Seit Jahren gehört es an der Technischen Universität (TU) Berlin fast schon zum guten Ton studentischen Humors: Wenn Regen angekündigt ist, wird überlegt, welches Gebäude als nächstes im „Wasserschaden-Bingo“ abgehakt werden kann. Ein Eimer unter einer tropfen Decke hier, nicht funktionierende Toiletten da. Was vielleicht vor Jahren noch als „arm aber sexy“ bezeichnet werden konnte, erreichte am 9. Mai einen neuen Höhepunkt. Bei einer Begehung durch die bezirkliche Bauaufsicht und die Feuerwehr wurden Mängel gefunden, bei denen eine „akute Gefahr für Leib und Leben“ nicht ausgeschlossen werden konnte.Beschäftigte und Studierende konnten noch schnell ihre Siebensachen retten, dann machte die Hochschule das Hauptgebäude durch die Hochschule dicht. Zuerst unklar wie lange, ist nach aktuellem Stand eine Wiedereröffnung in diesem Semester unwahrscheinlich. Für 350 Lehrveranstaltungen in der Woche und 16.000 Quadratmeter Bürofläche mussten – und müssen teilweise immer noch – Ausweichmöglichkeiten gefunden werden. Vieles findet online statt. Und die Bibliothek beispielsweise muss jetzt mit 200 Quadratmetern auskommen. Im Hauptgebäude hatte sie 14.000.

Nach der Schließung wurde erst einmal das ganze Wochenende mit Schuldzuweisungen hin und her geworfen. Laut Wissenschaftssenatorin Ina Czyborra (SPD) seien die Mängel seit Jahren bekannt gewesen. Die Bauaufsicht habe letztlich die „Faxen dicke“ gehabt und die Notbremse gezogen. Womöglich, um die Universität –welche für Maßnahmen unter 10 Millionen Euro selbst verantwortlich ist – zum Handeln zu zwingen. Einen Zusammenhang der Kürzungen an Berliner Hochschulen und der Sperrung des Hauptgebäudes sieht die Senatorin nicht: Die Kürzungen an den Berliner Hochschulen hätten mit der Sperrung des Hauptgebäudes „überhaupt gar nichts“ zu tun.