Die schwarz-rote Koalition will sich in den kommenden Wochen in Brüssel dafür einsetzen, das Verbrenner-Aus weiter aufzuweichen. Das hatten die Spitzen von Union und SPD im April bei einem Koalitionsausschuss beschlossen. Die sogenannten CO₂-Flottengrenzwerte sollen entschärft und Plug-in-Hybride geschützt werden. Nun zeigt eine Studie der Umweltorganisation Transport & Environment (T&E), welche Folgen das hätte. Die gravierendste: Würde sich die deutsche Position in Brüssel durchsetzen, dürfte das den Verkauf von E-Autos dramatisch verlangsamen.Den Berechnungen von T&E zufolge könnte der Anteil von E-Autos an den Gesamtverkäufen im Jahr 2035 auf nur noch 53 bis 76 Prozent sinken – statt jener 85 Prozent, die der Europäischen Kommission vorschweben und die bereits eine Abschwächung der ursprünglichen Regelung sind, die für 2035 eigentlich einen Anteil von 100 Prozent vorgesehen hatte. Schon im Jahr 2035 würde die E-Auto-Quote demnach auf 29 bis 43 Prozent sinken; die EU-Kommission strebt eigentlich 47 Prozent an. Aktuell steigen die Absatzzahlen von E-Autos in Deutschland gleichwohl noch.Geht es nach CDU, CSU und SPD, sollen Autos mit Verbrennungsmotor, die ausschließlich mit erneuerbaren Kraftstoffen betrieben werden, künftig als sogenannte „Nullemissionsfahrzeuge“ gelten, um sie bei den Flottengrenzwerten zu bevorzugen. Um Plug-in-Hybride und Fahrzeuge mit sogenannten „Range Extendern“ zu schützen, soll zudem der sogenannte „Utility Factor“ ausgesetzt werden: Er zeigt an, in welchem Maße Plug-in-Hybride wirklich zum Erreichen der Klima- und Flottenziele der Hersteller beitragen. Beides würde den Absatz reiner E-Autos nach der Analyse von T&E deutlich bremsen.Und es hätte demnach noch einen weiteren Effekt: Zwischen 2026 und 2035 müsste allein Deutschland zusätzliches Öl im Wert von sieben bis 15 Milliarden Euro importieren, eben weil weniger E-Autos im Einsatz wären. Im Gegensatz dazu würden laut T&E die aktuellen CO₂-Flottengrenzwerte, die die Regierung ablehnt, im gleichen Zeitraum Einsparungen in Höhe von etwa 570 Millionen Barrel ermöglichen. Der deutsche Vorschlag würde mindestens 85 Millionen Barrel davon wieder zunichtemachen.„Wir erleben die größte Ölkrise seit 50 Jahren, doch anstatt den Verbrauch zu senken, würden die Vorschläge der Bundesregierung zu Milliarden an Mehrausgaben für zusätzliche Ölimporte führen“, sagt T&E-Deutschland-Geschäftsführer Sebastian Bock. Statt den EU-weiten Hochlauf von E-Autos zu fördern, setze sich Merz lieber für mehr Verbrenner in Brüssel ein. „Damit folgt er den lauten Forderungen des Koalitionspartners aus Bayern, nicht dem Trend am Weltmarkt“, so Bock. Auf diese Weise werde China im Wettlauf um die besten Technologien immer weiter enteilen.Ausgerechnet am Dienstag startet die neue E-Auto-FörderungHinzu komme, dass die Folgen für das Klima beträchtlich wären, rechnet die Umweltorganisation vor: Demnach würde der CO₂-Ausstoß europäischer Fahrzeuge zwischen 2025 und 2050 um 1,1 bis 2,2 Milliarden Tonnen ansteigen. Das ist das Doppelte bis das Vierfache dessen, was die gesamte deutsche Volkswirtschaft pro Jahr emittiert.Besonders fraglich sind die Pläne der Bundesregierung zudem vor dem Hintergrund, dass am Dienstag die neue staatliche Förderung für Elektroautos startet. Das entsprechende Portal, über das der Zuschuss in Höhe von 1500 bis 6000 Euro – je nach Einkommen und Haushaltsgröße – beantragt werden kann, soll noch im Laufe des Montags freigeschaltet werden, teilte das Umweltministerium mit. Förderfähig sind sowohl reine Elektroautos als auch Hybridfahrzeuge, die seit dem 1. Januar 2026 neu zugelassen wurden. Die E-Auto-Prämie gilt also auch rückwirkend. Ob man das entsprechende Fahrzeug kauft oder least, ist dabei egal. Wer die Förderung in Anspruch nehmen will, muss das entsprechende Auto anschließend lediglich für mindestens drei Jahre auch nutzen.
Verbrenner-Aus: Pläne der Regierung würden E-Mobilität ausbremsen
Union und SPD wollen das Verbrenner-Aus aufweichen. Das würde nicht nur den Hochlauf der Elektromobilität verlangsamen - sondern auch teuer werden.






