Mahmud Ahmadinejad als neuer starker Mann in Iran? Israel und die USA verfolgten offenbar heimliche KriegszieleAcht Jahre lang war der Hardliner Mahmud Ahmadinejad iranischer Präsident. Seine umstrittene Wiederwahl 2009 löste grosse Proteste in der Bevölkerung aus. Ausgerechnet ihn wollten Israel und die USA nach einem Medienbericht als neuen starken Mann in Iran installieren.20.05.2026, 15.44 Uhr4 LeseminutenInnerhalb und ausserhalb Irans umstritten: der ehemalige Präsident Mahmud Ahmadinejad. Wo er sich zurzeit aufhält, ist nicht bekannt.Anadolu / AnadoluMahmud Ahmadinejad gehört zu den Repräsentanten der Islamischen Republik, die international immer wieder für Schlagzeilen sorgen. Während seiner beiden Amtszeiten als Präsident von 2005 bis 2013 machte er sich für das iranische Atomprogramm stark, kritisierte unablässig die USA und forderte, Israel von der Landkarte zu tilgen. Unterstützung erhielt er vor allem aus ultrakonservativen Milieus. Im Westen wurde er als provokativer und gefährlicher Scharfmacher gesehen. Doch Washington und Jerusalem haben ihre Meinung über Ahmadinejad möglicherweise geändert.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Nach einem Bericht der «New York Times» setzten Israel und die USA zu Beginn des Krieges gegen Iran auf den 69-Jährigen als möglichen neuen starken Mann in Teheran – und damit auf einen Hardliner, der bereits mit seiner umstrittenen Wiederwahl 2009 grosse Proteste gegen das iranische Regime auslöste. Die «Grüne Bewegung» forderte damals freie und faire Wahlen im Land sowie eine politische Öffnung – und wurde niedergeschlagen. Die Frage stellt sich: Warum setzten die USA und Israel auf Ahmadinejad als möglichen neuen Führer in Teheran? Und welche Erkenntnisse offenbart dieser Plan mit Blick auf den Krieg gegen Iran?Nach den Recherchen der «New York Times» suchten die Verantwortlichen in Israel und den USA bei der Planung eines möglichen Regimewechsels in Iran nach einem Pragmatiker innerhalb des Regimes, der mit den USA zusammenarbeiten würde – ähnlich wie zu Jahresbeginn in Venezuela. Dort hatten die amerikanischen Streitkräfte Präsident Nicolás Maduro aus dem Amt entfernt, seinen Machtapparat aber weitgehend intakt gelassen. In den Augen der Regierungen in Washington und Jerusalem hatte Ahmadinejad sich möglicherweise für eine ähnliche Rolle qualifiziert, weil er mit hochrangigen Repräsentanten des Regimes aneinandergeraten war.Kritik am Regime und Lob für Trump«Vielleicht ist Ahmadinejad Trumps Leuten auch aufgefallen, weil er Trump in den vergangenen Jahren in den sozialen Netzwerken ausdrücklich gelobt und das politische System der Islamischen Republik immer wieder kritisiert hat», vermutet Simon Wolfgang Fuchs, Professor für Nahoststudien an der Hebräischen Universität in Jerusalem. «Den ehemaligen Präsidenten Raisi rügte Ahmadinejad beispielsweise: dass nur jemand, der ‹auf dem Mond› lebe, die Probleme des Landes nicht sehen könne.»Mahmud Ahmadinejad 2013 bei einem Besuch in Natanz: Als iranischer Präsident förderte und verteidigte er das Atomprogramm des Landes.Iranian Government via ImagoHinzu kommt, dass sich Ahmadinejad als Kämpfer gegen die reichen, korrupten Eliten darstellte. Für seine Anhänger war er dadurch ein glaubwürdiger Anwalt der kleinen Leute – obwohl er im Kampf gegen die Korruption kaum etwas bewirkt hatte. Zum Ende seiner Amtszeit als Präsident sahen viele Iraner Ahmadinejad vor allem als Symbol für Klientelismus, Misswirtschaft und neue Korruptionsnetzwerke. Dennoch hat er immer noch viele Anhänger – vor allem in den ärmeren Teilen der Bevölkerung, zu denen er früher auch zählte.Bei den Präsidentschaftswahlen 2017, 2021 und 2024 versuchte Ahmadinejad erneut, für das Amt zu kandidieren, wurde aber vom Wächterrat ausgeschlossen. Das Gremium prüft, wer zur Präsidentschaftswahl antreten darf, und lässt in der Regel nur wenige Kandidaten zu. Ahmadinejads Vertraute wurden daraufhin festgenommen, auch er selbst durfte sich zuletzt nicht mehr frei bewegen.Er hielt sich in seinem Haus im Osten Teherans auf – bis die israelische Luftwaffe offenbar am ersten Tag des Krieges das Gebäude bombardierte. Zunächst war unklar, ob Ahmadinejad den Angriff überlebt hatte. Iranische Medien hatten unmittelbar danach berichtet, der ehemalige Präsident sei getötet worden. Das Ziel der Israeli war nach dem Bericht der «New York Times» jedoch, Ahmadinejads Wachmänner zu töten und ihn auf diese Weise aus dem Hausarrest zu befreien.Ein gescheiterter Plan mit vielen offenen FragenViele Details zum israelischen Vorgehen sind noch unklar – darunter auch die Frage, wie Ahmadinejad als neuer starker Mann hätte installiert werden sollen. «Auf wen hätte Ahmadinejad sich bei einem Staatsstreich stützen sollen?» fragt Iran-Experte Fuchs. «Ihm werden zwar Verbindungen ins Geheimdienstministerium nachgesagt, aber die Revolutionswächter haben auch öffentlich mit ihm gebrochen.»Fest steht, dass der israelisch-amerikanische Plan, in den Ahmadinejad laut der «New York Times» eingeweiht gewesen war, scheiterte. Ahmadinejad überlebte den Angriff zwar, wurde aber offenbar verletzt. Wie es ihm geht und wo er sich zurzeit aufhält, ist nicht bekannt.Unterdessen versucht das iranische Regime, den Druck auf Israel und die USA zu erhöhen. Laut einem Bericht der «Jerusalem Post» will Teheran ein Kopfgeld auf den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu sowie auf Trump und den obersten amerikanischen Militärkommandanten für den Nahen Osten und Zentralasien, Brad Cooper, aussetzen. Der Vorsitzende des Rats für nationale Sicherheit, Ebrahim Azizi, versprach am Donnerstag im Staatsfernsehen eine Prämie in der Höhe von umgerechnet 46 Millionen Franken für denjenigen, der diese drei Personen töte. Damit solle die gezielte Tötung von Revolutionsführer Ayatollah Ali Khamenei Ende Februar vergolten werden.«Neu sind derlei Aussagen allerdings nicht», ordnet Fuchs ein. «Solche Ankündigungen haben wir auch schon nach der Tötung von Kassem Soleimani im Januar 2020 gehört. Nun wurde allerdings der Preis erhöht.» Da Iran in den vergangenen Jahren massiv in Kryptowährungen investiert hat, sei das Land möglicherweise sogar in der Lage, diesen Betrag auszuzahlen. Dass Netanyahu, Trump und Cooper dadurch gefährdet werden, glaubt Fuchs nicht: «Ich kann mir kaum vorstellen, dass es Iran gelingt, einen Auftragsmord an einer so gut geschützten Persönlichkeit wie Netanyahu durchzuführen. Da Trump in allen möglichen Lagern Feinde zu haben scheint, wie wir unlängst beim Correspondents’ Dinner gesehen haben, wird sich auch seine Sicherheitslage nicht weiter verschlechtern.»Passend zum Artikel
USA und Israel: Setzten sie wirklich auf Ahmadinejad als Irans Führer?
Acht Jahre lang war der Hardliner Mahmud Ahmadinejad iranischer Präsident. Seine umstrittene Wiederwahl 2009 löste grosse Proteste in der Bevölkerung aus. Ausgerechnet ihn wollten Israel und die USA nach einem Medienbericht als neuen starken Mann in Iran installieren.











