Der aussichtsreichste Bewerber des rechtsbürgerlichen Lagers bei den französischen Präsidentenwahlen, Édouard Philippe, steht unter Verdacht der Veruntreuung. Die nationale Finanzstaatsanwaltschaft in Paris teilte mit, dass ein unabhängiger Untersuchungsrichter künftig Ermittlungen gegen den 55 Jahre alten Kandidaten leiten wird.Die am Mittwoch bestätigte Entscheidung geht auf die Strafanzeige einer Beamtin in der Hafenstadt Le Havre zurück. Philippe steht Le Havre mit Unterbrechungen seit 2010 als Bürgermeister vor. Er soll 2020 entschieden haben, dass dem von der stellvertretenden Bürgermeisterin Stéphanie de Bazelaire geleiteten Verein „LH French Tech“ Fördergelder von 2,1 Millionen Euro bewilligt wurden.Vorwürfe auch wegen „Mobbing und Erpressung“Die hohe Beamtin, die anonym bleiben will, war zwischen 2020 und 2023 stellvertretende Generaldirektorin des Gemeindeverbands Le Havre Seine Métropole. Sie sah in der Millionensubvention zugunsten einer engen Vertrauten des Bürgermeisters einen klaren Regelverstoß. Sie klagte wegen Veruntreuung öffentlicher Gelder, Begünstigung, illegaler Vorteilsnahme sowie wegen „Mobbing und Erpressung“, weil sie sich von Philippe und seiner Stellvertreterin unter Druck gesetzt fühlte.Eine Vorabprüfung der Finanzstaatsanwaltschaft hat die Verdachtsmomente bestätigt. Deshalb wurde jetzt ein formelles Ermittlungsverfahren eingeleitet.Philippe ist Kandidat der Partei Horizons für die nächsten Präsidentenwahlen 2027. Die Ermittlungen könnten den Wahlkampf belasten. Philippe hat die Vorwürfe zurückgewiesen.