Nachdem am Sonntag ein ausgewachsener Tiger aus seinem Gehege im Schkeuditzer Ortsteil Dölzig entkommen konnte, seinen 73-jährigen Pfleger schwer verletzte und in einer nahegelegenen Kleingartenanlage von der Polizei erschossen wurde, schildern Zeugen dramatische Szenen.

Silvia Kaempf kann sich nur allzu gut an den Polizeieinsatz erinnern. Es sei gegen 13 Uhr gewesen, als sie mit ihrem Ehemann Christian an ihrer Kleingartenanlage „Gartenfreunde Dölzig e.V.“ im Großraum Leipzig ankam. Seit 26 Jahren bewirtschaften die beiden hier ihre Parzelle. „Wir haben den Hubschrauber über der Anlage kreisen sehen und dachten zuerst an einen schweren Verkehrsunfall vorne an der Hauptstraße“, erzählt die Rentnerin im Gespräch mit der OAZ. Doch überall war Blaulicht zu sehen, die Polizei patrouillierte mit einem Großaufgebot zwischen den Zäunen, Rettungssanitäter hielten sich bereit.

Kleingärtnerin: „Ich habe drei Schüsse gehört.“

Als das Ehepaar die Kleingartenanlage betreten wollte, wurde es von den Einsatzkräften zurückgehalten. Es herrschte Ausnahmezustand: Wer bereits in seinem Garten war, wurde angewiesen, sich in den Lauben einzuschließen, berichtet Silvia Kaempf. Ein ausgewachsener Königstiger laufe frei durch die Nachbarschaft, hätten die Beamten mitgeteilt. Fast eine Stunde musste das Ehepaar in seinem Auto ausharren. Dann fielen Schüsse.