Die Universität RWTH Aachen ist von mutmaßlicher Wissenschaftsspionage für China durch ein Ehepaar aus München betroffen. Das bestätigte die Hochschule auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. Die Aachener Polizei habe aufgrund eines Durchsuchungsbeschlusses einen Lehrstuhl besucht. „Der Tatverdacht lautet auf geheimdienstliche Agententätigkeit für einen chinesischen Geheimdienst“, teilte die Hochschule mit.RWTH-Angehörige seien aber ausdrücklich nicht tatverdächtig. „Es geht um zwei Onlinevorträge, die ein RWTH-Forschender zwischen 2020 und 2023 vor Vertreterinnen und Vertretern von chinesischen Unternehmen und Forschungseinrichtungen gehalten hat“, teilte die Hochschule mit. Thematisiert wurden dabei zivile Nutzungsszenarien einer aktuellen Technologie.„Der Lehrstuhl unterstützt die Ermittlungen und stellt alle Unterlagen zur Verfügung“, betont die Hochschule. Es bestehe keine Zusammenarbeit des Lehrstuhls mit chinesischen Partnern. Die RWTH arbeite auf allen Ebenen eng mit den Behörden zusammen.Festnahme in MünchenDie Vorwürfe gegen die deutschen Eheleute chinesischer Herkunft wiegen schwer: Um an wissenschaftliche Informationen zu Spitzentechnologie zu gelangen, die auch militärisch nutzbar ist, sollen sie für einen chinesischen Geheimdienst Kontakte zu Wissenschaftlern an deutschen Hochschulen und Forschungseinrichtungen aufgebaut und deutsche Wissenschaftler unter falschen Vorwänden nach China gelockt haben. Am Mittwoch ließ die Bundesanwaltschaft die beiden mutmaßlichen Spione in der bayerischen Landeshauptstadt festnehmen.Gleichzeitig mit den Festnahmen fanden Maßnahmen in Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Brandenburg, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen statt. Diese betreffen laut Bundesanwaltschaft Personen, die als Zeugen geführt werden. Sie sind nicht tatverdächtig. In München wurden die Wohnräume und Arbeitsplätze der beiden Festgenommen durchsucht.Deutsche Wissenschaftler nach China gelocktDie Eheleute Xuejun C. und Hua S. seien dringend verdächtig, für einen ausländischen Geheimdienst tätig zu sein. Zu den Kontakten der mutmaßlichen Spione zählten „insbesondere Lehrstuhlinhaber für die Bereiche Luft- und Raumfahrttechnik, Informatik oder Künstliche Intelligenz“, teilte die Behörde weiter mit. Ihnen gegenüber sollen sich die Beschuldigten zur Tarnung als Dolmetscher oder als Mitarbeiter eines Automobilherstellers ausgegeben haben. „Einige Wissenschaftler wurden unter dem Vorwand nach China gelockt, gegen Honorar Vorträge vor einem zivilen Publikum zu halten. Tatsächlich erfolgten solche Vorträge dann aber vor Angehörigen staatlicher Rüstungsunternehmen.“Das festgenommene Ehepaar soll am Mittwoch dem Ermittlungsrichter am Bundesgerichtshof vorgeführt werden, der den Beschuldigten die Haftbefehle eröffnet und über die Untersuchungshaft entscheidet. Das Verfahren wurde in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Verfassungsschutz geführt. Die polizeilichen Ermittlungen liegen beim Bayerischen Landeskriminalamt.