Der japanische Chiphersteller Kioxia dürfte gerade eine der erfolgreichsten Börsengeschichten Asiens aus der jüngeren Vergangenheit schreiben. Die Investmentgesellschaft Bain Capital hatte die Speicherchipsparte des Elektronikkonzerns Toshiba im Jahr 2018 übernommen, die Kapazitäten und die Profitabilität ausgebaut und im Dezember 2024 unter dem neuen Namen zu einem Aktienkurs von etwa 1700 Yen an die Börse gebracht. Aktuell, gut eineinhalb Jahre später, wird die Aktie zu 44.500 Yen an der Tokioter Börse gehandelt. Allein seit dem Jahresbeginn hat sich der Kurs fast verfünffacht.Kioxia gilt als Nummer drei am Markt für sogenannte NAND-Flash-Speicherchips hinter den Koreanern Samsung Electronics und SK Hynix. Der weltweite Boom der Künstlichen Intelligenz hat auf dem Markt das Angebot knapp werden und die Preise kräftig anziehen lassen. Von alledem profitiert Kioxia. Das Unternehmen hat gerade für das im März abgelaufene Geschäftsjahr eine Verdoppelung seines Nettogewinns vermeldet und erwartet im aktuell laufenden Quartal fast einen fünfzigmal so hohen Nettogewinn wie im Vorjahreszeitraum. Die Anleger sind begeistert und haben den Börsenneuling mit seiner derzeitigen Marktkapitalisierung von 24,3 Billionen Yen (131 Milliarden Euro) innerhalb weniger Monate in die Top Five der größten japanischen Aktiengesellschaften katapultiert. Traditionskonzerne wie Sony und Hitachi hat Kioxia bereits hinter sich gelassen.Kursplus von 270 ProzentDer Chipkonzern steht damit beispielhaft für die schon seit einiger Zeit fortdauernde Hausse an der japanischen Börse, die zum großen Teil von der Technologiebranche getragen wird. So konnten innerhalb eines Jahres auch die Zulieferer der Halbleiterindustrie Tokyo Electron (plus 114 Prozent), Advantest (plus 270 Prozent) und Lasertec (plus 174 Prozent) ihren Börsenwert in die Höhe schrauben. Unterm Strich hat der Leitindex Nikkei 225 allein in den vergangenen zwölf Monaten um 60 Prozent zugelegt. Zum Vergleich: Der deutsche Dax trat im gleichen Zeitraum auf der Stelle, der amerikanische Index S&P 500 verbesserte sich um 25 Prozent.Naomi Fink, Chefstrategin der japanischen Anlagegesellschaft Amova sieht die Börsenrally in Japan vor allem als Folge des weltweiten Booms bei den Halbleiterinvestitionen. Der günstige Yen, den viele Marktbeobachter als Grund für die Hausse vorbringen, sieht sie dagegen eher als „schwachen Verstärker“. Viele japanische Unternehmen investierten zwar nachhaltig und produktivitätssteigernd in Technologie. „Diese Investitionen wirken jedoch nur langsam. Überstrahlt werden sie vom globalen Investitionsboom“, sagt sie. Dabei könne es zwar immer wieder Schwankungen geben, „doch diese positiven Faktoren dürften dazu führen, dass der langfristige Aufwärtstrend am Aktienmarkt anhält“.Irankrieg könnte zu Produktionsausfällen führenDass der Inselstaat in Fernost in hohem Maße von Energie- und anderen Rohstofflieferungen aus der Golfregion abhängig ist, scheint für die Anleger eine nachgelagerte Rolle zu spielen. Dabei gibt es schon diverse Anzeichen, dass Lieferengpässe durch den Irankrieg zu Produktionsausfällen bei japanischen Konzernen führen könnten. Vor allem der ausbleibende Nachschub des Kunststoff-Vorprodukts Naphtha zeitigt schon Folgen. Ein Hersteller der in Japan weit verbreiteten Nasszellen als Badezimmer musste seine Produktion zurückfahren, sodass die Bauindustrie schon vor Verzögerungen bei Neubauten warnte. Der Snack-Produzent Calbee bringt demnächst schwarz-weiße Chipstüten in den Handel, weil die normalerweise verwendeten Farben fehlen. Die Sorgen wachsen, dass auch die Zulieferer der Autoindustrie bald in Schwierigkeiten geraten könnten. „Wir können keine Autos bauen, wenn auch nur ein Teil dafür fehlt“, sagte Finanzvorstand Yoichi Miyazaki gerade auf der Jahres-Pressekonferenz von Toyota Motor.Solche Sorgen stellen eine weitere Belastung für die ohnehin auch in Japan zunehmend schwächelnde Autoindustrie dar. Nachdem Nissan schon seit einigen Jahren in der Krise steckt und seit gut einem Jahr eine Schrumpfkur durchläuft, musste Honda erst vor wenigen Wochen seine Elektroauto-Pläne zusammenstreichen und dafür hohe Abschreibungen in Kauf nehmen. Die Honda-Aktien verbilligten sich seit dem Jahresbeginn um 14 Prozent, jene von Toyota gaben zwölf Prozent ab. Der kleinere Hersteller Suzuki verlor im gleichen Zeitraum sogar ein Viertel seines Börsenwerts.Dass die Kursschwäche solcher traditionellen Aushängeschilder der japanischen Industrie dem gesamten Aktienmarkt kaum etwas anhaben kann, werten Beobachter als Zeichen für die tiefgreifenden Veränderungen des Marktes. Aktuell sind vier der zehn wertvollsten Unternehmen des Landes der Halbleiterindustrie zuzurechnen. Abgesehen von Toyota, Hitachi und dem weit verzweigten Konglomerat der Mitsubishi Corporation sind die klassischen Auto- und Industriekonzerne dort nicht mehr zu finden.