PfadnavigationHomePanoramaSpezial-IsolierstationPolizei-Eskorte bringt hochinfektiösen Ebola-Patienten aus den USA zur Berliner CharitéStand: 08:48 UhrLesedauer: 3 MinutenUnd es waren gespenstische Szenen am Flughafen BER in Berlin. Mit einem Spezialflugzeug für hochinfektiöse Patienten wurde der mit dem Ebola-Virus infizierte US-Arzt aus Uganda nach Deutschland geflogen.In der Nacht ist ein US-Arzt, der sich im Kongo mit Ebola infiziert hatte, in die Berliner Charité eingeliefert worden. Nun wird er in einer Einrichtung behandelt, die einzigartig in Deutschland ist.Ein mit dem Ebola-Virus infizierter US-Amerikaner ist zur Behandlung in die Berliner Charité gebracht worden. Der Patient wurde in der Sonderisolierstation des Universitätsklinikums aufgenommen, wie das Bundesgesundheitsministerium mitteilte. Er hatte sich in der Demokratischen Republik Kongo mit dem Virus angesteckt, das sich dort stark ausbreitet. Laut der christlichen US-Hilfsorganisation Serge handelt es sich bei dem Patienten um ihren Arzt Peter Stafford, der mit seiner Ehefrau – ebenfalls Ärztin – und drei Kindern im Kongo lebte.Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) sagte der Nachrichtenagentur dpa: „Für die Bundesregierung ist es selbstverständlich, dass wir unseren Partnern helfen.“ Deutschland verfüge über ein leistungsfähiges Versorgungsnetzwerk, auch für Patienten mit hochinfektiösen Krankheiten. „Sie werden bestmöglich versorgt – und wir wahren dabei die höchsten Sicherheitsvorkehrungen.“Lesen Sie auchDie US-Behörden hatten Deutschland um Hilfe gebeten – unter anderem wegen der kürzeren Flugzeit. Der Transport erfolgte von Uganda aus mit einem Spezialflugzeug für hochinfektiöse Patienten. Kurz vor 3 Uhr morgens erreichte das Spezialfahrzeug die Charité, eskortiert von Polizeimotorrädern, Autos, Feuerwehren und Krankenwagen.Die Sonderisolierstation der Charité auf dem Campus Virchow-Klinikum ist die größte Einrichtung dieser Art in Deutschland – und die einzige, die Infektiologie und Intensivmedizin miteinander verbindet. Sie kann bis zu 20 Personen gleichzeitig isolieren, ohne den regulären Klinikbetrieb zu beeinträchtigen. Das Personal trainiert zweimal im Monat Abläufe und Notfallszenarien. Das Abwasser wird in Spezialtanks gesammelt und neutralisiert, Schutzanzüge und Abfall werden durch ein spezialisiertes Unternehmen entsorgt, die Abluft wird durch zwei Filtersysteme gereinigt.Für die Bevölkerung und andere Patienten der Charité besteht laut Bundesgesundheitsministerium keine Gefahr. Welche Behandlung notwendig ist, hängt vom Gesundheitszustand des Patienten bei der Aufnahme ab. Zunächst erfolgt eine tiefgehende Untersuchung und Diagnostik – die räumliche Nähe zum Robert-Koch-Institut sei dabei ein großer Vorteil. Dank neuer Behandlungsmethoden und Medikamente ist die Sterblichkeitsrate laut Ministerium von ursprünglich rund 60 Prozent auf heute etwa 20 bis 30 Prozent gesunken.131 Todesopfer im Kongo Der kongolesische Gesundheitsminister Samuel Roger Kamba meldete zuletzt 131 Todesopfer bei insgesamt 513 Verdachtsfällen. Das Zentrum der Epidemie befindet sich in der Provinz Ituri im Nordosten des Landes, die an Uganda und den Südsudan grenzt. Auch aus der Nachbarprovinz Nord-Kivu wurden Verdachtsfälle gemeldet.Lesen Sie auchWHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus äußerte sich besorgt über das „Ausmaß und die Geschwindigkeit“ der Ausbreitung – die WHO berief eine Krisensitzung ein. Die WHO-Repräsentantin im Kongo, Anne Ancia, mahnte: „Ich glaube nicht, dass diese Epidemie in zwei Monaten vorbei sein wird.“ Sie erinnerte daran, dass der Ausbruch 2018 bis 2020 zwei Jahre gedauert und fast 2300 Todesopfer gefordert habe.Lesen Sie auchUS-Außenminister Marco Rubio warf der WHO vor, den Ausbruch zu spät erkannt zu haben. Präsident Donald Trump hatte kurz nach seiner Amtsübernahme den Austritt der USA aus der WHO verkündet. Das US-Außenministerium sprach Reisewarnungen für die DR Kongo, Uganda und den Südsudan aus und empfahl, Reisen nach Ruanda zu überdenken. Für deutsche Staatsbürger gilt keine landesweite Reisewarnung für den Kongo, das Auswärtige Amt rät jedoch von nicht notwendigen Reisen ab – auch in die Hauptstadt Kinshasa.Wie verläuft die Krankheit?Die Übertragung von Ebola-Viren von Mensch zu Mensch erfolgt in aller Regel durch direkten Kontakt mit bereits erkrankten Personen oder deren Körperflüssigkeiten. Die Krankheit beginne dann oft ähnlich wie eine Grippe oder auch eine Durchfallerkrankung, sagt Fabian Leendertz vom Helmholtz Institut. Dann werde der Verlauf allerdings schwerwiegender. Letztlich sei die Todesursache in den meisten Fällen Multiorganversagen. kaha mit AFP/dpa