Russlands Vizeaußenminister Rjabkow warnt vor einer zunehmenden Gefahr eines militärischen Zusammenstoßes mit der NATO: Der könne „katastrophale“ Folgen haben. Gleichzeitig kündigt Moskau ein groß angelegtes Manöver seiner Nuklearstreitkräfte an. Zehntausende Soldaten sollen darin eingebunden sein, auch der Verbündete Belarus, wo russische Atomwaffen stationiert sind.Nun hat es solche Manöver schon öfter gegeben, und besonders seit Beginn der offenen russischen Aggression gegen die Ukraine haben auch die politischen Begleittöne regelmäßig eine solche bedrohliche Note. Man wird also auch in diesem Fall gut daran tun, die Drohungen ernst zu nehmen, aber unaufgeregt einzuordnen.Mehrere AdressatenSie kommen in einer Zeit, in der die Vereinigten Staaten unter Präsident Trump die Glaubwürdigkeit der Abschreckung, die sie über die NATO jahrzehntelang gewährleisteten, erheblich erschüttert haben. Die Europäer, namentlich Deutschland, beginnen allmählich konkrete Konsequenzen aus der Erkenntnis zu ziehen, die schon lange in Sonntagsreden ventiliert wurde: dass wir selbst die Hauptlast unserer Verteidigung tragen müssen.Die Europäische Union hat bereits die Hauptlast der Unterstützung der Ukraine in ihrem existenziellen Verteidigungskampf gegen Russland übernommen. Russland hat in diesem Eroberungskrieg mehr Rückschläge als Erfolge zu verzeichnen.Und kurzfristig gesehen kommen die Muskelspiele unmittelbar vor einer Reise von Kremlchef Putin zu seinem wichtigsten Verbündeten und Rüstungslieferanten, China. Die Signale haben mehr als einen Adressaten.Den Verbündeten den Wert der NATO zeigenDas bedeutet nicht, dass man die Drohungen Moskaus achtlos über sich ergehen lassen sollte. Dafür hat das Regime Putins zu oft seinen aggressiven Charakter gezeigt und in die Tat umgesetzt. Sie müssen vor allem dazu aufrütteln, die Abschreckung auch mit nuklearen Waffen aufrechtzuerhalten. Der Rückhalt der Vereinigten Staaten ist dafür mindestens mittelfristig unentbehrlich. Ebenso die Kooperation mit Verbündeten wie der Türkei. Die ist an der Südostflanke der Allianz über das Schwarze Meer ein mittelbarer Nachbar Russlands.Deshalb ist es ein kluger Schritt, Washington den Wert des Bündnisses zu zeigen, etwa indem die US-Luftverteidigungskräfte in der Türkei durch Entsendung einer deutschen Patriot-Einheit entlastet werden. Innerhalb der NATO mag eine solche Entsendung eine Routinesache sein, zumal es laut Ankündigung von Verteidigungsminister Pistorius nur um einige Wochen geht. Aber nicht nur der Kreml kann Signale senden, die an mehrere Adressaten gerichtet sind, freundliche wie weniger freundliche.