Unter beispiellosen Sicherheitsvorkehrungen hat am Montag in Marseille der Strafprozess gegen den mutmaßlichen Chef des sogenannten Yoda-Clans, Félix Bingui, begonnen. Der 35 Jahre alte Mann mit französischem und kamerunischem Pass muss sich wegen Rauschgifthandel, Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung und Geldwäsche vor Gericht verantworten. Jahrelang soll er in der Marseiller Siedlung La Paternelle den Rauschgiftverkauf für Leute aus der ganzen Stadt organisiert haben.Als die Ermittlungen 2021 begonnen, war Bingui der „unbestrittene Anführer“ eines äußerst lukrativen Netzwerks, heißt es in der Anklageschrift. Die Gewinne aus dem Drogengeschäft konnte die Polizei größtenteils zurückverfolgen. Bingui hat sich in Dubai eine Luxusvilla mit Pool im Wert von etwa zwei Millionen Euro, eine zweite Villa im Wert von 900.000 Euro und eine Wohnung gekauft. Zudem erwarb er Pizzerien und Geschäfte in Marseille.Die Polizei filmte seit Mai 2022 den Erfolg der zentralen „Verkaufsstelle“, die in der Nähe einer Autobahnausfahrt im Norden von Marseille gelegen war. In der Anklageschrift heißt es, „etwa alle 30 Sekunden erschien ein Kunde an der Verkaufsstelle“. Diese sei „mit fast militärischer Disziplin“ überwacht und vor der Polizei geschützt worden. Auf einem Parkplatz wurden die wartenden Autos „abgefertigt“. Späher filterten den Zugang der Anwohner.Es wurden regelmäßig Holzpaletten geliefert, um nach Einbruch der Dunkelheit Feuer zu entzünden und den Umschlagplatz zu beleuchten. Yoda-Chef Bingui soll zudem ein Team an Kurierfahrern und „Logistikmitarbeitern“ am Laufen gehalten haben. Der Chef mit dem Spitznamen „Die Katze“ („le chat“) kontrollierte von Marbella oder Dubai aus das Geschäft. Wenn er mal nach Marseille kam, stieg er in den besten Hotels der Stadt ab.In Casablanca festgenommenDoch im März 2024 wurde der mit einem internationalen Haftbefehl gesuchte Bingui in Casablanca festgenommen und 2025 an Frankreich ausgeliefert. Er sitzt in einem Hochsicherheitstrakt ein, der eigens für Drogenkriminelle geschaffen wurde. Mit ihm sind 19 weitere Verdächtige angeklagt. Die hohen Sicherheitsvorkehrungen sind nicht nur der Fluchtgefahr geschuldet. Es besteht auch die Befürchtung, dass konkurrierende Drogenbanden ihm nach dem Leben trachten könnten.Schlagzeilen schrieb der Yoda-Clan, als 2023 ein skrupelloser Revierkampf mit einer anderen Rauschgiftbande in Marseille, der DZ-Mafia, ausbrach. Im Jahr 2023 kamen dabei 49 Menschen ums Leben, 118 wurden verletzt. Inzwischen dominiert DZ-Mafia den Rauschgifthandel in der Hafenstadt.Der Yoda-Clan verdankt seinen Namen einer Figur aus der Star-Wars-Saga, Meister Yoda. Im Sozialbauviertel Paternelle, das für algerische Gastarbeiter gebaut wurde, prangte lange ein Yoda-Graffiti. Es ist inzwischen entfernt. Doch den Drogenhandel hat die Polizei nicht ausmerzen können. Nicht nur in Marseille, auch in Nizza, Nîmes oder kürzlich in Nantes werden immer wieder Unbeteiligte Opfer des Bandenkriegs. Hintergrund ist auch der verstärkte Kampf gegen Rauschgiftkriminalität in den Vereinigten Staaten. Ein Großteil der Ware gelangt deshalb nach Europa.Die Hafenstadt Marseille gilt seit vielen Jahren als Hochburg der Drogenkriminalität. Heute sind es überwiegend die Nachfahren von Einwanderern aus dem Maghreb, die das Geschäft betreiben. Sie handeln vor allem mit Kokain, das aus Südamerika kommt. Aber auch das Geschäft mit Haschisch floriert.