Der französische Luftfahrt- und Sicherheitskonzern Thales geht eine strategische Partnerschaft mit der Cloudsparte von Google in Deutschland ein, um die Nachfrage nach „souveränen“ Clouddienstleistungen besser zu bedienen. Thales gründet dafür eine deutsche hundertprozentige Tochtergesellschaft, die Rechenzentren in Deutschland, mit deutschem Personal und nach deutschem Recht mit Googles Technik betreiben soll. In Frankreich arbeitet Google unter dem Namen S3NS schon seit 2021 mit Thales an einem solchen Modell; die Cloud ist nach dem strengen französischen Sicherheitsstandards SecNumCloud-3.2 zertifiziert.Google-Managerin Marianne Janik kündigte schon im vergangenen Jahr gegenüber der F.A.Z. an, dieses Konzept neben dem herkömmlichen Cloudangebot global ausrollen zu wollen. Dafür war Google für Deutschland noch auf Partnersuche – obwohl der US-Konzern im Cloud-Bereich schon seit 2021 eine strategische Partnerschaft mit der Deutschen Telekom unterhält und diese 2025 bis 2030 verlängert hat. Für dieses Angebot verwaltet die Telekom-Tochtergesellschaft T-Systems die Verschlüsselung der über die Cloud laufenden Daten. Auf die Schlüssel soll Google keinen Zugriff haben, sodass der US-Konzern die Daten nicht auslesen können soll, selbst, wenn er es wollte. In der Branche heißt es aber, dass dieses Angebot am Markt keinen Anklang gefunden habe.„Es war für uns wichtig, schnell in den deutschen Markt zu kommen“, sagte Janik nun zu der Entscheidung für Thales. Die Bereitstellung aller Dienste ohne Qualitätsverlust auf einer neuen Infrastruktur sei aufwendig, die geleistete Vorarbeit in Frankreich daher sehr wichtig, zumal die Rückmeldungen französischer Kunden sehr positiv gewesen seien.Sorge vor dem Cloud ActSpätestens seit der zweiten Amtszeit des amerikanischen Präsidenten Donald Trump sorgen sich die deutsche Wirtschaft und Politik um die Abhängigkeit von den großen amerikanischen Cloud-Anbietern – etwa weil Daten in die USA abfließen könnten. Gesetze wie der Cloud Act verpflichten amerikanische Unternehmen, auf Anfrage auch im Ausland verarbeitete Daten den US-Sicherheitsbehörden zur Verfügung zu stellen – und zwar ohne danach darüber sprechen zu dürfen.Google und auch andere amerikanische Cloudbetreiber wollen diesen Sorgen seit geraumer Zeit mit eigenen Angeboten begegnen, um keine Kunden an europäische Wettbewerber wie die Schwarz-Gruppe, Ionos oder OVH zu verlieren. Microsoft kooperiert etwa mit SAP.Was passiert ohne Updates aus Amerika?Derartige Modelle adressieren zwar die Sorge vor einem Abfluss von Daten an amerikanische Behörden, stehen aber wegen geopolitischer Risiken trotzdem in der Kritik. Dabei geht es um mögliche Betriebsunterbrechungen, sollte der US-Präsident den Cloud-Anbietern vorschreiben, die Cloud in Europa abzuschalten. Ohne Updates aus Amerika wären die Rechenzentren langfristig nicht weiterzubetreiben. Google gibt an, dass Thales die Rechenzentren in Deutschland auch ohne Updates ein Jahr weiterbetreiben könne. In diesem Zeitraum könne entweder eine politische Lösung gefunden werden, der Kunde könne die Cloud wechseln oder Thales finde eine Möglichkeit, die Cloud selbst weiterzubetreiben.Für besonders sensible Bereiche bietet Google auch eine komplett abgekapselte Infrastruktur an, die keinerlei Verbindung zu einem externen Netzwerk erfordert. Auf dieses Angebot greift unter anderem der IT-Dienstleister der Bundeswehr zurück. Daran gab es heftige Kritik von Sicherheitspolitikern der Union und der Grünen.Das neue Angebot von Google und Thales entspricht nach eigenen Angaben dem neuen C3A-Souveränitätskriterien des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik. Von Ende 2026 an soll das Angebot breit verfügbar sein.