PfadnavigationHomePolitikDeutschlandEnttäuschte Erwartungen„Opfer seiner eigenen Ankündigungspolitik“ – Früherer CDU-Ministerpräsident Bouffier rügt MerzStand: 13:52 UhrLesedauer: 2 MinutenVolker BouffierQuelle: Martin U. K. Lengemann/WELTDer Wunsch nach „CDU pur“ habe Friedrich Merz ins Amt des Bundeskanzlers getragen, glaubt Ex-Ministerpräsident Volker Bouffier. Doch die Versprechung, alles neu und anders zu machen, habe Merz nicht halten können.Der ehemalige hessische Ministerpräsident Volker Bouffier hat das Erwartungsmanagement des CDU-Vorsitzenden und Bundeskanzlers Friedrich Merz kritisiert. „Friedrich Merz ist Opfer seiner eigenen Ankündigungspolitik“, sagte der CDU-Politiker der F.A.Z. „Es war ein Fehler, als CDU-Vorsitzender alles anders machen zu wollen. Es weckte einerseits Erwartungen bei seinen Anhängern, die nur enttäuscht werden konnten, andererseits wendeten sich jene ab, die die bisherige Regierungsarbeit der CDU schätzten.“Nach langer Zeit in Koalitionen und vielen Kompromissen habe es nach dem Abschied von Angela Merkel einen „Überdruck in der Partei“ gegeben, so Bouffier weiter. „Daraus entstand das Missverständnis: ‚CDU pur‘ ist die Verballhornung eines Wunsches nach programmatisch reiner Lehre. Das taugt aber nicht zum Regieren“, sagte Bouffier.Lesen Sie auchZum Selbstverständnis der CDU gehöre immer auch die Regierungsfähigkeit. „Wenn Sie ein Land führen wollen, müssen Sie kompromissfähig sein. Die Königsformel kann nicht sein, den eigenen Erfolg an der Umsetzung des Wahlprogrammes zu messen. Eine Partei, die das nicht versteht, ist am besten in der Opposition aufgehoben.“ Kompromisse gehörten dazu. Einen „Herbst der Reformen“ auszurufen, sei daher „zumindest fahrlässig“ gewesen.Dennis Radtke erinnert die CDU an den MarkenkernDer Vorsitzende der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft, Dennis Radtke, bekräftigte im Gespräch mit der F.A.Z. seine Kritik am Kurs der Parteiführung. Was im und nach dem Wahlkampf 2025 als „CDU pur“ verkauft worden sei, habe nicht einmal für 30 Prozent der Wählerstimmen gereicht, heute stehe die Union in Umfragen noch schlechter da, sagte der CDU-Politiker.Radtke erinnerte daran, dass zum Gründungsverständnis der Union zähle, dass sie auch, aber nicht nur konservativ sei. „Aber ihr Markenkern ist nicht das Konservative, sondern das christliche Menschenbild.“ Seit Jahrzehnten sei es das Erfolgsgeheimnis der CDU, dass sie unterschiedliche Sichtweisen wie jene ihrer CDA oder der Mittelstandsvereinigung MIT zusammenbringe. „Die Union ist von ihrem Selbstverständnis her eine Kompromissmaschine“, so Radtke.krott