anwesend. 26 von ihnen stimmten mit Nein. Damit konnte sich Kaufmann wie bei früheren Abstimmungen zwar nicht durchsetzen. Grüne und Linke sind aber empört.„Vermutlich hat fast die Hälfte der CDU im Wirtschaftsausschuss für die AfD gestimmt“, sagte Michael Kellner, Sprecher der Grünen im Ausschuss, dem „Spiegel“. CDU-Wirtschaftspolitikerinnen und -politiker wie die Brandenburger Abgeordnete Saskia Ludwig zeigten inzwischen offen ihre Sympathie für die AfD, sagte Kellner. „Jens Spahn hat anscheinend seine Fraktion nicht im Griff.“Die Normalisierung der AfD muss jeden Tag aufs Neue verhindert werden.Janine Wissler, stellvertretende Fraktionsvorsitzende der LinkenDie Linke zeigte sich ebenfalls verärgert. „Das heutige Wahlverhalten der Union ist alarmierend und beschämend“, sagte die wirtschaftspolitische Sprecherin und stellvertretende Fraktionsvorsitzende Janine Wissler. „Ganz offensichtlich wünschen sich einige Unionsabgeordnete einen stellvertretenden AfD-Ausschussvorsitzenden.“ Ausschussvorsitzender von der CDU bestätigt Ergebnis Die Brandmauer bröckele immer weiter: Im Vergleich zur letzten Wahl im September 2025 habe der AfD-Kandidat um vier Stimmen zugelegt, klagte die Linkenpolitikerin. „Die Normalisierung der AfD muss jeden Tag aufs Neue verhindert werden“, sagte Wissler.Der Ausschussvorsitzende Christian von Stetten (CDU) bestätigte auf Anfrage des Magazins das Wahlergebnis, wies jedoch jegliche Mutmaßungen über das Abstimmungsverhalten zurück. „Die Wahl war geheim und es gibt keine Hinweise auf eine Offenlegung des Abstimmungsverhaltens einzelner Ausschussmitglieder“, teilte er mit.Kaufmann kritisierte seine abermalige Nichtwahl. „Die AfD hat das Recht, im Deutschen Bundestag sechs Ausschussvorsitzende und sechs Stellvertreter zu stellen. Kein einziger unserer Vorschläge wurde in der laufenden Legislaturperiode gewählt“, schrieb er beim Kurznachrichtendienst X. Deutschland sei damit international isoliert. Er bedankte sich bei den AfD-Kollegen und den Abgeordneten aus anderen Fraktionen, die ihr Kreuz bei ihm gemacht hätten.Der aktuelle Bundestag hat 24 Ausschüsse. Die auf verschiedene Themenfelder spezialisierten Gremien spielen eine zentrale Rolle in der Gesetzesarbeit.In ihnen sitzen entsprechend den Mehrheitsverhältnissen des Bundestags Fachpolitiker der Fraktionen. Sie bereiten die Gesetzesbeschlüsse vor, die später im Plenum getroffen werden, hören dafür Experten an und kommen in Krisensituationen zu Beratungen zusammen. Die Ausschussvorsitzenden berufen die Sitzungen ein, bereiten diese vor, leiten sie und repräsentieren den Ausschuss nach außen.Als größte Oppositionspartei hat die AfD zwar das Vorschlagsrecht für eine Reihe herausgehobener Positionen im Parlament, ihre jeweiligen Kandidaten müssen allerdings von der Mehrheit der Abgeordneten gewählt werden. Bislang ist das regelmäßig nicht geschehen. Die Positionen bleiben daher vakant. Die Rechte waren mit Klagen gegen diese Praxis beim Bundesverfassungsgericht gescheitert.
Abstimmung im Bundestag: Grüne und Linke werfen Union Unterstützung eines AfD-Kandidaten vor
Malte Kaufmann sitzt für die AfD im Parlament. Bei der Wahl eines stellvertretenden Ausschussvorsitzenden erhält er Stimmen aus anderen Fraktionen. Das löst bei anderen Oppositionsparteien Ärger aus.








