In David Lowerys Gothic-Melodram „Mother Mary“ will sich ein Star ein neues Outfit zulegen. Der Horrorstreifen zeigt Pop als Maschine zur Herstellung von Identitäten.
Popstars sind vielleicht die letzten Heiligen, an die die Welt noch glaubt. Der Unterschied zu Religionen besteht nur darin, dass ihre Heiligen heute zugleich Opfer und Produkte ihrer eigenen Inszenierung sind. Anne Hathaway spielt in David Lowerys „Mother Mary“ eine Popmusikerin, die langsam vom eigenen Image heimgesucht wird.
Kurz vor ihrem großen Comeback-Auftritt bekommt Mary Zweifel. Besonders das maßgeschneiderte Outfit für ihre neue Show scheint plötzlich falsch. Ohne ihre Entourage aus Assistentinnen und Make-up-Artists zu informieren, fliegt sie spontan nach England in das abgelegene Haus der Modedesignerin Sam (Michaela Coel).
Von ihr möchte sie einen neuen Dress – oder vielleicht ein neues Selbst. Wie der Film nach und nach andeutet, hat Sam die öffentliche Figur des Popstars entscheidend miterschaffen. In wenigen Tagen soll Mary bei einem gigantischen Neujahrsauftritt ihre neue Single präsentieren.
Diese Ausgangslage verwandelt der US-Regisseur nach und nach in eine seltsame Mischung aus retrospektiver Paartherapie, Séance und Kreativmeeting am Rand des Nervenzusammenbruchs. Ein High-Fashion-Kammerspiel, das sich wie ein psychologisches Korsett immer enger zieht.













