Mobilmachung in den Emiraten? Washington drängt Abu Dhabi zu stärkerer Beteiligung am Krieg gegen IranDie USA wollen offenbar, dass die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) eine aktivere Rolle im Kampf gegen das iranische Regime spielen. Wie realistisch ist der Einsatz von Bodentruppen der Emirate?19.05.2026, 05.33 Uhr4 LeseminutenDas Atomkraftwerk Barakah in den VAE wurde am Wochenende angegriffen. Die Emirate sprechen von einer «gefährlichen Eskalation».Arun Girija / APRaketeneinschläge, Drohnenangriffe, zerstörte Infrastruktur: Seit Beginn des Iran-Kriegs sind die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) das bevorzugte Ziel iranischer Attacken. Kein anderer Golfstaat musste bislang so vielen und so heftigen Angriffen standhalten. Den jüngsten Angriff auf das Atomkraftwerk Barakah westlich von Abu Dhabi am Wochenende bezeichnete das Aussenministerium der VAE als eine «gefährliche Eskalation» und einen «inakzeptablen Akt der Aggression». Mit Vergeltungsangriffen hat sich Abu Dhabi bislang jedoch stark zurückgehalten. Zu stark, meinen Donald Trump und seine Vertrauten.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Vertreter der amerikanischen Regierung haben die VAE nach einem Bericht des britischen «Telegraph» dazu gedrängt, sich stärker am Krieg gegen Iran zu beteiligen und eine der iranischen Inseln im Persischen Golf einzunehmen. Personen aus dem Umfeld des amerikanischen Präsidenten schlugen den Emiraten gemäss dem Bericht vor, die für den Ölexport strategisch wichtige Insel Lavan zu besetzen. Lavan soll bereits Anfang April bei geheimen Militärschlägen Abu Dhabis bombardiert worden sein. Diese Angriffe wurden in der vergangenen Woche publik, von den Emiraten aber bislang nicht bestätigt.Kleine Armee, grosse SchlagkraftMit etwa 65 000 Soldaten gehört die Armee der VAE zu den kleineren im Nahen Osten. Zwar sind die Luftwaffe, die Spezialkräfte und die Präsidentengarde besonders schlagkräftig. Doch das iranische Regime verfügt über zehnmal mehr Soldaten als die VAE. «Eine offene Beteiligung der Emirate am Krieg ist durchaus möglich», sagt Guido Steinberg, Islamwissenschafter von der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin. «Allerdings ist ein Eingreifen der Emirate nur im Verbund mit den USA vorstellbar.»Seit Beginn des Iran-Kriegs hat Donald Trump den Einsatz von Bodentruppen immer wieder ins Gespräch gebracht. Doch der amerikanische Präsident weiss, dass er damit erhebliche militärische und politische Risiken eingehen würde. Beobachter vergleichen das Szenario in Iran mit den Erfahrungen der USA im Irak und in Afghanistan. Die Bedingungen in Iran dürften allerdings noch schwieriger sein: Iran ist flächenmässig fast viermal so gross wie der Irak, hat etwa doppelt so viele Einwohner wie das Nachbarland, ist gebirgig und hat sich militärisch auf asymmetrische Kriegsführung vorbereitet.Soldaten der VAE während eines Manövers im Jahr 2022.Satish Kumar / ReutersErfahrung aus dem Krieg gegen die HuthiDas Interesse der Emirate, sich offen gegen Iran zu verteidigen, ist wegen der anhaltenden Angriffe in den vergangenen Wochen gewachsen. Sollten die VAE der amerikanischen Forderung Folge leisten, würden sie ihre Bodentruppen nicht zum ersten Mal im Ausland einsetzen. Bereits im Krieg gegen die jemenitischen Huthi sammelten die Spezialkräfte der Emirate in einer internationalen Militärkoalition unter saudischer Führung Erfahrung mit Landungsoperationen. «Besonders eindrucksvoll war die Einnahme von Aden 2015», sagt Steinberg.In den folgenden vier Jahren kämpften die Truppen der Emirate Seite an Seite mit den Saudi. Mittlerweile gehen die beiden einflussreichsten Golfstaaten aber immer stärker getrennte Wege. Gegen die Huthi-Miliz aus dem äussersten Norden des Landes, die von Iran unterstützt wird, hatte die Militärkoalition nicht viel ausrichten können. Seit 2022 gilt in Jemen jedoch ein informeller Waffenstillstand, der mithilfe einer Annäherung zwischen Saudiarabien und Iran zustande gekommen war.Neue Allianzen im Kampf gegen IranAbu Dhabi hat seine Truppen in Jemen mittlerweile weitgehend reduziert und setzte jüngst vor allem auf lokale verbündete Milizen. Dazu gehörte bis vor wenigen Monaten auch das Southern Transitional Council (STC). Die politische Bewegung und Miliz will, dass sich der Süden vom Rest Jemens lossagt. Das STC erhielt in den vergangenen Jahren Unterstützung von den Emiraten. Doch seit Jahresbeginn ist auch diese Allianz zerbrochen.Anfang Mai beschloss Abu Dhabi, auch die Opec zu verlassen, also die von Saudiarabien dominierte Gruppe grosser Ölförderländer. Dafür intensivieren die VAE ihre Beziehungen zu den USA und Israel. Für den saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman, den Hüter der heiligen Stätten von Mekka und Medina, kommt eine Annäherung an Israel hingegen nicht infrage. Der autoritäre Herrscher muss auf die propalästinensische Stimmung seiner Bevölkerung Rücksicht nehmen.Mit den Abraham-Abkommen 2020 hat sich Abu Dhabi offiziell Israel angenähert. Gut möglich also, dass die Emirate nun noch einen Schritt weitergehen und sich offen am Krieg gegen Iran beteiligen. «Eine Einnahme einzelner Inseln von der See oder aus der Luft ist den Truppen der Emirate ohne weiteres möglich», sagt der Nahostexperte Steinberg. «In dem Fall müssten sie aber anschliessend auch von den USA vor iranischen Raketen und Drohnen geschützt werden.» Ein entsprechendes Abkommen könnte für die Emirate durchaus interessant sein, um ihr Wirtschaftsmodell aufrechtzuerhalten, das auf Sicherheit und Stabilität in der Region basiert. Eine offizielle Antwort aus Abu Dhabi auf den amerikanischen Vorstoss steht allerdings noch aus.Passend zum Artikel
USA drängen Abu Dhabi: Werden die VAE Bodentruppen gegen Iran einsetzen?
Die USA wollen offenbar, dass die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) eine aktivere Rolle im Kampf gegen das iranische Regime spielen. Wie realistisch ist der Einsatz von Bodentruppen der Emirate?















