Die Analyse ist kurz und eindringlich. „In der Pflege brennt die Hütte.“ Oliver Blatt hat diesen Satz formuliert. Er ist Chef des GKV-Spitzenverbands, der Dachorganisation der Krankenkassen, die auch für die Pflegeversicherung verantwortlich sind. Sie hat im ersten Quartal dieses Jahres bereits ein Defizit von 667 Millionen Euro eingefahren. „Trotz eines Darlehens vom Bund über 800 Millionen Euro“, sagt Blatt.Ohne eine grundlegende Reform wird das System der Pflege in absehbarer Zeit finanziell kollabieren. Das ist die Botschaft des GKV-Vorstands, die er mit einer Prognose für das laufende Jahr untermauert.
3,2 Milliarden Euro dürfte seiner Einschätzung nach das Minus betragen und 2027 auf mindestens sieben Milliarden Euro anwachsen. „Der Pflege läuft die Zeit weg“, sagt Blatt.
Seit 2017 hat sich die Zahl der Pflegebedürftigen in Deutschland von knapp drei Millionen auf sieben Millionen Menschen mehr als verdoppelt. Der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MD) ist für die Begutachtung der Betroffenen zuständig und verzeichnet in den zurückliegenden zehn Jahren ebenfalls eine Verdopplung auf 3,1 Millionen Fälle.
Besonders dramatisch ist die Entwicklung bei Kindern und Jugendlichen, erläutert Carola Engler, stellvertretende Vorstandsvorsitzende beim Medizinischen Dienst Bund. Deren Zahl hat sich bei den Begutachtungen in den vergangenen zehn Jahren fast vervierfacht, von 53.000 auf 190.000. „Hyperkinetische Störungen wie zum Beispiel ADHS und Entwicklungsstörungen sind bei Kindern und Jugendlichen die häufigste pflegebegründende Diagnose“, sagt Engler.









