KommentarTrumps auffällige Investitionen kurz vor dem Peking-Gipfel untergraben die Glaubwürdigkeit der USAEin reger Handel mit Wertpapieren erweckt den Anschein, dass der amerikanische Präsident Geopolitik und persönliche Bereicherung vermengt. Allein, dass sich Trump diesem Verdacht aussetzt, ist fahrlässig.21.05.2026, 05.30 Uhr3 Leseminuten«Phantastische Deals» versprach Präsident Donald Trump nach dem zweitägigen Treffen mit seinem Amtskollegen Xi Jinping. Prosten am Staatsbankett in Peking am 14. Mai.Evan Vucci / ReutersMit etwas Abstand wirkt der Gipfel in Peking von vergangener Woche immer sonderbarer. Trump überschüttete den chinesischen Machthaber vom ersten Moment an mit Freundlichkeiten. Er tätschelte ihm den Handrücken, nannte ihn einen «grossen Führer» und beschwor eine Männerfreundschaft. Der spröde Xi hingegen gab sich überkorrekt; die Jovialität seines Gastes prallte an ihm ab. Thematisch bestimmte der Gastgeber den Takt, ob es um Taiwan ging oder Iran – und bot den Amerikanern bloss vage Zusagen zum Kauf von Sojabohnen und Flugzeugen.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Die Entspannung im Handelsstreit ist zu begrüssen, aus geopolitischer Sicht blieb der Gipfel widersprüchlich. Doch vielleicht liegt das Motiv für den Schmusekurs anderswo als bei den Sicherheitsinteressen der USA? Diesen Verdacht nährt der Bericht des U. S. Office of Government Ethics zu den Börsentransaktionen in Trumps Portfolio, veröffentlicht just während Trumps Besuch in Peking.Von Januar bis März deklarierte Trump mehr als 3600 Transaktionen im Gesamtwert von ungefähr 250 bis 750 Millionen Dollar. Auffällig sind hohe Investitionen in Wertpapiere von Apple, Nvidia und Boeing – also in Unternehmen, die direkt vom Tauwetter mit China profitieren dürften und deren CEO nach Peking mitgereist waren. Nun stellt sich die Frage, ob Trump in Peking auch im eigenen Interesse zu handeln versuchte.Investitionen riechen nach Insider-HandelTrump hat die Verwaltung seines Trust seinen Kindern anvertraut. Der Sohn Eric Trump bestreitet, dass die Trumps etwas mit den jüngsten Wertpapierkäufen zu tun gehabt hätten. Die Konten würden von unabhängigen Institutionen betreut. Dem scheint zu widersprechen, dass zahlreiche Käufe laut amerikanischen Medien «unsolicited» waren, also nicht von einem Vermögensberater initiiert wurden.Das linke Magazin «Mother Jones» streicht genüsslich mehrere Fälle hervor, in denen Trump eine Firma kurz nach Aktienkäufen lobend erwähnt. So empfahl Trump im Februar öffentlich den Kauf eines Dell-Computers. Neun Tage zuvor hatte sein Konto Käufe von Dell-Papieren im Wert von 1 bis 5 Millionen Dollar ausgewiesen. «Ein aussergewöhnliches Beispiel für einen Präsidenten, der sein Amt für seine privaten Profite melkt», so kommentiert das Blatt.Solche Vorwürfe sind heikel. Es ist kaum vorstellbar, dass Trump jede Position in seinem Portfolio im Kopf hat. Zugleich muss man sich nicht wundern, dass die Demokraten die Neuigkeiten über Trumps Börsengeschäfte dankbar aufnehmen. «Die Korruption des Präsidenten ist eine Katastrophe für die nationale Sicherheit», schrieb Senatorin Elizabeth Warren auf X.So alarmistisch das klingt, sie hat im Kern nicht unrecht. Denn der blosse Verdacht, der amerikanische Präsident könnte aus persönlichem Profitstreben mit der Geopolitik spekulieren, beschädigt die Glaubwürdigkeit der Grossmacht USA. Es können sich schnell Verschwörungstheorien formen, wie etwa: Dient das ganze Hin und Her in Trumps Aussenpolitik womöglich dazu, Volatilität zu erzeugen – und daraus Gewinne zu ziehen?Trump schert sich nicht um EthikDamit solche Thesen gar nicht erst entstehen, haben alle Präsidenten seit Jimmy Carter eine Trennlinie zwischen ihrem Amt und ihren privaten Finanzen gezogen. Nicht so Trump. Er sieht etwa kein Problem darin, dass sein Vermögen auch im Ausland investiert ist. «Ich habe herausgefunden, dass es niemanden kümmert und dass es mir erlaubt ist», sagte Trump zu Beginn seiner Amtszeit.Im ersten Amtsjahr wuchs das Vermögen des Trump-Clans laut Schätzungen um 4 Milliarden Dollar. Besonders gewinnbringend waren Krypto-Geschäfte und Geschenke, die bereits höchst umstritten sind. Nun kommt ein Wertpapierhandel hinzu, der zumindest den Eindruck erweckt, als spiele Insiderwissen dabei eine Rolle. Offizielle ethische Leitlinien verbieten einem Präsidenten, geheime Informationen für private Profite zu nutzen. Doch Trump entliess den unabhängigen Ethikbeauftragten sogleich. Die Position ist derzeit vakant.In einer Regierung macht das Verhalten eines Präsidenten schnell Schule. Wie das «Wall Street Journal» berichtet, hat die Commodity Futures Trading Commission eine Untersuchung wegen mutmasslicher Insider-Ölgeschäfte eröffnet. Sie sollen erfolgt sein, kurz bevor Trump im März die Angriffe auf Iran unerwartet einstellte. Woher hatten die Spekulanten die Information? Auch diese Frage sollte sich eigentlich niemals aufdrängen. Aber sie tut es, wenn sich ein Präsident im Amt bereichert.Passend zum Artikel
Der Verdacht reicht aus: Trumps Investitionen untergraben die Glaubwürdigkeit der USA
Ein reger Handel mit Wertpapieren erweckt den Anschein, dass der amerikanische Präsident Geopolitik und persönliche Bereicherung vermengt. Allein, dass sich Trump diesem Verdacht aussetzt, ist fahrlässig.









