Analyse

Ruhiger schlafen dank der richtigen Absicherung Trotz unsicherer Weltlage und wackliger Bondmärkte sind die Aktienbörsen auf Rekordjagd. Umso mehr drängt sich die Frage nach einer Absicherung des Portfolios auf. Hedging-Methoden gibt es viele, aber nur wenige sind derzeit geeignet. Widersprüchlicher könnte die Lage an den Finanzmärkten kaum sein. Der Energiemarkt befindet sich in der grössten Versorgungskrise der Geschichte. An den Bondmärkten macht sich die Angst vor Inflation und steigenden Zinsen breit. Doch an der Börse – künstlicher Intelligenz (KI) und rekordhohen Unternehmensgewinnen sei Dank – klettern die Kurse in neue Höhen, als ob nichts wäre.Optimieren Sie Ihre Browsereinstellungen

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Bitte passen Sie die Einstellungen an.Gleichzeitig sind die Anleger ungewöhnlich sorglos, weshalb die in den Optionspreisen implizite Aktienmarktvolatilität – etwa gemessen am bekannten «Angstbarometer», dem Volatilitätsindex Vix – sehr niedrig ist. Da liegt es auf der Hand, sich über Absicherungsstrategien Gedanken zu machen.Den Free Lunch gibt es jedoch auch in dieser Disziplin nicht: Fürs Absichern muss man bezahlen, sei es in Form von Gebühren, Prämien oder mit dem Verzicht auf Gewinne. The Market zeigt auf, welche Absicherungsmethoden- und Instrumente es gibt und welche sich in der aktuellen Phase am besten eignen.Inhaltsverzeichnis 1. Aktien verkaufen 2. Unkorrelierte Anlagen kaufen 3. Stop-Loss-Limiten 4. Put-Optionen 5. Short-Mini-Futures 6. Long Vix 7. Short-ETF 1. Aktien verkaufen Der Verkauf von Aktien ist die einfachste Absicherungsstrategie. Durch die Reduktion der Aktienquote zugunsten von Cash oder kurzfristigen Anleihen ist das Portfolio etwas weniger den Stürmen auf den Märkten ausgesetzt. Man verzichtet dafür auf das Aufwärtspotenzial. Zudem muss man den richtigen Zeitpunkt für den Wiedereinstieg treffen, was nicht einfach ist. Ganz kostenlos ist diese Art der Absicherung auch nicht, schliesslich fallen bei jeder Transaktion Courtagen an. 2. Unkorrelierte Anlagen kaufen Wertpapiere zu halten, die jeder Erschütterung standhalten, oder noch besser solche, die durch die Erschütterung gestärkt werden, stabilisieren das Portfolio im Crash. Man spricht in diesem Zusammenhang von einer niedrigen oder gar negativen Korrelation oder kleinem Beta-Faktor. Letzterer gibt an, wie stark sich ein Wertpapier gegenüber dem Index bewegt. Bei einem Beta von 0,5 schwankt es nur halb so fest. Ist es über 1, steigt und fällt es stärker als der Index. Der Korrelationskoeffizient misst die Richtung und Stärke des linearen Zusammenhangs normiert auf −1 bis +1.Aktien gibt es fast keine, die sich über längere Zeit in die entgegengesetzte Richtung des Marktes bewegen, ausser ein paar hochriskante Nebenwerte. Ein niedriges Beta haben typischerweise Aktien aus den Sektoren Basiskonsum, Pharma und Versorger. Oft spricht man von defensiven Valoren. In der Schweiz sind die Kantonalbanken und Immobilienaktien am wenigsten stark vom allgemeinen Börsengeschehen abhängig.Bei der Graubündner Kantonalbank ist das Beta über ein Jahr betrachtet sogar negativ. Eine relative niedrige Sensitivität zum Swiss Market Index (SMI) weisen auch der Versorger BKW, der Gebäudetechniker Burkhalter sowie der Gesundheitskonzern Galenica aus. Aus dem SMI ist Swisscom für das niedrige Beta bekannt.In den USA sind neben Lockheed Martin und Merck die Ölaktien sowie einzelne Konsumgüteraktien wie Hershey’s, General Mills oder Campbell's am wenigsten von den Launen des Gesamtmarkts abhängig. Negative Betas sind aber auch da sehr selten.Mit Aktien allein ist es daher schwierig, sich gegen Verluste an der Börse abzusichern. Die Geschichte lehrt: Im Crash kommen selbst die defensivsten Werte unter Druck. Ausserdem können sich Korrelationen über die Zeit ändern.Das zeigt derzeit das Verhalten der Ölaktien. Der über 52-Wochen-Renditen berechnete Korrelationskoeffizient war lange positiv und ist nun eingebrochen. Denn das Verhältnis zwischen Ölpreis und Börsen ist alles andere als stabil. Kommt der Anstieg der Energiepreise wie derzeit durch einen negativen Angebotsschock zustande, belastet das die meisten Branchen, während die Ölkonzerne profitieren. Energieaktien entkoppeln sich vom Rest der Börse Wenn die Bewegung des Ölpreises nachfragegetrieben ist, laufen sie ähnlich wie der Gesamtmarkt.Etwas verlässlicher ist die negative Korrelation von anderen Anlageklassen. Qualitativ hochwertige Staatsanleihen und Gold haben sich über Jahre bewährt. Bei erhöhten Inflationsraten und Zinsen kann man sich auf sie aber nicht mehr verlassen. In den vergangenen Monaten korrelierten die Kurse der Staatsanleihen sehr stark mit den Aktien, und auch Gold wurde zuletzt von der Marktstimmung mitgerissen.Am ehesten funktionierten Devisen. Allen Unkenrufen zum Trotz neigt der Dollar bei Marktverwerfungen zur Stärke, und der Franken hat seine Safe-Haven-Qualitäten behalten. Eine auffällig hohe Korrelation zum Weltaktienindex weist der Wechselkurs zwischen dem Yen und dem mexikanischen Peso auf. Carry Trader lieben dieses Währungspaar und nutzen die tiefen japanischen Zinsen, um sich mit einem Yen-Kredit höher verzinsliche Peso zu kaufen. Bei erhöhter Nervosität an den Finanzmärkten werden diese Carry Trades aufgelöst, mit der Folge, dass der Yen sich gegenüber dem Peso aufwertet. Das Problem: Einfach umzusetzen ist dieser Hedge aus europäischer Warte nicht. 3. Stop-Loss-Limiten Eine geschickte Alternative zum Aktienverkauf sind Stop-Loss-Limiten. Dabei setzen die Anleger bei ihrem Broker eine Limite, die unter dem aktuellen Kurs liegt und ihrer Verlusttoleranz entspricht. Sinkt der Kurs darunter, wird automatisch ein Verkaufsauftrag ausgelöst.Stop-Loss-Aufträge eignen sich jedoch nur für liquide Werte, denn der Verkauf wird nach Touchieren der Limite zum nächsten bezahlten Kurs abgewickelt. Gerade bei kleineren und wenig liquiden Titeln kann der Verkaufspreis dann deutlich unter der Limite liegen. Das Problem lässt sich jedoch mit einem Stop-Limit-Auftrag entschärfen. Dabei wird ein Stop-Kurs (Aktivierung) und ein Limit (Verkaufspreis) gesetzt. Sobald der Stop-Kurs erreicht oder unterschritten wird, wandelt sich der Auftrag in eine Limit-Order um. Das Wertpapier wird nur zum Limit oder zu einem besseren Preis verkauft. Man bestimmt also den absoluten Mindestverkaufspreis. Allerdings besteht ein Risiko, dass der Auftrag nicht oder nur teilweise ausgeführt wird.Der Vorteil von Stop-Loss-Aufträgen gegenüber dem normalen Verkauf liegt auf der Hand: Falls der Markt doch nicht fällt und nach oben dreht, bleibt man nicht aussen vor. Solange die Limite nicht touchiert wird, fallen auch keine Transaktionsgebühren an. Wenn der Stop-Loss jedoch ausgelöst wird, dann stellt sich wie beim Aktienverkauf die Frage, wann der Zeitpunkt für den Wiedereinstieg kommt. 4. Put-Optionen Der direkteste Hedge ist der Erwerb einer Put-Option auf die abzusichernde Aktie oder den Index. Sie gibt dem Besitzer das Recht, den Basiswert zu einem bestimmten Preis (dem Strike oder Ausübungspreis) zu verkaufen. Privatanleger können via die meisten Broker direkt Eurex-Optionen handeln. Noch einfacher ist der Zugang via Optionsscheine, auch Warrants genannt. Das sind strukturierte Produkte, mit denen sich Finanzinstitute an Privatanleger richten.Zur Absicherung der Aktienposition wählen Investoren meist Put-Optionen, deren Ausübungspreis leicht unter dem derzeitigen Kurs liegt und die noch eine gewisse Laufzeit aufweisen.Zur Illustration wählen wir über das Portal von Payoff.ch einen SMI-Put Warrant mit einem Strike von 12'500 und Laufzeitende im September. Der Ausübungspreis liegt etwas mehr als 6% vom heutigen Kurs entfernt. Es entspricht der Verlusttoleranz, ab dann beginnt der Put zu greifen. Da die Laufzeit recht kurz ist und der Strike nicht extrem nahe ist, ist diese Option mit einer Prämie von 45 Rappen vergleichsweise günstig. Screenshot einer Auswahl von SMI-Put Warrants auf der Seite von payoff.ch (19. 05. 2026) Das Bezugsverhältnis (Ratio) gibt an, wie viele Put Warrants nötig sind, um den Gegenwert des Index abzusichern. Bei einem Bezugsverhältnis von 500 zu 1 müssen 500-mal so viele Puts erworben werden wie der sogenannte Indexfaktor. Dieser berechnet sich aus dem abzusichernden Betrag, den wir für dieses Beispiel auf 100’000 Fr. setzen, und dem Kurs des Wertpapiers bzw. des Index. Bei einem SMI-Stand von 13'390 beträgt der Index-Faktor 7,5. Es sind daher 3750 Put-Optionen (500 mal 7,5) nötig.Bei einem Preis von 45 Rappen pro Option kostet die Absicherung also 1678 Fr., oder rund 1,7%. Das ist der Preis der Absicherung. Wenn nun der Markt 10% steigt, gewinnt unser gesichertes Portfolio 8,3%. Wenn der Kurs unter dem Strike liegt, hat die Put-Option einen inneren Wert. Dieser nimmt bei weiteren Kursverlusten zu und schützt so das Portfolio.Das Beispiel mit aktuelle verfügbaren Put Warrants verdeutlicht, dass diese Art von Absicherung derzeit recht günstig ist. Die implizite Volatilität, die nicht direkt beobachtbar ist, sondern über die Marktpreise der Prämien berechnet wird, ist gering. Das wird auch durch den niedrigen Stand der Volatilitätsindizes Vix und Vstoxx illustriert. 5. Short-Mini-Futures Mini-Futures sind ebenfalls strukturierte Produkte, mit denen Privatanleger überproportional, das heisst mit einem Hebel, an steigenden oder fallenden Kursen partizipieren können. Wichtigste Merkmale sind das Finanzierungslevel und der Stop-Loss. Der Finanzierungslevel bestimmt die Höhe des Hebels. Er legt also fest, wie viel der Anleger selbst investiert und wie viel der Emittent finanziert. Von diesem Hebel hängt der Preis ab. Der Stop-Loss ist das Kursniveau, bei dem der Mini-Futures automatisch verfällt und so den Verlust begrenzt.Mini Futures auf fallende Kurse sind ein Instrument zur Absicherung des Portfolios. Ähnlich wie bei Put-Optionen steigt der Wert des Produkts, wenn der Basiswert fällt. Der Vorteil von Mini Futures gegenüber Optionen ist, dass ihr Preis nicht von der impliziten Volatilität bestimmt wird. Während Puts in ruhigen Phasen günstig sind, sind eignen sich Short Mini Futures eher für die Absicherung in turbulenten Zeiten.Solange sie die Stop-Loss-Barierre nicht berühren, haben sie keine Laufzeitbeschränkung, die Absicherung ist also permanent und muss nicht wie bei einer Put-Optionen ständig erneuert werden. Bei Short Mini Futures setzt der Absicherungsmechanismus vor negativen Kursschwankungen sofort ein. Bei Put Warrants greift der Sicherungsmechanismus erst ab der Schwelle, die man durch die Wahl des Strike festlegt. 6. Long Vix Wenn die Finanzmärkte durchgeschüttelt werden, nimmt die Volatilität zu. Und zwar nicht nur die effektiv gemessene Schwankungsbreite, sondern auch die implizite, aus den Optionspreisen abgeleitete, wie sie der Volatilitätsindex Vix für S&P-500-Optionen beziffert. Es wäre daher naheliegend, zur Absicherung des Aktienrisikos in den Vix zu investieren. Doch den Vix-Index kann man nicht direkt kaufen, nur Terminkontrakte darauf. Und dies ist wiederum den Profis vorbehalten.Privatanleger müssen mit Derivaten vorliebnehmen, die Vix-Futures halten. Die ersten Vix-Produkte wurden während der Finanzkrise 2009 von der Bank Barclays lanciert. Die kotierten Schuldverschreibungen (ETN) mit den Kürzeln VXX und VXZ bestehen noch heute und lassen sich je nach Brokerkonto über die New Yorker Börse handeln. Unterdessen sind weitere Produkte etwa von Proshares dazugekommen. In Europa hat Amundi einen ETF auf die implizite Volatilität am US-Aktienmarkt im Angebot.Doch diese Volatilitätsprodukte sind nichts für Anleger mit langem Horizont. Kurzfristig mögen sie die gewünschte Wirkung erzielen. So hat etwa der VXX im März über 20% an Wert gewonnen, als die Börsenkurse korrigierten. Aber lange darf man sie nicht halten. Es häufen sich erhebliche Rollverluste an, weil die Vix-Terminkurve im Normalfall in Contango ist. Das heisst, Futures mit langer Laufzeit sind tendenziell teurer als solche, die kurz vor dem Verfall stehen. Einfache Indizes und Produkte wie der VXX, die mechanisch vom VIX-Futures des nächsten Verfallsmonats in den darauffolgenden Monat wechseln, können daher auch bei stabiler Volatilität über 50% pro Jahr einbüssen.Ausgeklügeltere Indizes und Produkte versuchen, diese Rollverluste durch eine flexiblere Positionierung auf der Terminkurve zu minimieren, etwa der S&P 500 VIX Futures Enhanced Roll Index. Ihre Erfolgsbilanz ist aber ebenfalls bescheiden, weil der Vix-Index zur Rückkehr zum Mittelwert neigt. Hinzu kommt, dass das Volatilitätsniveau in den vergangenen Jahren allgemein gesunken ist. 7. Short-ETF Es gibt auch kotierte Fonds und Zertifikate, die an Wert gewinnen, wenn der breite Markt fällt. Sie tragen den Beinamen Short, Inverse, oder Bear und bilden die umgekehrte Performance des Index auf Tagesbasis mithilfe von Index-Swaps oder Futures synthetisch ab. Auch Short-ETF sind einfach zugänglich und erfordern kein spezielles Margin-Konto.Diese inversen ETF müssen jeden Tag das Portfolio ausbalancieren. Bei der Standardversion ohne Hebel (es gibt auch gehebelte Short-ETF) steigt der ETF 5%, wenn der Index 5% verliert. Umgekehrt fällt der Fonds 5%, wenn der Kurs an diesem Tag 5% steigt.Aber über einen längeren Zeitraum betrachtet entspricht der Short-ETF nicht dem Spiegelbild des Index, den er abbildet. Vor allem bei stark schwankenden Märkten schneidet der Short-ETF schwach ab. Denn der Zinseszins bei Verlusten wirkt sich stärker aus als bei Gewinnen.Das liegt an der Pfadabhängigkeit. Beim Prozentrechnen kommt es darauf an, in welcher Reihenfolge die Veränderung berechnet wird. Schliesslich sind 80 20% weniger als 100, aber 100 25% mehr als 80. Oder auf Kurse übertragen: Wenn eine Aktie 20% fällt, muss sie 25% steigen, um wieder beim Ausgangspunkt zu sein. Genau das ist der Nachteil von Short-ETF: Fällt der Index am ersten Tag 5%, gewinnt der Inverse-ETF 5%. Bei einer Investitionssumme von 1000 Fr., wäre er dann 1050 Fr. wert. Erholt sich der Markt tags drauf komplett wieder und steigt 5,26%, verliert der ETF 5,26%. Er notiert dann unter 1000 Fr (bei rund 995 Fr.) Short-ETF funktionieren nur zufriedenstellend, wenn der Index kontinuierlich abrutscht, ohne Gegenbewegungen. Das kommt in der Realität aber selten vor.Im schwierigen Börsenjahr 2022 zum Beispiel, als der Dax vor dem Hintergrund der Inflation und der Zinswende fast 20% einbüsste, machte der Short-Dax-ETF lediglich 2,6% gut.Ein Grund für die schwache Performance sind auch die Kosten: Short ETF verlangen nicht selten eine drei- bis fünfmal so hohe Gesamtkostenquote (TER) wie normale ETF. Auch deshalb ist von ihnen abzuraten.