Der Autozulieferer ZF fertigt auch in Zukunft Motoren und Wechselrichter für elektrische Antriebe, baut aber zusätzlich eine mittlere dreistellige Zahl von Arbeitsplätzen an den bayerischen Standorten Schweinfurt und Auerbach ab, um die Kosten für die Produktion der Komponenten zu senken. Das ist das Ergebnis einer mehrmonatigen Sonderprüfung, in der das Friedrichshafener Unternehmen analysiert hat, ob eine Eigenfertigung langfristig wettbewerbsfähig bleibt oder ein externer Zukauf dieser für die Elektromobilität wichtigen Schlüsselbauteile wirtschaftlicher wäre.„Die Entscheidung haben wir im Schulterschuss mit unserer Arbeitnehmervertretung getroffen“, sagt ZF-Chef Mathias Miedreich. Sie verlange aber „zwingend deutlich verbesserte Kostenstrukturen, um mit unseren elektrischen Antrieben wieder in die wirtschaftliche Erfolgsspur zu kommen und Beschäftigung langfristig zu sichern“. Wie viele Stellen genau wegfallen und in welchem Maße die beiden Standorte betroffen sind, gab ZF nicht bekannt. Betriebsbedingte Kündigungen will das Unternehmen vermeiden, diese könnten aber angesichts des herausfordernden Marktumfelds nicht vollständig ausgeschlossen werden.„Klares Bekenntnis zur elektrischen Zukunft von ZF“Sebastian Schmitt, Chef der Antriebssparte, nannte das Ergebnis ein „klares Bekenntnis zur elektrischen Zukunft von ZF“. Das Unternehmen investiere damit gezielt in die eigene Kompetenz und sichere die technologischen Schlüssel für kommende Antriebsgenerationen. „Wir brauchen die Komponenten sowohl bei unseren Hybrid-Getrieben, als auch bei unseren elektrischen Antriebssystemen“, sagte Schmitt der F.A.Z. „Und beide Systeme werden besser, wenn wir Motoren und Wechselrichter selber herstellen, als wenn wir sie zukaufen.“Zur Wahrheit gehöre aber auch: „Die bestehende Kostenlücke müssen wir schließen, um auf dem Weltmarkt zu bestehen. Voraussetzung ist, dass wir die Komponenten wettbewerbsfähig produzieren, dazu haben wir das Design verbessert, unsere Lieferantenstruktur optimiert und unsere Produktionsanlagen verändert.“ Hinzu kommt nach Angaben Schmitts ein Personalabbau an den Standorten Auerbach und Schweinfurt.Sonderprüfung ist Teil der BündnisvereinbarungDie Sonderprüfung ist Teil der Bündnisvereinbarung, in der sich Vorstand und Gesamtbetriebsrat im vergangenen Herbst auf die Restrukturierung der defizitären automobilen Antriebssparte geeinigt hatten. Zwar hatte ZF vom Plan Abstand genommen, die Antriebssparte ganz auszugliedern, um das Geschäft in einem Gemeinschaftsunternehmen mit einem Partner zu stabilisieren, aber gleichzeitig harte Einschnitte angekündigt.So gab ZF im vergangenen Oktober die Entwicklung von sogenannten On-Board-Chargern, Gleichspannungsrichtern und elektrischen Starrachsen auf und kündigte bis 2030 den Abbau von 7600 Stellen in der Antriebssparte an. Nun kommen noch einmal mehrere hundert Stellen hinzu. Wie viele dieser Arbeitsplätze schon in den bis zu 14.000 Stellen enthalten sind, die ZF nach einer Ankündigung von Juli 2024 bereits bis 2028 abbauen will, ist nach wie vor unklar.Endgültiges Ende der Ärä ScheiderWie Schmitt zudem erläuterte, will er in Zukunft in der Antriebssparte das Geschäft mit konventionellen Getríeben und Hybrid-Getrieben viel strikter vom Geschäft mit elektrischen Antriebssystemen trennen. „Wir werden einem Kunden keinen Elektromotor verkaufen, indem wir ihm einen Rabatt bei den konventionellen Betrieben anbieten. Das sind völlig verschiedene Geschäftsmodelle“, erläuterte er. Damit hebt ZF endgültig die strategischen Entscheidungen aus der Ära von ZF-Chef Wolf-Henning Scheider und des damaligen Sparten-Chefs Stephan von Schuckmann auf. Beide hatten Milliarden-Aufträge über elektrische Antriebssysteme bei Autoherstellern eingeworben und dafür hohe Rabatte auf konventionelle Getriebe gewährt. Als die Abrufzahlen für elektrische Komponenten ausblieben, schrieb ZF in beiden Bereichen Verluste, und die Antriebssparte stürzte in die roten Zahlen.Konzentrieren soll sich die Antriebssparte in Zukunft vor allem auf das im vergangenen Jahr vorgestellte Thermomanagementsystem sowie auf den Nachfolger des Acht-Gang-Hybridgetriebes 8HP. Die Mitarbeiterzahl der Antriebssparte sinkt mit den Entscheidungen um mehr als ein Drittel: ZF beschäftigt in dem Bereich knapp 30.000 Menschen, davon mehr als 20.000 in Deutschland. Größte Standorte sind Saarbrücken und Schweinfurt. Die Kosten in dem Bereich sollen auf diese Weise bis 2027 um eine halbe Milliarde Euro im Jahr sinken. Nach Angaben Schmitts ist die Antriebssparte zurzeit in den schwarzen Zahlen und wird nach aktuellen Planungen auch im Gesamtjahr 2026 Gewinne erwirtschaften.Die Sonderprüfung über die weitere Fertigung der elektrischen Motoren und Wechselrichter, die wesentlich länger als geplant gedauert hatte, war nach Unternehmensangaben breit angelegt: Neben wirtschaftlichen und finanziellen Kriterien seien auch strategische Aspekte wie technologische Souveränität, Know-how-Sicherung, Lieferkettenstabilität sowie geopolitische Risiken in die Bewertung eingeflossen. Die Analysen habe man in einem paritätisch besetzten Bewertungsausschuss aus Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertretern diskutiert und eine Empfehlung für die Eigenfertigung abgegeben, die der Vorstand nun bestätigt hat.„Eines dürfen wir nicht vergessen: Im vergangenen Sommer standen beide Produkte auf ,Buy‘, was einen gewaltigen Arbeitsplatzabbau und den Verlust von Kompetenz bedeutet hätte“, sagt der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Achim Dietrich. „Mit dem Bündnis E-Division und einer starken, solidarischen Belegschaft im Rücken haben wir es geschafft, dass diese Entscheidung noch einmal überprüft – und geändert – wird.“Die Restrukturierungsaufwendungen hatten ZF im vergangenen Jahr tief in die roten Zahlen getrieben. Insgesamt summierten sich die Kosten für die Anpassung der Strukturen 2025 auf 1,6 Milliarden Euro. Durch die notwendigen Abschreibungen hat sich der Nettoverlust des Unternehmens mehr als verdoppelt. Er stieg von 1,059 Milliarden Euro 2024 auf 2,147 Milliarden Euro. Positiv wirkten sich die Sparprogramme auf das operative Geschäft aus. Der bereinigte operative Gewinn (Ebit) stieg 2025 um 19 Prozent auf 1,748 Milliarden Euro, was bei einem um 6,3 Prozent auf 38,8 Milliarden Euro gesunkenen Umsatz einer operativen Umsatzrendite von 4,5 Prozent entspricht.
ZF fertigt weiter Elektromotoren – baut jedoch weitere Stellen ab
Der Zulieferer kommt in der Restrukturierung seiner Antriebssparte voran. Trotzdem fallen mehrere hundert Stellen in Bayern weg – und betriebsbedingte Kündigungen sind nicht ausgeschlossen.








