Wenn Thomas Feda ins Plaudern kommt, dann entwickelt der Geschäftsführer der Tourismus- und Congressgesellschaft Frankfurt (TCF) gerne mal, vor allem im Zwiegespräch mit seiner Pressesprecherin Ines Philipp, eine Vision. „Eine Art Fanmarsch vom Römer aus in den Wald, angeführt von 4000 Mitarbeitern der Stadtverwaltung und dem OB mittendrin. Das wäre was nach unserem Geschmack“, sagt er. „Wir nennen den dann Lieschen-Marsch.“Das Ziel wäre der Wäldchestag, der Marsch würde entlang der stillgelegten Schienen des Lieschens führen, jener Sonderlinie, die bis 2013 die Frankfurter an das Festgelände im Wald gefahren hat. Heutzutage gibt es nur noch die normalen Straßenbahnen zum Oberforsthaus, in einer lädt am nächsten Dienstag auch Oberbürgermeister Mike Josef (SPD) zur Mitfahrt ein, wenn er seinen Nachmittag zwischen Riesenrad, Achterbahn und Bäumen mit dem Klingeln der Straßenbahn einläutet, ehe es nach einem gemeinsamen Essen mit Stadtverordneten zum Magistratsschießen ins Schützenhaus geht.Josef gilt als nicht nur pflichtbewusster, sondern auch überzeugter Traditionswahrer. In den vergangenen Jahren wurde er stets auch an mindestens einem weiteren der vier vorangehenden Festtage im Wald angetroffen in Begleitung seiner Frau und Kinder, die sich bestens vergnügten.Hohle Gassen: Der Wäldchestag bietet besondere Ansichten.Stefan NielandZurück zu den WurzelnDoch gerade der Wäldchestag selbst ist weiterhin ein Sorgenkind. Die TCF kämpft als Veranstalter mit ihrer Aktion „Zurück zu den Wurzeln“ seit Jahren darum, dass die Kultur des dienstfreien Dienstagnachmittags wieder besser gepflegt wird. Lange vorbei sind die Zeiten, in denen jedes halbwegs in Frankfurt verwurzelte Unternehmen seine Mitarbeiter am Dienstagnachmittag freistellte, damit diese im Kreis der Kollegen in den Wald ziehen können. Heutzutage nimmt das Leben in der Stadt am „Frankfurter Nationalfeiertag“ ganz normal seinen arbeitsreichen Lauf. Und selbst viele heranwachsende Einheimische kennen das wohl frankfurterischste aller Frankfurter Volksfeste gar nicht mehr, wenn die Familientradition, an einem bestimmten Tag gemeinsam mit Oma und Opa in den Wald zu ziehen, einmal abgerissen ist.„Aber wir sehen erste Erfolge“, sagt TCF-Sprecherin Philipp, die in diesem Jahr erfreut die Premiere von Maskottchen Waldtraut verkünden kann. „Man sieht am Dienstag vermehrt Besucher in Arbeitskleidung, in Poloshirts der Firmen. Wir kriegen mittlerweile Anfragen, ob es für Firmen wieder Angebote gibt.“ Das zarte Pflänzchen wachse auch in diesem Jahr weiter.Und dieses Bild passt zur Situation des Wäldchestags. Auch der Wald ist hier, an seinem zur Mörfelder Landstraße gelegenen Rand, ein zartes Naturgeschöpf. Die Fläche ist ausgewiesen als Festgelände und spätestens die kürzlich verkündete Aufnahme des Schaustellertums in die deutsche Liste des Immateriellen Kulturerbes stärkt den Fortbestand des in Deutschland einzigartigen Waldfestes mit seiner jahrhundertealten Tradition, die bis ins Mittelalter zurückreicht und seit dem 19. Jahrhundert Volksfestcharakter angenommen hat.„Wir gehen in Absprache mit dem zuständigen Förster so fürsorglich mit dem Wald um, wie es nur irgendwie geht“, sagt Feda. „Jeder weiß um den Wert des Waldes an sich, aber auch für das Fest. Deshalb käme kein Standbetreiber auf die Idee, auch nur einen Ast abzuknicken ohne Rücksprache oder gar einen Nagel in die Rinde zu hauen.“Ein bisschen wirkt es bisweilen, als ob die Branche selbst als Traditions- und Naturpfleger tätig und das Geschäftliche zur Nebensache geworden ist. Aber dem widerspricht nicht nur Feda, wenn er auf mit dem Laserzähler erhobene Besucherzahlen von bis zu 150.000 Menschen verweist.Auch Thomas Roie vom Schaustellerverband Frankfurt/Rhein-Main spricht von einem nach wie vor rentablen Fest, dazu habe auch die Ausweitung um den Freitag beigetragen, an dem der Wäldchestag seit 2023 um 17 Uhr eröffnet wird. „Wenn es wirtschaftlich nicht funktionieren würde, dann hätten wir beispielsweise eine logistisch extrem herausfordernde Attraktion wie das Riesenrad nicht hier“, sagt Roie.Der Zauber des Waldes: Zwischen den Baumstämmen dreht sich das Kettenkarussell, das Riesenrad erhebt sich durch die Wipfel.Stefan NielandJahr für Jahr setzt die Münchner Schaustellerfamilie Willenborg tagelang in Millimeterarbeit eines ihrer Exemplare zwischen die Bäume, um den Besuchern eine ungewöhnliche Fahrt durch die Wipfel bis hinauf zu einem einzigartigen Blick auf die Skyline zu ermöglichen.Ein besonderes Highlight: Das Skyline-Foto aus dem Riesenrad gehört wie für die beiden Besucher zwingend zum Wäldchestag dazu.Stefan NielandDie Fahrt ist laut Roie Pflichtprogramm auch bei den Betriebsausflügen am Dienstag. „Wir spüren, dass die Betriebe das wieder mehr wertschätzen durch die Aktivitäten der TCF“, sagt er. „Die merken, wie gut es dem Betriebsklima tut, wenn man einen Nachmittag zusammen da rausgeht. Ein Angebot vor Ort ist da interessanter und günstiger als ein Trip in ein Wellnesshotel im Schwarzwald oder nach Mallorca.“WäldchestagDer Wäldchestag beginnt Freitag um 17 Uhr, an den Folgetagen jeweils um 12 Uhr. An den Tagen bis Pfingstsonntag ist jeweils bis ein Uhr nachts geöffnet. Pfingstmontag und am Wäldchestag selbst ist um Mitternacht Schluss. Am besten zu erreichen ist das Gelände mit Bussen und Straßenbahnen zur Haltestelle Oberforsthaus. Die Parksituation ist ohnehin prekär, durch die Metallica-Konzerte im Waldstadion am Freitag und Sonntag aber auch noch zusätzlich erschwert.