Maksym Timtschenko könnte ein müder, ausgelaugter Manager sein, aber er ist es nicht. In den vergangenen vier Jahren hat Timtschenko, Chef des ukrainischen Energieversorgers DTEK, 36 Blackouts erlebt. 36-mal brach die Stromversorgung zusammen, 36-mal mussten Leitungen repariert werden, 36-mal die Versorgung wieder hochgefahren werden. „Wir wissen, was das bedeutet“, sagt er. „Und unsere Leute müssen motiviert bleiben, es wieder und wieder zu tun.“ Zwischen 80 und 90 Prozent der Anlagen seien inzwischen viermal Ziele russischer Angriffe geworden. „Viermal haben wir sie repariert“, sagt Timtschenko. „Das kann man nicht in Seminaren lernen. Das ist Lebensalltag.“ Aber jetzt sei die Zeit gekommen, dass andere an den Erfahrungen teilhaben.Am Dienstag hatte das Auswärtige Amt zu einer Konferenz in Berlin eingeladen, es geht mal nicht darum, was Deutschland und andere für die Ukraine tun können, sondern – ähnlich wie bei der Herstellung von Drohnen – um das Gegenteil. „Putin sieht die Energieinfrastruktur als Ziel, er will die zivile Moral zerstören“, sagt Bundesaußenminister Johannes Wadephul (CDU). Schließlich hänge alles von Energie ab: öffentliche Ordnung, Gesundheit, Finanzsysteme. „Doch die Ukraine widersteht“, lobt Wadephul. Wie schaffen die das bloß?Denys Schmyhal (links), Energieminister der Ukraine, und Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) bei der Konferenz am Dienstag. Carsten Koall/dpaDenys Schmyhal ist nach Berlin gekommen, der stellvertretende Ministerpräsident und Energieminister der Ukraine. Es habe sich gezeigt, dass eine Infrastruktur anderen Logiken folgen sollte als nur ökonomischen. Lange habe die Ukraine auf große Kraftwerke gesetzt, sie erzeugten billigen Strom – sind aber auch leichte Ziele. „Das ist inzwischen durch ein System von Energiezellen ersetzt worden“, sagt Schmyhal und vergleicht es mit einer Honigwabe. „Jeder ist Konsument und auch Produzent.“ Zur Not könne so jeder im Inselbetrieb überleben – mit erneuerbarem Strom. Klingt schon fast nach Energiewende.Auch habe man sich angewöhnt, für dreifachen Ersatz zu sorgen. Falle eine Anlage nach einem Angriff aus, ein Trafo etwa oder eine Stromleitung, dann sei eine zweite in Reserve und die dritte schon bestellt. Wenn das Ziel sei, die Ukraine durch Angriffe auf die Infrastruktur zu destabilisieren, dann sei die Geschwindigkeit der Reparatur ein „strategischer Faktor“, sagt Schmyhal. Im Übrigen aber danke er Deutschland. Nicht nur für finanzielle Hilfe – Berlin ist größter Unterstützer eines Energiefonds für die Ukraine –, sondern auch wegen der zügigen Abkehr von russischen Energieimporten. „Deutschland ist ein perfektes Modell dafür“, sagt Schmyhal.Die Republik Moldau allerdings auch. „Vor fünf Jahren waren wir ein Lehrbuchbeispiel für Abhängigkeit“, sagt Außenminister Mihai Popșoi in Berlin. „Heute sind wir eins für Widerstandsfähigkeit.“ Innerhalb weniger Wochen sei das moldauische Stromnetz 2022 mit dem der EU synchronisiert worden – anstelle des einstigen Sowjet-Netzes. Drei Hochspannungsleitungen Richtung Rumänien seien in Bau, und an Bürger habe man „Öko-Gutscheine“ verteilt, damit die etwa auf sparsamere Heizungen umsteigen konnten. Er hätte, sagt Popșoi, nie damit gerechnet, dass das alles in fünf Jahren möglich wäre. „So etwas geht, wenn man mit dem Rücken zur Wand steht.“
Ukraine Energieversorgung: Wiederaufbau und Widerstand gegen Angriffe
Ukrainische Energieversorgung trotzt 36 Blackouts durch russische Angriffe. Neue Systeme mit erneuerbarer Energie und schnelle Reparaturen sichern Stabilität. Moldau synchronisiert Stromnetz mit EU und fördert Energieeffizienz.













