Schweine- und Geflügelpest sind nur zwei Schlagworte, die deutlich machen, wie sehr Landwirte von äußeren Umständen abhängen. Einfluss haben sie darauf kaum, denn selbst wenn sie bestmöglich versuchen, sich vor Seuchen zu schützen, reichen Fälle in der Umgebung, um ihnen das Geschäft mit Fleisch, Eiern und anderen tierischen Produkten zu erschweren oder gar unmöglich zu machen.Doch das ist nur ein Teil ihrer Nöte. Denn auch ohne gefährliche Viren fühlen sie sich immer öfter in ihrer Arbeit eingeschränkt. Wenn sie beispielsweise tatenlos zusehen müssen, wie Biber ihre Wiesen und Felder in Sumpflandschaften verwandeln und sie mancherorts nicht mehr düngen dürfen, weil Gewässer geschützt werden sollen. Hinzu kommen Risiken durch Wetterextreme wie Dürre oder Starkregen. Wer sich dagegen beispielsweise beim Anbau von Erdbeeren mit Folientunneln schützen will, bekommt in einigen Regionen Schwierigkeiten.Der Schutz der Umwelt und das Tierwohl sind wichtig, keine Frage. Und es gilt stets gut abzuwägen. Doch für manche Landwirte scheint es inzwischen zu viele Vorschriften zu geben. Sie fühlen sich von der Politik gegängelt. Die Landwirtschaft braucht Luft zum Atmen und vor allem Gewissheit für ihre Planung. Denn wer in neue Ställe investiert oder teure Maschinen anschafft, sollte sicher sein können, dass nicht im nächsten Jahr die Regeln wieder geändert werden.Daher ist es verständlich, dass die hessischen Bauern nun von der Landesregierung mit einem Zehn-Punkte-Plan mehr Unterstützung fordern. Der Bauernverband verlangt, die Ernährungssicherheit als staatliche Kernaufgabe anzuerkennen und die Landwirtschaft bei politischen Entscheidungen stärker zu berücksichtigen. Ein praktikables Wasser‑ und Düngerecht und eine verhältnismäßige Ausgestaltung von Schutzauflagen gehören ebenso dazu wie ein Bestandsschutz für Ställe und eine vom Land geförderte Versicherung gegen Schäden durch Trockenheit, Starkregen, Sturm oder Frost.Angesichts der Bedeutung der regionalen Landwirtschaft für die Sicherung der Lebensmittelproduktion sind das verständliche Forderungen – insbesondere vor dem Hintergrund von Tankrabatten oder E-Auto-Prämien. Wichtiger aber wäre es wohl auch, die Landwirte deutlich von Bürokratie zu entlasten. Und sie da zu unterstützen, wo sie in Tierwohl und umweltfreundlichen Anbau investieren, um ihre Existenz zu sichern.