"Was es bedeutet, in Deutschland arm zu sein", steht auf dem Cover des Buches, in dem Davoudvandi auch über ihr eigenes Leben schreibt. "Es gibt viele Zahlen, die versuchen, Armut zu bemessen." Dazu gehört die Armutsgefährdungsschwelle, die das Statistische Bundesamt bei 60 Prozent des durchschnittlichen Nettoeinkommens ansetzt. 16 Prozent aller Menschen in Deutschland – 13,3 Millionen – waren demnach 2025 armutsgefährdet. Davoudvandi misstraut solchen Statistiken. Sie machen Armut abstrakt, meint sie. "Ich bin eine Zahl in dieser Statistik."

Arme finden meist kein Gehör

Sie will keine Migrationsgeschichte erzählen: Armut hängt nicht davon ab, woher man kommt, sagt sie, sondern ob man in eine arme oder reiche Familie hinein geboren wurde. "Ironischerweise sprechen arme Menschen sehr viel mehr über Geld als reiche", hält sie fest. "Wenn man arm ist, bestimmt Geld beziehungsweise die Abwesenheit davon alles. Es führt zu Stress, Streit, Resignation. Auch bei uns ging es von morgens bis nachts um die Arbeit, Leistung – und Geld. Diese Geschichten von unserem Küchentisch möchte ich erzählen."

"Arme Menschen denken, ihre Geschichten sind nicht erzählenswert", beobachtet sie. "Arme Menschen sind es nicht gewohnt zu sprechen. Oder dass man ihnen zuhört. Meist sind sie so sehr mit Arbeiten und dem bloßen Überleben beschäftigt, dass keine Energie bleibt sich zu beschweren, geschweige denn auf die Barrikaden zu gehen."