Carla Hinrichs ist eine der bekanntesten Klimaaktivistinnen. Sie zweifelt an Staat, Rechtsstaat, Demokratie und klagt eine „elitäre Klasse“ an. Ihre eigene Anklage verhandelt sie in ihrem neuen Buch.
taz FUTURZWEI: Carla Hinrichs, Sie haben ein Buch geschrieben mit der Unterzeile: „Wie der Staat uns verrät“. Wie verrät uns der Staat denn?
Carla Hinrichs: Er verrät uns junge Menschen, wenn er sagt, er schütze uns und bereite uns eine Zukunft. Das tut er offensichtlich nicht, wir müssen nur auf die Klimakrise schauen. Er gibt vor, etwas zu sein, was er nicht ist; ein toller Rechtsstaat mit funktionierender Gewaltenteilung. Wenn die Regierung sich nicht an die Gesetze hält und Gerichtsurteile ignoriert, löst der Rechtsstaat sich auf. Ich bin mir nicht sicher, ob man das noch als Demokratie bezeichnen kann. Und der Gleichheitsanspruch unserer Verfassung wird verraten. Der Staat macht das Hier und Jetzt so gut wie möglich für eine elitäre Klasse, und alle anderen?
„Wenn ein System so krass über die Stränge schlägt, entlarvt es sich in dem Moment selbst. Der Staat hat so überreagiert, dass Leute gesagt haben: Das geht zu weit.“
taz FUTURZWEI: Diese Argumentation wendet auch manch ein:e Rechtspopulist:in an, wo liegt der Unterschied in Ihrer Kritik?












