Der italienische Innenminister Matteo Piantedosi hat davor gewarnt, die Amokfahrt eines 31 Jahre alten Italieners marokkanischer Herkunft in der Innenstadt von Modena am Samstag als „Tat eines isolierten Einzeltäters abzutun“. Bei der Gewalttat von Salim El K. habe es sich „vielmehr um einen vorsätzlichen Angriff auf wehrlose Zivilisten gehandelt – eine absolut ernste Angelegenheit, die tiefgreifende Fragen zu sozialer Not, zu Integration und zur Identitätsfindung von manchen Migranten der zweiten Generationen aufwirft“, sagte der parteilose Minister der Mailänder Tageszeitung „Il Giornale“ vom Dienstag.Bei der Amokfahrt in einer Einkaufsstraße der verkehrsberuhigten Innenstadt von Modena waren am Samstagnachmittag acht Menschen zum Teil lebensgefährlich verletzt worden. Nachdem das Auto gegen eine Hauswand geprallt war, flüchtete der Täter mit einem Messer und verletzte damit eine weitere Person, ehe er von Passanten überwältigt werden konnte.Piantedosi bestätigte, dass der Sohn marokkanischer Einwanderer, der im Alter von 14 Jahren die italienische Staatsangehörigkeit erhalten hatte, in E-Mails an seine ehemalige Universität Beschimpfungen wie „christliche Bastarde“ und andere blasphemische Beleidigungen geäußert habe, ehe er sich später dafür entschuldigte. Nach den bisherigen Ermittlungen habe man jedoch „keine Anzeichen einer strukturierten islamistischen Radikalisierung“ feststellen können, sagte der Minister. Die Untersuchung der beschlagnahmten Smartphones und Computer des Amokfahrers dauerten an.Handelte er aus Wut auf die Gesellschaft?Nach Angaben von Piantedosi verfügt Italien „über eines der fortschrittlichsten Präventionssysteme Europas“, um Bedrohungen durch radikalisierte Einzeltäter zu begegnen. Es sei im konkreten Fall aber noch zu früh, um ein „endgültiges Persönlichkeitsbild“ von dem Amokfahrer zu erstellen und ein mögliches Versagen des Präventionssystems zu konstatieren. „Wenn jemand beschließt, ein Auto und ein Messer als Werkzeuge für Angriffe auf unschuldige Zivilisten einzusetzen, ist der Staat verpflichtet, umfassend zu untersuchen, wie dies geschehen konnte“, sagte der Minister.Auch wenn die Tat die Folge einer akut verschlechterten schizoiden Persönlichkeitsstörung gewesen sei, „wäre das Problem nicht weniger gravierend“, so der Minister. Italienische Medien berichteten unter Berufung auf erste Erkenntnisse der Ermittler, der nicht vorbestrafte Täter mit einem Hochschulabschluss in Betriebswirtschaft, der Ende 2024 eine psychiatrische Behandlung abgebrochen hatte, habe zuletzt keine Arbeit gefunden und womöglich aus Wut auf die Gesellschaft gehandelt.Unterdessen hat sich in der Mitte-rechts-Koalition von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni ein Streit zwischen den Vize-Regierungschefs Matteo Salvini von der rechtsnationalen Lega und Antonio Tajani von der christdemokratischen Forza Italia entzündet. Salvini bekräftigte die Forderung seiner Partei, schwer straffällig gewordene Migranten – auch der zweiten Generation, die bereits in Italien geboren wurden oder aufgewachsen sind – sollten nach sofortigem Entzug des Aufenthaltstitels in deren Herkunftsländer abgeschoben werden. Tajani wies den Vorschlag mit dem Argument zurück, bei dem Täter habe es sich um einen Italiener gehandelt, dem die Staatsangehörigkeit nicht umstandslos entzogen werden könne.