Sachbücher über Opfer: Schmerz und Handlungsmacht

Opferkult oder neue Härte? Zwei Sachbuchautorinnen betrachten aus verschiedenen Perspektiven den Umgang mit verwundbaren und verwundeten Menschen.

Systemische Gewalt lässt sich mit Solidarität beantworten

Hanna McKay/reuters

Opfererzählungen sind in aller Munde. Die von gesellschaftlichen Missständen, von Ausgrenzung und Unterdrückung Betroffenen erheben Anspruch auf Mitgefühl und Zustimmung. Nicht selten wird ihnen als Opfer eine moralische Überlegenheit zugeschrieben, nicht allein gegenüber dem Täter, sondern ebenso im Vergleich zum Publikum. In jüngster Zeit sind Opfererzählungen auch zunehmend Gegenstand von Kritik: Die Opferrolle werde übertrieben, missbräuchlich in Anspruch genommen, führe zu irriger Identitätspolitik. Das Opfer erfreut sich also eines breiten kulturellen Interesses. Im Abstand weniger Wochen sind zuletzt zwei Bücher erschienen, die das Thema aus unterschiedlichen Perspektiven angehen.