Die Bundesregierung läutet die mehrheitliche Wiederprivatisierung des Energiekonzerns Uniper ein, der momentan zum allergrößten Teil verstaatlicht ist. In einer Anzeige, die das Bundesfinanzministerium am Dienstag in der Zeitung „Financial Times“ veröffentlicht hat, heißt es, der Bund prüfe unterschiedliche Trennungsoptionen einschließlich eines Börsengangs (Re-IPO) oder Verkaufs auf privaten Märkten (M&A). Interessenten könnten sich bis zum 12. Juni bei den koordinierenden Investmentbanken UBS und ‌JP Morgan melden. „Der Bund hat vor, 25 Prozent plus eine Aktie zu behalten“, steht in der Anzeige; der deutsche Staat will sich also eine Sperrminorität wahren.In dem anstehenden Verkaufsprozess geht es um kritische Energieinfrastruktur, aber auch um mögliche Milliarden für die Staatskasse. Uniper ist einer der größten Energieversorger Europas und Deutschlands größter Gashändler und hat rund 7000 Mitarbeiter. Das Unternehmen beliefert rund 1000 Stadtwerke und große Industrieunternehmen. In mehreren europäischen Ländern betreibt der Energieriese Kraftwerke. Sein Börsenwert liegt derzeit bei rund 18 Milliarden Euro.In der Gaskrise vom Staat gerettetDas Unternehmen war in der Gaskrise 2022 zu 99,12 Prozent verstaatlicht worden. Damals bewahrte der Bund Uniper mit einer Kapitalspritze in Höhe von 13,5 Milliarden Euro vor der Insolvenz. Unter anderem befürchtete die Regierung im Falle einer Pleite eine Kettenreaktion, die auch kleinere Versorger wie Stadtwerke hätte betreffen können. Die Reprivatisierung von mindestens 75 Prozent minus einer Aktie bis 2028 machte damals die EU-Kommission zur Auflage. Die Veräußerung der Anteile könnte jedenfalls einen Teil der Kosten der damaligen Verstaatlichung wieder einspielen; wie viel, ist aber naturgemäß offen.Es gebe durch die Zeitungsannonce keine Festlegung auf das Stattfinden oder den Zeitpunkt einer möglichen Transaktion, sagte eine Sprecherin des SPD-geführten Bundesfinanzministeriums. „Ebenso ist die Anzeige nicht mit einer Absage an eine oder mehrere Veräußerungen über den Kapitalmarkt verbunden. Ein Re-IPO bleibt weiterhin eine mögliche und gleichberechtigte Option.“ Der Bund achte im Verkaufsprozess darauf, „dass die Zukunftsfähigkeit des Gesamtunternehmens und damit die Versorgungssicherheit Deutschlands gewahrt bleibt“.Das Ministerium versichert, einer möglichen Zerschlagung des Unternehmens vorzubeugen: „Die EU-Verkaufsauflage würde durch eine Veräußerung von einzelnen Geschäftsteilen der Uniper nicht erfüllt“, so die Sprecherin. „Solche Verkäufe einzelner Vermögensgegenstände sind deshalb nicht Teil des Verkaufsprozesses.“Gewerkschafter favorisieren BörsengangDer Vorstandsvorsitzende von Uniper, Michael Lewis, sagte, das Unternehmen freue sich über die Ankündigung des Ministeriums. „Über Form und Zeitplan der Reprivatisierung entscheidet der Bund.“ Uniper sei mittlerweile „stabiler, resilienter und strategisch klarer aufgestellt“. Tatsächlich hat Uniper schon 3,1 Milliarden Euro an Staatshilfen wieder zurückgezahlt. Insgesamt war das Unternehmen nach der 2022er Gaskrise recht schnell wieder auf die Beine gekommen.Gewerkschafter sprechen sich vehement gegen einen außerbörslichen Verkauf aus. Die Chefs von Verdi, IGBCE und des Uniper-Betriebsrats hatten dazu vor etwa einem Jahr einen Brief an die Regierung geschrieben. Diese Position habe sich seither nicht geändert, sagte der Verdi-Fachgruppenleiter Energiewirtschaft, Rolf Wiegand, am Dienstag. Er bezeichnete Uniper als „essenziellen Pfeiler der Energieversorgung in Deutschland“. Die Arbeitnehmervertreter forderten daher „die Reprivatisierung im Rahmen eines erneuten Börsengangs“, wobei der Bund eine Sperrminorität von mindestens 25 Prozent plus einer Aktie behalten solle.