Von den großen Umweltproblemen ist Mikroplastik eines der perfidesten. Es wird durch die unterschiedlichsten Aktivitäten wie Eincremen, Fahrrad- und Autofahren, Kleidertragen und Sport auf Kunstrasen oder Kunststoffbeläge in die Welt gesetzt. Also die normalsten und alltäglichsten Dinge. Es kann eine sehr schädliche Wirkung auf den Körper von Menschen und Tieren haben, die stark vom Ausgangsmaterial abhängt. Mikroplastikpartikel können über den Boden, die Luft, über Lebensmittel oder über Wasser aufgenommen werden. Sie können unmittelbar toxisch und infektiös wirken, langfristig auch die DNA schädigen.Da Mikroplastik an so vielen unterschiedlichen Stellen entstehen kann, ist die Entsorgung nicht ganz trivial. Das Unternehmen 3P Technik aus Bad Überkingen auf der Schwäbischen Alb glaubt, eine praktikable Lösung gefunden zu haben. Das Unternehmen ist seit drei Jahrzehnten auf Regenwasserbehandlung spezialisiert. Was einst mit dem Wasser in privaten Regentonnen begonnen hat, hat sich seit gut 20 Jahren auf Parkplätze, Landstraßen und Autobahnen verlagert.Geschäftsführer Thomas Zepf sieht sich an einer Schlüsselposition, um das Mikroplastikproblem zumindest stark zu lindern. „Durch Sedimentationstechnik können wir einen Großteil der Partikel und daran anhaftenden Schadstoffen durch industriell gefertigte Behandlungsanlagen abscheiden“, sagt er im Gespräch mit der F.A.Z. Die Technik ist eine Fortentwicklung seines Ingenieursteams, das auf bestehenden Verfahren aufbaut und das im Herbst durch das Institut für Unterirdische Infrastruktur in Gelsenkirchen zertifiziert wurde.Ein Institut hat hohe Quoten an Rückhalt von Schadstoffen gemessenEs kombiniert die Sedimentation (Ablagerung durch verschiedene Absinkgeschwindigkeiten) mit einer Skimmerbehandlung, durch die Stoffe aus der Flüssigkeit abgeschöpft werden können. Grob gesagt, strömt das Regenwasser in einen hydromechanischen Abscheider, in dem sich schwere Feststoffe nach unten absetzen und Schwimmstoffe an der Oberfläche bleiben. Feststoffe werden in einem Schlammfang gesammelt, wobei der Rückfluss verhindert wird. Parallel dazu transportiert der Skimmer Schwimm- und Schwebstoffe ab.Das Ergebnis, das von dem Institut im Ruhrgebiet ermittelt wurde, liest sich in Zahlen so: Jeweils 99 Prozent Rückhalt eines Kies-Sand-Gemischs, von Schwebstoffen und von Polyethylen und Polysterol. Bei Reifenmehl ist der Anteil mit 86 Prozent geringer. „Der Reifenabrieb ist besonders herausfordernd, weil es ein kleiner, feinporiger Gummiabrieb ist, der von der Größe sehr unterschiedlich ist und ein schwieriges Verhalten im Wasser hat“, sagt Zepf. Das andere abzuscheidende Material sei homogener und einfacher handhabbar.Die neue Technik wird bei ersten Kunden eingesetzt. Am Montag stellt 3P Technik das Verfahren auf der IFAT, einer der international größten Umweltmessen, vor. Der potentielle Markt ist weit gestreut: Infrage kommen alle Unternehmen oder öffentlichen Institutionen, die Rohre besitzen, für die sie eine Einleitungsgenehmigung benötigen. „Wenn es ein Industrieunternehmen ist, ist dieses verantwortlich. Ist es eine Straße, ist es die jeweilige Gemeinde, das Landratsamt oder der Bund“, sagt Zepf. „Das macht es nicht einfach, einen einheitlichen Vertriebsansatz zu suchen. Wir wählen den Weg über die Planer.“Die Europäische Wasserrahmenrichtlinie erhöht den DruckEin wesentlicher Treiber dieses Geschäfts sind Auflagen der Europäischen Union, die mit ihrer Wasserrahmenrichtlinie schon längst jedes Gewässer in ökologisch und chemisch guten Zustand haben wollte. Doch die Regulierung wurde immer weiter hinausgezögert. Jetzt ist das angestrebte Stichjahr 2027. Das setzt die Verantwortlichen für Einleitungsrohre, wie Parkplatz- oder Straßenbetreiber, unter Zugzwang.Das schwäbische Unternehmen sieht sich in einem Vorteil. Einige Wettbewerber suchen die Lösung in Filteranlagen. Das ist auch eines der Geschäftsmodelle von 3P Technik. Geschäftsführer Zepf lässt keinen Zweifel daran, dass auch sie einen Beitrag leisten können. Allerdings schränkt er den erwartbaren Effekt ein: „Das ist eine Frage der Wirtschaftlichkeit und Praktikabilität“, sagt er. „Solche Anlagen dienen primär zum Abtrennen gelöster Schadstoffe – sie filtern zwar auch das Mikroplastik, es verstopft aber dadurch die Filter. Das macht die Wartung der Filtrationsanlagen sehr aufwendig.“ Das sei in etwa so, als schieße man mit Kanonen auf Spatzen.Die Kombination aus Sedimentation und Skimmer dagegen könne recht erfolgreich schädliches Material abscheiden. Und Zepf sieht sich auch in der Lage, Unternehmen und staatliche Institutionen schnell beliefern zu können. „Wir schaffen es, jedes Jahr Hunderte Einleitstellen gesetzeskonform zu machen durch die Zusammenarbeit mit Planern und Genehmigungsbehörden“, sagt er.Noch ist viel zu tun. Nur 42 Prozent der Gewässer in der EU sind nach Untersuchungen schon in einem ökologisch und chemisch guten Zustand. Ein Viertel des Mikroplastiks in Deutschland stammt aus dem Reifenabrieb – und fällt in den Anwendungsbereich der Anlagen von 3P Technik. Drei Viertel davon werden durch Regen und Starkregen in Gewässer und Böden gespült. Deshalb braucht es aus Sicht von Geschäftsführer Zepf wirksame Maßnahmen, die den Eintrag an der Quelle unterbinden. Mit seiner neuen Technik meint er, eine gefunden zu haben.