Jetzt aber schnell! Gerade ist unten eine U-Bahn eingetroffen, und anstatt wie sonst einfach sitzenzubleiben, hasten die Fahrgäste, die in die Innenstadt wollen, nach oben. Viele haben Rucksäcke auf dem Rücken oder Aktentaschen über der Schulter, hier und da umklammert jemand einen Kaffeebecher. Viele sehen müde aus an diesem Mittwochmorgen um kurz nach acht Uhr – und manche ratlos. „Fahren Sie zum Sendlinger Tor?“, fragt eine Frau einen der Fahrer, die mit ihren Bussen an der Implerstraße warten. Der Mann nickt. Also rein, Türen zu, los geht’s. Und schon fährt der nächste Bus vor. So geht das alle paar Minuten.Bis zu 27 Busse sind im Berufsverkehr gleichzeitig im Einsatz, um die Fahrgäste zum Sendlinger Tor oder zum Hauptbahnhof zu bringen. Weil die U-Bahnhöfe Poccistraße und Goetheplatz saniert werden müssen, ist der Tunnel zwischen Implerstraße und Sendlinger Tor bis Mitte September gesperrt. Eine der am stärksten frequentierten Trassen der Stadt ist monatelang dicht. Normalerweise braucht man für die Strecke mit der U-Bahn knapp fünf Minuten. Jetzt braucht der Bus, der um 8.26 Uhr an der Implerstraße in den Verkehr einschert, 20 Minuten.Und die Fahrgäste darin sind sich einig: Im Vergleich zum Montag sei das eine richtig gute Zeit. „Da hat es 50 Minuten gedauert“, sagt eine Frau. Statt der halben bis dreiviertel Stunde brauche sie nun eineinhalb Stunden in die Arbeit. Natürlich sei das nervig, sagt sie. Aber man könne eine U-Bahn nun mal nicht eins zu eins durch Busse ersetzen. Während die Bahn normalerweise durch den Tunnel rauscht, muss sich der Bus durch den Verkehr auf der Lindwurmstraße quälen. „Das führt dazu, dass die Busse nicht immer gleichmäßig an die Haltestellen kommen“, teilt die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) mit.Am Montag habe dies mitunter zu Unmut und Verwirrung bei den Fahrgästen geführt. Mit mehr Mitarbeitern vor Ort will die MVG nun „kurzfristig für eine Verbesserung bei der Fahrgastlenkung sorgen“. Am Mittwoch scheint das relativ gut zu klappen, auch wenn natürlich niemand glücklich über die Sperrung ist. „Das nervt schon“, sagt ein junger Mann. Erst recht, weil der Bus auch heute wieder im Stau steht und wegen der stadteinwärts gesperrten Unterführung an der Poccistraße eine kleine Schleife durch Sendling drehen muss.Auf der Lindwurmstraße sind auch bei Regen zahlreiche Radler unterwegs. Und der Bus? Muss sich durch den Berufsverkehr quälen. Stephan Rumpf8.46 Uhr, der Ersatzverkehr hat das Sendlinger Tor erreicht. Die Türen ploppen auf, die Fahrgäste treten heraus – und prompt ist das Geschrei groß: Denn um den Bus schnell verlassen zu können und auf den Fußgängerweg zu kommen, müssen die Menschen den Fahrradweg überqueren. Auf dem aber fetzen zahlreiche Radler durch den Regen, von denen bei dem Wetter nicht alle gewillt sind, anzuhalten. „Pass halt auf!“, „Bleib stehen!“, „Lauf hier halt nicht rüber!“, brüllen sie sich an. Eine Situation, die auch bei schönem Wetter nicht besser werden dürfte. Denn die Busse sind dann zwar vielleicht etwas leerer, die Radwege aber umso voller, weil viele auf das Fahrrad umsteigen.Das Ganze wird nun eine ganze Weile so gehen: Bis Sommer 2027 wird die U-Bahn immer wieder unterbrochen. Die erste Phase dauert noch bis Mitte September. In der zweiten Phase nach dem Oktoberfest vom 5. Oktober bis 27. November setzt die MVG zusätzlichem zum Schienenersatzverkehr einen Pendelzug ein, in der letzten Phase vom 12. April bis zum 1. August 2027 wird der Tunnel dann wieder komplett gesperrt. Dazwischen läuft der Betrieb regulär.