Udo Knapp beschreibt einen langen Emanzipationsprozess seit 1968, in dem Frauen Rechte und Möglichkeiten erkämpften. Aber der Kampf von Männern gegen die feministische Bewegung nimmt wieder Fahrt auf.
taz FUTURZWEI | Im September 1968 hielt Hans-Jürgen Krahl auf der 23. Delegiertenkonferenz des SDS eine seiner herausfordernden Reden, die ihn als einen Vor-Denker der 68er auswiesen. Die Versammlung hatte sich zuvor geweigert, eine Rede von Helge Sander zu diskutieren, in der sie den SDS-Männern vorwarf, wie alle übrigen in der Gesellschaft, die Diskriminierung der Frauen zu ignorieren. Wenig später wurde die Tür aufgerissen, hereinkamen die SDS-Frauen, deren Verschwinden wir zuvor gar nicht bemerkt hatten.
An ihrer Spitze, hochschwanger, Sigrid Rüger. Sie marschierten durch den Saal, skandierten Parolen, Rüger bewarf Krahl mit Tomaten, dann verschwanden sie wieder. Im Saal irritierte Stille - bis Krahl, unbeirrt, seine Rede fortsetzte.
Das war das Signal für ein neue Frauenbewegung. An den Universitäten entstanden Weiberräte. 1971 folgte mit der Selbstbezichtigung von 374 Frauen - „Ich habe abgetrieben“ - im Stern die Kampagne gegen den Paragraphen 218. Sie endete im Juni 1976 mit dem Inkrafttreten des Indikationenmodells, nach dem Abtreibungen unter bestimmten Voraussetzungen straffrei waren.








