Demütigungsvideo: Israelischer Minister Itamar Ben-Gvir bringt selbst Benjamin Netanyahu gegen sich aufDer rechtsextreme Polizeiminister gehört zu den kontroversesten Mitgliedern des israelischen Kabinetts. Ein Video, das die Demütigung von Gaza-Aktivisten zeigt, sorgt nun für Protest.20.05.2026, 19.21 Uhr3 LeseminutenFragwürdige Besetzung: Der Rechtsradikale Itamar Ben-Gvir ist Israels Sicherheitsminister.Ohad Zwigenberg / APDie Szene dauert nur wenige Sekunden. Eine Frau ruft «Free Palestine», dann drücken israelische Beamte sie zu Boden. Vor ihr steht Itamar Ben-Gvir, Israels Minister für nationale Sicherheit. Er schwenkt eine israelische Fahne und ruft höhnisch: «Willkommen in Israel.»Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Im Hintergrund sieht man Dutzende Aktivisten mit gefesselten Händen auf dem Boden knien. Über Lautsprecher läuft die israelische Nationalhymne. Ben-Gvir ruft «Am Yisrael Chai» in Richtung der Festgenommenen – «Das Volk Israel lebt». Die Wärter fordert der Minister auf, sich nicht um ihre Schreie zu kümmern.Entstanden sind die Aufnahmen im Hafen von Ashdod. Die israelische Marine hatte zuvor eine internationale Gaza-Flottille gestoppt. Mehr als 400 Aktivisten waren von der Türkei aus Richtung Gazastreifen unterwegs. Israel bezeichnet die Aktion als «PR-Stunt im Dienst der Hamas». Die Organisatoren sprechen dagegen von einer «humanitären Mission» gegen die Blockade Gazas.Veröffentlicht hat der Politiker der rechtsradikalen Partei Otzma Yehudit das Video selbst. Und damit erreicht, was er seit Monaten kultiviert: maximale Aufmerksamkeit. Die Anhänger der mit 5-Prozent-Wählerzustimmung in die Knesset eingezogenen Kleinpartei goutieren derlei Auftritte, werten sie als Demonstration staatlicher Stärke. Für Kritiker hingegen ist es nicht weniger als eine öffentliche Demütigung.Tatsächlich standen Gaza-Flottillen schon früher in der Kritik. Israel verweist seit Jahren darauf, dass unter den Organisatoren Gruppen und Aktivisten seien, die Hamas offen unterstützten oder gezielt die Konfrontation mit israelischen Sicherheitskräften suchten. Spätestens seit der tödlichen Eskalation um das Schiff «Mavi Marmara» 2010 gelten die Aktionen aus israelischer Sicht weniger als reine Hilfsmissionen denn als politisch kalkulierte Provokationen.Der Schaden allerdings, den Ben-Gvir mit seinem Auftritt anrichtet, wird enorm sein.Kritik auch aus FrankreichItalien bestellte den israelischen Botschafter ein. Ministerpräsidentin Giorgia Meloni sprach von «inakzeptablen» Bildern und verlangte eine Entschuldigung für den Umgang mit italienischen Staatsbürgern an Bord der Flottille. Auch Frankreich, Spanien, Irland und Südkorea protestierten. Frankreichs Aussenminister Jean-Noël Barrot erklärte, unabhängig von der politischen Bewertung der Flottille müssten die Beteiligten respektvoll behandelt werden.Les agissements de M. Ben Gvir à l'égard des passagers de la flottille Global Smud, dénoncés par ses propres collègues au gouvernement israélien, sont inadmissibles. J'ai demandé que l'ambassadeur d'Israël en France soit convoqué pour exprimer notre indignation et obtenir des…— Jean-Noël Barrot (@jnbarrot) May 20, 2026