Nach zwei Verhandlungstagen ist die Anklage immer noch nicht verlesen: Beim Prozess gegen fünf pro-palästinensische Aktivist:innen, die eine israelische Rüstungsfirma sabotiert haben sollen, herrschen vor dem Stuttgarter Landgericht chaotische Zustände. Das Publikum provoziert – und die Vorsitzende Richterin schafft es nicht, das Verfahren souverän zu leiten. Ein Kommentar.
Der Sitzungssaal in Stuttgart-Stammheim ist voll. Anwesend sind unter anderem die fünf Angeklagten und ihre elf Anwältinnen und Anwälte, die Richterbank mit der Vorsitzenden, Beisitzer, Schöffen, eine Protokollführerin, der Generalstaatsanwalt, zwei Dolmetscherinnen, 14 Wachtmeister, jeder Platz im Publikum ist belegt, das Medieninteresse ist groß. Gemessen an dem Aufwand, den so ein Verhandlungstag bedeutet, sind die vorzeigbaren Resultate nach zwei Sitzungen absolut lächerlich: Es ist mit Ach und Krach gelungen, die Anwesenheit der Beschuldigten festzustellen, am zweiten Verhandlungstag konnten nun auch die Personalien der Angeklagten aufgenommen werden.
Das überhaupt als Erkenntnisgewinn auszulegen, ist schon gewagt: Denn einerseits muss ein Gericht selbstverständlich darauf achten, dass Abläufe formell korrekt sind – aber dass die Anwesenden da sind, ist auf Anhieb ersichtlich und um wen es sich handelt, seit geraumer Zeit öffentlich bekannt: Daniel Tatlow-Devally, 33 Jahre alt, irischer Staatsbürger, gelernter Informatiker; Walter Tricks, 25, Brite, kein erlernter Beruf; Leandra Rollo Valenzuela, 40, Spanierin, kein erlernter Beruf; Hanna Hailu, 25, non-binär, britische:r Staatsbürger:in, studiert Migration Studies; und Vivien Kovarbasic, 29, non-binär, deutsch, Tanz- und Performance-Künstler:in.











