Aaron Rai hat bei der 108. PGA Championship nicht nur überraschend seinen ersten Major-Titel gewonnen. Der 31 Jahre alte Engländer wurde auch zum Sinnbild eines außergewöhnlichen Turniers.Aus einem Feld voller Stars setzte sich ausgerechnet jener Spieler durch, der als krasser Außenseiter wahrgenommen wurde: ein stiller Perfektionist mit ungewöhnlichem Hintergrund, der auf ungewöhnliche Weise ein ungewöhnliches Major gewann – mit einer grandiosen Schlussrunde von 65 und insgesamt 271 Schlägen (9 unter Par). Ein Coup für den 44. der Weltrangliste (durch den Sieg rückt er auf Platz 15 vor).Brillant auf den GrünsDenn Rai hatte sich bislang lediglich 2024 seinen einzigen Sieg auf der PGA Tour erkämpft, dazu drei Erfolge auf der DP World Tour. Noch bezeichnender: Beim Signature Event der Vorwoche war er nicht einmal startberechtigt. Umso erstaunlicher war sein Triumph im Aronimink Golf Club in der Nähe von Philadelphia – vor allem, weil er ausgerechnet auf den Grüns brillierte, obwohl Putten lange eher als Schwäche seines Spiels galt.Die entscheidenden Momente kamen auf spektakuläre Weise. Am neunten Loch versenkte Rai einen Eagle-Putt aus rund 14,3 Metern. Noch unglaublicher wurde es später auf dem 17. Grün. Dort lochte er einen Monster-Putt aus 20,7 Metern zum Birdie ein. Diese Putts brachen letztlich die Konkurrenz.Auf die akribische ArtUnd die hatte es in sich. Hinter Rai belegte Major-Sieger Jon Rahm mit drei Schlägen Rückstand gemeinsam mit Alex Smalley, der mit zwei Schlägen Vorsprung als Spitzenreiter auf die Schlussrunde gegangen war, Rang zwei.Auch weitere Major-Sieger wie Justin Thomas (geteilter Vierter), Rory McIlroy und Xander Schauffele (beide auf Platz sieben) mussten sich überraschend geschlagen geben – wie auch Scottie Scheffler. Der Weltranglistenerste landete als Titelverteidiger nur auf dem geteilten 14. Rang. Rai setzte sich also gegen nahezu die komplette Weltelite durch.Deutlich verbessert: Mit seiner Leistung qualifiziert sich Schmid erstmals direkt für das Masters 2027 in Augusta.AFPDabei wirkt der erste englische PGA-Champion seit 1919 auf der Tour fast wie ein Gegenentwurf zum modernen Golfstar. Rai spielt als einziger Profi auf höchstem Niveau mit zwei Handschuhen – schwarz, je einem an jeder Hand – und versieht seine Eisen mit Schutzhüllen. „Es begann im Alter von vier Jahren, als mein Vater meine teure Ausrüstung bezahlte“, sagte Rai. Viele Kollegen belächeln diese Eigenheiten, doch sie passen perfekt zu seiner akribischen Art.Schritt für Schritt geht es aufwärtsDer gebürtige Regensburger Matti Schmid beschrieb ihn nach der Schlussrunde treffend: „Aaron ist ein unglaublich harter Arbeiter. Vielleicht der härteste Arbeiter auf der Tour. Er macht alles mit voller Absicht und trainiert mit enormer Zielstrebigkeit.“Tatsächlich hat sich Rai seinen Weg an die Spitze ohne großes Aufsehen Schritt für Schritt erarbeitet. Seine Familiengeschichte macht den Aufstieg zusätzlich besonders. Rais Mutter stammt aus Kenia, sein Vater aus Indien. Beide wanderten nach England aus. Seit 2020 lebt Rai in Jacksonville in Florida und ist mit der indischen Profigolferin Gaurika Bishnoi verheiratet, die auf der Ladies European Tour spielt.Die Freude nach dem FrustNach seinem Triumph wirkte Rai selbst fast fassungslos. „Es war eine etwas frustrierende Saison. Deshalb ist es völlig außerhalb meiner wildesten Vorstellungen, jetzt hier zu stehen“, sagte er mit der riesigen, zwölf Kilogramm schweren Wanamaker Trophy in der Hand.Aus deutscher Sicht besaß diese PGA Championship zusätzlich Bedeutung. Erstmals seit langer Zeit spielten drei Deutsche bei einem Major eine wichtige Rolle. Nach der ersten Runde gehörten Stephan Jäger und Martin Kaymer zum Kreis von sieben Profis, die das Feld anführten.Kaymer weckt ErinnerungenVor allem Kaymers Name sorgte für Erinnerungen: Der einzige deutsche Gewinner der PGA Championship hatte dieses Major 2010 gewonnen. Doch Jäger und Kaymer landeten am Ende nur auf den Plätzen 18 und 35. Stärker rückte Schmid in den Mittelpunkt. Der Oberpfälzer stand am Schlusstag zwischenzeitlich oben.„Ich dachte nach dem Birdie an der 13, dass ich führe oder direkt vorne dabei bin“, sagte Schmid später. Erst ein Bogey an Loch 15 stoppte seinen Angriff auf den Titel. Dennoch überwog bei Schmid nach der Runde die Zufriedenheit. „Es ist eines der besten Turniere, die ich je gespielt habe“, sagte er nach seiner Schlussrunde von 69 Schlägen und insgesamt 275 Schlägen (5 unter Par).Masters-Qualifikation für SchmidSelbst unter dem Druck eines Major-Sonntags rettete er sich mit zwei langen Par-Putts an den Löchern 17 und 18 ins Ziel. Schmid beendete das Turnier auf dem geteilten vierten Rang und verbesserte sich damit in der Weltrangliste auf Platz 65, die beste Platzierung seiner Karriere.Mit seinem Resultat qualifizierte sich Schmid erstmals direkt für das Masters 2027 in Augusta. Zudem sicherte er sich den Startplatz bei der PGA Championship 2027 und dürfte künftig regelmäßig bei den größten Turnieren der Welt vertreten sein.So wurde diese PGA Championship zu einem Turnier mit mehreren besonderen Geschichten: dem Durchbruch Rais auf der größten Bühne des Golfsports – und dem Signal, dass auch deutsche Profis bei den Majors wieder konkurrenzfähig sein können.
Golfprofi Rai: Triumph bei der PGA Championship
Aaron Rai triumphiert bei der 108. PGA Championship mit einer aufsehenerregenden Schlussrunde. Daneben sendet der Regensburger Matti Schmid ein besonderes Signal.











