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Im Hipster-Café nebenan steht seit Kurzem ein neues Kartenlesegerät auf der Vitrine. Wenn man zahlt, zeigt es drei verschiedene Trinkgeld-Optionen an, sieben Prozent, zehn Prozent und 20 Prozent. Darunter, in Großbuchstaben, die den möglichen Affront des Kunden schon typografisch in die Welt schreien, die Option »KEIN TRINKGELD«.
Morgens, beim Kauf eines Croissants zum Mitnehmen, bleibt jedes Mal kurz die Zeit stehen, bevor die Karte auf dem Gerät liegt. Die immer gleiche innere Monologspirale setzt ein: »Trinkgeld für ein Croissant für 2,70? Niemals. Aber die Unhöflichkeit, diesen Knopf zu drücken? Die Verkäuferin schaut schon wieder so misstrauisch. Sie wird bestimmt zu schlecht bezahlt. Aber kommt das Geld am Ende bei ihr überhaupt an? Und: zehn, gar 20 Prozent mehr für einen kleinen Einkauf zum Mitnehmen?«
In der Gastronomie war das Verhältnis von Preis und Trinkgeld bis vor Kurzem ein Verhältnis von Vorschrift und Selbstbestimmung. Die festen Beträge auf der Speisekarte wurden beim Bezahlen, bar oder mit Karte, vom Gast nach seinem Belieben aufgerundet. Dieses Ritual am Ende des Restaurant- oder Café-Besuchs konnte Begeisterung oder Ärger ausdrücken, Routine oder Indifferenz. Manchmal war es auch mit betulicher Schmeichelei verbunden. Unvergessen die italophile Frau im Pelzmantel, die mal eine Rechnung über 9 Euro 80 in einer Münchner Espressobar mit dem gehauchten Satz beglich: »Francesco, mach ma dodici!«









