Der Mitarbeiter an der Rezeption des Crowne Plaza Frankfurt Congress Hotels klingt ziemlich genervt: „Ich hatte Nachtschicht und mache jetzt durch“, berichtet er am Dienstagmittag am Telefon. Viele seiner Kollegen beteiligten sich an einem von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) ausgerufenen Warnstreik. Er selbst, sagt der Mann am Telefon, habe davon erst um sechs Uhr morgens erfahren, als klar geworden sei, dass die für die Zubereitung des Hotelfrühstücks eingeteilten Kollegen nicht kämen. Die anwesenden Mitarbeiter hätten dann Kaffee gekocht und Brötchen, Butter und Marmelade hingestellt, aber eben kein volles Frühstücksbuffet. „Viele Gäste haben sich beschwert.“ Nun hoffe er, bald abgelöst zu werden.An dem Warnstreik beteiligten sich laut NGG auch Beschäftigte der Hotelketten Steigenberger, Dorint, Hilton, Maritim, Radisson, Sheraton und Motel One sowie die Accente Gastronomie GmbH der Messe Frankfurt und die am Flughafen aktive Gate Gourmet Lounge GmbH. So folgenreich wie im Crowne Plaza war der Ausstand offenbar nicht überall: Im Dorint Pallas Hotel Wiesbaden hieß es auf Anfrage, der Betrieb sei ganz normal weitergelaufen, „die Chefetage ist eingesprungen“. Und ein Sprecher der Messe Frankfurt teilte mit: „Alle relevanten Arbeitsbereiche sind ausreichend besetzt, sodass die Durchführung der Messe Imex sowie die gastronomische und logistische Versorgung auf dem Messegelände nicht beeinträchtigt werden.“Vor dem Messe-Haupteingang an der Festhalle demonstrierten am Vormittag allerdings einige Hundert Beschäftigte der bestreikten Hotels und Gastronomiebetriebe, anschließend zogen sie zum Gewerkschaftshaus im Bahnhofsviertel. Die Gewerkschaft NGG sprach von 400, die Polizei von etwa 250 Teilnehmern. Sie nahmen die Imex, eine Fachmesse für Konferenzveranstalter und Incentive-Reisen, zum Anlass, um ihren Forderungen in den laufenden Tarifverhandlungen Nachdruck zu verleihen.Auch Taxifahrer demonstrierenDie NGG fordert eine Erhöhung der Entgelte um 7,5 Prozent, außerdem für jeden Beschäftigten einen jährlichen „Gesundheitszuschuss“ von 300 Euro. Die Arbeitgeberseite biete bislang nur eine Entgelterhöhung von einem Prozent, und das über eine Laufzeit von 30 Monaten, kritisierte der NGG-Bundesvorsitzende Guido Zeitler auf der Kundgebung. Das reiche nicht aus, um die Inflation auszugleichen. In Hessen lag die Teuerungsrate im April bei 2,8 Prozent.Im Schnitt verdienten die nach Tarif bezahlten Gastronomiemitarbeiter in Hessen 3000 Euro brutto, es bestehe „Nachholbedarf“, sagte Zeitler. Zudem seien die Unternehmen durch die Senkung der Mehrwertsteuer auf in Gaststätten verzehrte Speisen entlastet worden.Der Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) Hessen hielt dem entgegen, die tariflichen Entgelte seien 2025 um 6,4 Prozent und seit 2021 insgesamt um 27 Prozent gestiegen. „Viele Betriebe kämpfen weiter mit massiv gestiegenen Kosten.“ Zudem träfen Streiks während der Imex „das internationale Ansehen des gesamten deutschen Gastgebertums“.Die Demonstration vor der Festhalle überschnitt sich mit einer Protestfahrt mehrerer Hundert Taxifahrer, die auch an der Messe vorbeiführte. Das Taxigewerbe sieht sich benachteiligt im Wettbewerb mit Unternehmen, die auf Vermittlung von Plattformen wie Uber Fahrgäste befördern.