In der Landwirtschaft herrscht Unmut. Weil der Handel die Preise weitgehend bestimmt und Vorschriften ihr Geschäft zum Teil minutiös regeln, sehen sich viele Bauern in einer schwierigen Lage. Um sie zu verbessern, hat der Hessische Bauernverband einen Zehn-Punkte-Plan erstellt mit Hilfen, die er sich von der Landesregierung wünscht. Die Forderungen sollen am Freitag beim Bauerntag in Wartenberg an Minister Ingmar Jung (CDU) übergeben werden.Die Kernbotschaft lautet: „Eine sichere Versorgung mit Lebensmitteln braucht starke Betriebe.“ Insbesondere in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit und steigender Anforderungen komme der heimischen Landwirtschaft eine zentrale Bedeutung zu, hebt der hessische Bauernpräsident Karsten Schmal in seiner Einladung hervor. Ziel sei es zudem, Arbeitsplätze und Landschaftspflege zu sichern. „Dafür brauchen unsere Betriebe verlässliche und praxistaugliche politische Rahmenbedingungen“, so Schmal. Der Bauernverband fordert, die Ernährungssicherheit als staatliche Kernaufgabe anzuerkennen und die Landwirtschaft bei politischen Entscheidungen stärker zu berücksichtigen.Ein Schwerpunkt des Positionspapiers liegt auf der Zukunft der Tierhaltung in Hessen. Der Verband fordert mehr Planungssicherheit für Investitionen, einen verlässlichen Bestandsschutz für genehmigte Ställe sowie eine dauerhafte Finanzierung höherer Tierwohlstandards in Gestalt einer Strohprämie. Damit sollen Bauern, die ihre Tiere auf Streu mit mehr Platz halten, für ihren Mehraufwand entschädigt werden. Hierbei bezieht sich der Verband auf eine Vereinbarung aus dem Koalitionsvertrag der Landesregierung. „Wer mehr Tierwohl will, muss das auch bezahlen“, sagt Schmal. „Die Betriebe dürfen mit den gesellschaftlichen Erwartungen nicht allein gelassen werden.“Absicherung gegen Gefahren gefordertAngesichts zunehmender Wetterextreme fordern die Landwirte zudem die Einführung einer staatlich geförderten „Mehrgefahrenversicherung“ als dauerhaftes Instrument. Schäden durch Trockenheit, Starkregen, Sturm oder Frost sollen so besser abgesichert werden.Weitere Forderungen betreffen das Wasser‑ und Düngerecht. Angesichts vieler Umweltbestimmungen fordern die Bauern „eine verhältnismäßige Ausgestaltung von Schutzauflagen“ sowie eine Anpassung der ihrer Ansicht nach übergroßen Wasserschutzgebiete in Hessen, in denen strenge Auflagen gelten. Der Verband setzt sich außerdem für eine Gleichstellung der Landwirtschaft mit anerkannten Naturschutzverbänden ein und verlangt auch für sich ein Verbandsklagerecht, um als Organisation im Sinne der Mitglieder juristisch aktiv werden zu können.