Als da kürzlich dieses Foto von Udo Lindenberg am Rechner aufgepoppt ist mit dem Hinweis „Aus aktuellem Anlass: ARD ändert das Programm“, sind viele sicher erst mal zusammengezuckt. Natürlich dachte man, jetzt hat es den alten Knacker zerrupft. Sorry für den Udo-Jargon und keine Panik: Der coole Typ mit dem Hut ist quietschlebendig, wie sich schnell aufklärte. Er reiht sich mit nun 80 Jahren als Jungspund ein in die Riege hyperaktiver Rockopas wie Bob Dylan (84), Paul McCartney (83), Mick Jagger und Keith Richards (beide 82). Letztere haben erst unlängst mit dem für Juli angekündigten neuen Album der Rolling Stones einen Coup gelandet.Die Rebellen von einst sind längst mit höchsten Ehren ausgezeichnet. Und doch sind sie auch als Sirs nie so richtig staatstragend oder gediegen rübergekommen. Unvergessen ist zum Beispiel, wie Udo Lindenberg schon 2004 im altehrwürdigen Kaisersaal des Römers den Frankfurter Musikpreis entgegennahm, dazu ein Live-Set gab, vorab in freundlich-nölendem Ton über die trockene Luft klagte und sich in Anwesenheit seiner kichernden Generationsgenossin Petra Roth, der damaligen Oberbürgermeisterin, „erst mal einen Eierlikör zum Gurgeln“ erbat.Ja, cool sind sie geblieben, die Rockopas, sich selbst treu, authentisch. Sie schauen sich offenbar nicht diese viralen Youtube-Videos an, in denen gezeigt wird: „Wie Männer über 60 sich auf keinen Fall kleiden sollten“. Empfohlen wird da zur Optimierung nämlich meistens ein Look, der eher dem ähnelt, wie ihn Erich Honecker in den Achtzigerjahren vor der Wende zu tragen pflegte. Das war, als der DDR-Staatsratsvorsitzende Udo Lindenberg eine Schalmei schenkte, das Instrument der Freien Deutschen Jugend (FDJ), und dieser ihm im Gegenzug eine Lederjacke überreichte. Wie man weiß, gelang es Udo nicht wirklich, „Honny“ als „alten Rocker“ zu vereinnahmen. Verdienste um die deutsche Einheit hat „uns Udo“ aber allemal.Dass Wundergreise seines Schlages ein Phänomen der unterhaltenden Musik seien, während in der klassischen die Wunderkinder vorherrschten, stimmt übrigens nicht. Herbert Blomstedt, der immer noch die berühmtesten Orchester der Welt dirigiert, wird am 11. Juli 99 Jahre alt und könnte mithin rechnerisch Udos Vater sein. Die Lederjacke allein bringt es also nicht: Auch Jopi Heesters trug gern Frack.
Udo Lindenberg reiht sich zu Rock-Opas wie Mick Jagger
Keine Panik: Udo lebt. Er hat sich nur eingereiht in die Achtziger-Riege mit Bob Dylan, Paul McCartney, Mick Jagger und Keith Richards.













