Wie rasch Entscheidungen der Politik Auswirkungen auf den Automarkt haben, zeigen eindrucksvoll die Zahlen, die die Internationale Energieagentur in ihrem neuesten Bericht vorstellt. So löst der Krieg im Nahen Osten und die stark gestiegenen Treibstoffpreise einen regelrechten Boom bei E-Autos aus. In ganz Europa stiegen die Verkäufe im ersten Quartal 2026 im Vergleich zum Vorjahr um fast 30 Prozent auf rund 1,2 Millionen Fahrzeuge. Das entspricht etwa 250 000 mehr verkauften Autos als im ersten Quartal 2025. Im März, dem Monat nach Beginn des Krieges, wurden um 70 Prozent mehr Fahrzeuge als im Februar verkauft. Vorläufige Zahlen für April deuten auf eine Zunahme um 25 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat hin.Insbesondere Deutschland trug im ersten Quartal 2026 fast ein Viertel zum Wachstum der Elektroauto-Verkäufe in Europa bei. Das ist unter anderem auf die Wiedereinführung der Kaufprämien zurückzuführen, schreiben die Autoren in dem in Paris veröffentlichten Bericht. Im ersten Quartal stiegen die Verkaufszahlen von E-Fahrzeugen in Deutschland um 35 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Im März wurde mit 100 000 verkauften E-Fahrzeugen ein Rekord aufgestellt – ein Plus von 45 Prozent gegenüber dem Vorjahr.Bereits 2025 wurden in Deutschland um rund 50 Prozent mehr E-Autos als im Jahr davor verkauft. Die Studienautoren führen diesen Aufschwung auf steuerliche Vorteile für elektrische Firmenwagen und die breitere Verfügbarkeit erschwinglicherer Modelle zurück, was zu einem Rückgang der durchschnittlichen Verkaufspreise um 6 Prozent führte. „Starke Verkaufszahlen bestehender Modelle wie des Fiat 500 sowie neuer, günstigerer Modelle wie des Renault 5 E-Tech, des Leapmotor T03 und des BYD Dolphin trugen zum ersten Anstieg des Marktanteils von Elektroautos im Kleinwagensegment seit 2021 bei“, heißt es in der Studie. Inzwischen ist fast jedes dritte verkaufte Fahrzeug in Deutschland ein E-Auto. Weltweit führend ist Norwegen. Rund 97 Prozent der verkauften Fahrzeuge sind elektrisch unterwegs.In den USA gab es einen massiven RückgangDass politische Entscheidungen auch in die andere Richtung wirken können, zeigt sich in den USA. Der Absatz von Elektroautos in den USA ging 2025 im Jahresvergleich zurück. Grund war unter anderem die Anordnung von US-Präsident Donald Trump, die Förderung und Steuervergünstigungen von Elektrofahrzeugen einzustellen. Im vierten Quartal 2025 betrug der Rückgang satte 45 Prozent im Jahresvergleich.Der Bericht zeigt auch die anhaltende Dominanz der chinesischen Produzenten. Chinesische Automobilhersteller lieferten 60 Prozent der weltweit verkauften Elektroautos, während europäische und nordamerikanische Hersteller jeweils für etwa 15 Prozent verantwortlich sind. Die chinesischen Exporte von Elektroautos haben sich 2025 auf einen Rekordwert von über 2,5 Millionen verdoppelt. China dominiert auch die Lieferketten für Elektrofahrzeuge und deckt über 80 Prozent der Batteriezellenproduktion ab.Rekordwerte in hundert LändernIn dem Bericht wird davon ausgegangen, dass der Trend zum Kauf von E-Autos weiterhin anhält. Bis 2035 wird der weltweite Bestand an Elektrofahrzeugen voraussichtlich auf bis zu 510 Millionen ansteigen gegenüber knapp 80 Millionen heute, wird prognostiziert. „Die Verkaufszahlen von Elektroautos erreichten im vergangenen Jahr in fast 100 Ländern neue Rekordwerte. Die wachsende Beliebtheit von Elektrofahrzeugen markiert einen bedeutenden Wandel auf den Automobilmärkten und im gesamten Energiesystem – und bietet angesichts des größten Ölangebotsschocks der Geschichte eine gewisse Entlastung“, sagt IEA-Chef Fatih Birol. Er rechnet damit, dass „die aktuelle globale Energiekrise den Märkten für Elektrofahrzeuge weiteren Auftrieb verleihen“ und die Politik zu weiteren Fördermaßnahmen bewegen wird.