Legal, aber ethisch fragwürdig: Vor seiner Chinareise investierte Trump in Apple- und Nvidia-PapiereSeit Anfang Jahr hat der amerikanische Präsident im grossen Stil an der Börse gehandelt. In über 3600 Transaktionen investierte er Hunderte von Millionen Dollar – unter anderm in Big Tech.16.05.2026, 05.30 Uhr4 LeseminutenPolitik und Business gehen für ihn immer Hand in Hand: Präsident Donald Trump prostet am Staatsbankett in der Grossen Halle des Volkes in Peking Chinas Präsident Xi Jinping zu.Mark Schiefelbein / APTrump reiste diese Woche mit einer wahrlich hochkarätigen Business-Delegation nach China. Im Schlepptau hatte der amerikanische Präsident unter anderen die CEO von Apple und Nvidia, Tim Cook und Jensen Huang, sowie mehr als ein Dutzend weitere prominente Köpfe aus Big Tech, der Bankenwelt und der Industrie – und nicht zu vergessen Eric Trump, CEO der Trump Organization.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Trump ging nach Peking, um handfeste Handelsgeschäfte abzuschliessen – am Freitag stellte er «phantastische Deals» in Aussicht, eine Bestätigung aus Peking fehlt allerdings bis jetzt. Boeing soll laut Trump 200 Flugzeuge nach China verkaufen und amerikanische Bauern Sojabohnen und Rindfleisch im Wert von 10 Milliarden Dollar. Insbesondere für Big Tech geht es um viel. Nvidia möchte wieder Mikrochips nach China verkaufen können, Apple seine Lieferketten reparieren und in China konkurrenzfähig bleiben. Es geht um mögliche Milliardengewinne.Seit Anfang Jahr investiert Trump massivEin Bericht der Ethikbehörde (Office of Government Ethics) der amerikanischen Regierung zeigt, dass Präsident Trump persönlich vom Tauwetter in den Handelsbeziehungen profitieren könnte. Von Januar bis März deklarierten Trump und seine Familie über 3600 Transaktionen im Gesamtwert von ungefähr 250 bis 750 Millionen Dollar. Die Berichte der Aufsicht nennen eine Bewertungsbandbreite und legen nicht offen, wer die Geschäfte veranlasst hat. Für Trump und seine Familie wurden Investitionen in Wertpapiere von Palantir und Boeing offengelegt. Bei Nvidia Corp. und Apple Inc. erfolgten mehrere Investitionen im Umfang von 1 bis 5 Millionen Dollar.Wie die «Financial Times» bemerkt, erscheinen auch die Medienunternehmen Paramount und Warner Bros. Discovery in Trumps Transaktionen. Sie stehen kurz vor einem Merger, den die Regierung bewilligen muss.Ein Teil dieser Käufe und Verkäufe wurde von Maklern im Rahmen eines Vermögensverwaltungsmandats getätigt. Doch laut Yahoo Finance geschahen viele Transaktionen «unaufgefordert», also ohne die Vermittlung eines Maklers. Aus ethischer Sicht sind manche dieser Investitionen fragwürdig, insbesondere diejenigen in Apple, Nvidia und Boeing in den Monaten vor der Chinareise, da die Unternehmen von einem Handels-Deal zwischen den USA und China profitieren würden – und damit auch Trump als Anleger.Trump wusste seit Monaten, dass ein Treffen mit dem chinesischen Amtskollegen geplant war. Die beiden trafen sich im Oktober 2025 zum ersten Mal seit sechs Jahren am Busan-Gipfel in Südkorea. Damals kündigte Trump an, im April nach Peking zu reisen, und lud Xi zu einem späteren Besuch nach Washington ein. Das Treffen wurde wegen des Iran-Kriegs verschoben. Ende März kündigte das Weisse Haus Trumps Besuch in Peking im Mai an.Ist ein Präsident nicht regulierbar?Laut Gesetz ist Insiderhandel in den USA illegal und wird mit hohen Bussen und langjährigen Gefängnisstrafen bestraft. Doch was Anlegern strikte verboten ist, bleibt dem Präsidenten gewissermassen erlaubt. Jedenfalls verbietet das amerikanische Recht es dem Präsidenten nicht ausdrücklich, Interessenkonflikte einzugehen.Nach dem Watergate-Skandal richtete die Ethics Act von 1978 eine ethische Aufsichtsbehörde für die Regierung ein und verpflichtete den Präsidenten, seine finanziellen Transaktionen regelmässig zu deklarieren. 1994 verabschiedete der Kongress ein weiteres Gesetz, das Regierungsmitarbeitern in führender Stellung die Mitwirkung bei Geschäften verbietet, «die ihre eigenen finanziellen Interessen beeinflussen oder diejenigen von Personen, zu denen sie ausserhalb der Regierung Verbindungen unterhalten».Von der Bestimmung werden der Präsident und der Vizepräsident allerdings explizit ausgenommen. Der Grund dafür liege im Gedanken, dass ein Präsident nicht regulierbar sei, weil er zu viele Entscheidungen treffen müsse, die immer irgendjemanden bevorteilen oder benachteiligen würden, schreibt die Harvard-Rechtswissenschafterin Samantha Block im Essay «Es geht nur ums Geld: Interessenkonflikte von Präsidenten». Zu strenge Vorschriften könnten ihn am Regieren hindern.Trumps Vorgänger hielten sich zurückObwohl sie nicht mussten, versuchten Trumps Amtsvorgänger tunlichst, den Anschein eines Interessenkonflikts zwischen ihrer Amtsführung und ihren Finanzen zu vermeiden. Seit Jimmy Carter richteten viele Präsidenten einen sogenannten Blind Trust ein. Bei einem unabhängig verwalteten Treuhandvermögen hat eine Person keine Kenntnis über die konkreten Anlagen. Der vergleichsweise wenig vermögende Obama fand eine andere Lösung und investierte ausschliesslich in Staatsanleihen.Als der Milliardär Trump 2016 ins Weisse Haus gewählt wurde, verzichtete er auf eine solche Massnahme. Stattdessen übergab er sein Vermögen der Trump-Organisation, die von seinen Söhnen Eric Trump und Donald Trump junior geführt wurde. Er wies sie jedoch an, damit keine Auslandgeschäfte zu unternehmen. Im Interview mit der «New York Times» sagte er vergangenen Januar, für den damaligen Verzicht habe er keinerlei Anerkennung erfahren, und deshalb handhabe er es nun anders: «Ich habe herausgefunden, dass es niemanden kümmert und dass es mir erlaubt ist.»Die Wertpapiergeschäfte der letzten Monate und der Besuch in Peking illustrieren erneut, dass es zwischen dem politischen Handeln und den privaten finanziellen Interessen Trumps keine Trennlinie gibt. Während seines ersten Amtsjahrs nahmen Trump und seine Familie laut dem «Wall Street Journal» rund 4 Milliarden Dollar durch Kryptogeschäfte, Liegenschaftsprojekte, aber auch Geschenke und Rechtsvergleiche ein.Passend zum Artikel
Trump investierte vor der Chinareise in Nvidia und Apple: ethisch fragwürdig, aber legal
Seit Anfang Jahr hat der amerikanische Präsident im grossen Stil an der Börse gehandelt. In über 3600 Transaktionen investierte er Hunderte von Millionen Dollar – unter anderm in Big Tech.










